Bargeld: bei weitem nicht so schwarz wie behauptet.

Das Bargeld spielt in der Kriminalität eine untergeordnete Rolle. Zu diesem Schuss kommt einer der führenden Experten für Schattenwirtschaft, der Linzer Ökonomieprofessor Friedrich Schneider in einer noch nicht veröffentlichten empirischen Studie. Trotzdem wird die Abschaffung des Bargeldes genau damit begründet.

Das Schweizer Fernsehen nahm die Herausgabe einer neuen Zwanzigernote am 10. Mai zum Anlass, sich am Vorabend in einem Schwerpunktbeitrag in der Sendung «zehn vor zehn» mit dem Bargeld zu beschäftigen. Über zehn Minuten dauerten die drei Beiträge. Ins Studio geladen wurde kein Experte, sondern der hauseigene Wirtschaftsredaktor Reto Lipp. Zwischen ihm und dem Moderator Arthur Honegger entwickelte sich ein völlig unkritisches Gespräch, in dem viele Halbwahrheiten kolportiert und Entscheidendes nicht gesagt wurde. Unter anderem bedauerte Arthur Honegger den fehlenden politischen Willen zur Abschaffung des Bargeldes, wie er etwa in Skandinavien besteht. Reto Lipp sagte darauf, das Bargeld sei nie weit weg von kriminellen Aktivitäten wie Waffenschmuggel, Drogenhandel und Steuerhinterziehung, mit denen viele Länder ihre Bestrebungen begründeten, das Bargeld abzuschaffen. Kein Hinweis, dass Bargeld dabei eine immer kleinere Rolle spielt und der Betrug bei elektronischen Transaktionen in grossem Wachstum begriffen wird.

Kein Wort, dass Bargeld das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist und selbstverständlich auch kein Hinweis darauf, dass wir beim elektronischen Bezahlen den Banken entweder Kredit geben müssen (jedes Bankguthaben stellt in seiner Rechtsnatur einen Kredit an die Bank dar) oder bei ihnen Kredit aufnehmen müssen. Wenn man schon einem Journalisten den Vorzug vor einem Experten gibt, darf man etwas mehr Recherche und Unabhängigkeit erwarten als die blosse Wiedergabe der Argumente der Bargeldabschaffer.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Schneider:

23 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Geld- und Währungspolitik»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production