Braucht es für die Akzeptanz des menschgemachten Klimawandels den Glauben an die Wissenschaft?

Hüben wie drüben schweift man bei einer Diskussion über den nötigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern schnell in eine Diskussion darüber ab, ob der menschengemachte Klimawandel tatsächlich existiert. Die Proseite stützt sich dann jeweils auf die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler, die sich hinter diese Theorie stellen und die Konterseite vermutet dahinter einfach eine Verschwörung der „Teppichetage der Profiteure von Erneuerbaren Energien“. Dann erwähnt die Konterseite noch Theorien von anderen Wissenschaftlern, die beweisen sollen, dass der Einfluss des Menschen auf das Klima vernachlässigbar klein ist. Oder sie wenden sich der Diskussion einfach ab, indem sie sagen „Ich nenne es Wetter“. Eine Pattsituation, in der man dann häufig einfach aufgibt oder endlos lang weiter diskutiert. Schade eigentlich, denn in solchen Diskussionen wird viel Zeit verblödet. Wertvolle Zeit!

Aber müssen wir uns wirklich auf die Wissenschaft stützen, um die Notwendigkeit des sofortigen Ausstieges aus fossilen Energien zu bekräftigen? Meiner Meinung nach reicht es, sich auf folgende drei unbestrittene Fakten* zu stützen:
1. Mit der Verbrennung von fossilen Energien wird CO2 in die Atmosphäre gestoßen. Pro Kilo Öl, Gas oder Kohle eine bestimmte Menge. Die lässt sich berechnen und messen. Daraus resultiert z.B. ein summierter CO2 Ausstoß seit Beginn der Industrialisierung, der sich ziemlich genau berechnen lässt.
2. Der CO2 Gehalt der Atmosphäre und der Temperaturverlauf der letzten 400‘000 Jahre mittels unbestrittener Daten aus Eisbohrkernen rekonstruiert werden. Dabei zeigt sich: der aktuelle CO2 Gehalt ist deutlich höher, als er es in den letzten 400‘000 Jahren je war! Und noch etwas zeigt sich: mit Beginn der Industrialisierung begann ein CO2 Anstieg mit beispielloser Geschwindigkeit. Ein Effekt, der mit Fakt Nr. 1 begründet werden kann.
3. CO2 hat einen Treibhauseffekt. Das heißt, dass sich mit Sonnenlicht bestrahltes CO2 stärker aufwärmt als Luft unter den sonst gleichen Bedingungen. Das lässt sich einfach messen und auch physikalisch begründen.

Zusammengefasst: Der Anteil des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre ist viel höher als er in den letzten 400‘000 Jahren je war und dies ist eindeutig auf den Menschen zurückzuführen.

Die Befürchtung liegt auf der Hand: eine vom Mensch gemachte Klimaerwärmung ist möglich.
Ob er nachweisbar ist und wie groß dieser Einfluss sein könnte: Darüber streitet sich die Wissenschaft, wobei die Mehrheit zu einem vom Menschen gemachten Klimawandel tendiert. Doch das ist wie bereits erwähnt die Sackgasse jeder Diskussion mit einem Klimaskeptiker. Aber diese Sackgasse muss gar nicht benutzt werden. Denn solange niemand beweisen kann, dass der oben erwähnte Zusammenhang der allgemein akzeptierten drei Fakten nicht existiert, bleibt der vom Mensch gemachte Klimawandel möglich.
Würdest du auf ein Fahrrad ohne Bremsen sitzen und damit im Nebel auf einer Straße fahren, von der du es für möglich hältst, dass sie schon bald krass bergab geht? (Jetzt gerade wird sie immer holpriger und langsam auch steiler). Die Klimaskeptiker sagen uns: „Solange es nicht bewiesen ist, dass die Straße gleich steil hinuntergeht, können wir weiterfahren. Absteigen zerstört die Wohlfahrt“. Andere sagen uns „Ich weiß, dass es da vorne mal runter und mal hochgeht. Ich nenne es Hügel.“
Was sagt uns die Vernunft? Versuche mit allen Mitteln, das Fahrrad so schnell wie möglich zu bremsen und gehe zu Fuss weiter!

Bis auf das Wohlfahrtsargument bleibt da jedem Klimaskeptiker wohl nicht mehr viel einzuwenden. Gerade in der Diskussion um die Energiewende und den Klimavertrag von Paris ist es das verbleibende Killerargument. Nach dem Motto: lieber gemütlich Fahrrad fahren und den Tod riskieren als anstrengend zu Fuss gehen. Doch auch dieses Argument ist schwach: Ja, der Ausstieg kann uns Wohlstand kosten. Aber wenn Ölkonsum = Wohlstand, dann bedeutet dies auch, dass mit jedem konsumierten Tropfen Öl Wohlstand von unseren Nachkommen genommen wird. Denn Öl wird früher oder später alle sein und Öl ist ein perfekter Speicher: es geht nichts verloren, wenn wir es noch ein paar Jahrzehnte oder Jahrtausende länger im Boden lassen (Übrigens auch Kohle, Gas und Co). Hier erweist sich der Vergleich mit dem Fahrrad wieder als nützlich: Du weisst, dass du mit dem Fahrrad nicht mehr allzu weit fahren kannst, da der Pneu früher oder später abgefahren sein wird. Würdest du es jetzt benutzen, wo es neblig ist und du keine Ahnung hast wohin die Strasse führt oder erst später, wenn sich die Wissenschaft einmal einiger ist, wie der weitere Strassenverlauf aussieht?

Tja, vielleicht bleibt der gute alte Klimaskeptiker dann halt doch noch dabei, auf dem Fahrrad sitzen bleiben zu wollen. Denn es stimmt schon: Fahrräder sind unglaublich gemütlich!

265 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

Kommentar von Marius Wartmann:

» zur normalen Ansicht wechseln

Alle 265 Kommentare anzeigen

Mehr zum Thema «Erneuerbare Energien»

zurück zum Seitenanfang