Unser Gesundheitswesen ist krank

Die obligatorischen Krankenkassenprämien erreichen jährlich neue Höchstwerte. Gleichzeitig bezahlten Bund und Kantone bereits 2013 mehr als 4 Milliarden Franken Prämienverbilligungen. Davon profitieren mehr als 30% der Bevölkerung und mehr als 40% der Haushalte in der Schweiz. „*Einem immer grösseren Bevölkerungsanteil sind die steigenden Gesundheitskosten egal*“, sagt up!zürich Vorstandsmitglied Martin Hartmann.

Ein Grund für die steigenden Kosten könnten die Medikamentenpreise sein: Nicht nur Original-Medikamente sondern selbst Generika sind in der Schweiz bis doppelt so teuer wie im Ausland. Dies sei erschreckenderweise ein eher kleiner Missstand, betrachtet man grundsätzliche Fehler in unserem Gesundheitssystem, sagt Hartmann. Ein Hauptproblem sieht er im Vertragszwang wonach Krankenkassen gezwungen sind, die Leistungen aller Ärzte zu vergüten. Dadurch bleibt der heilende Wettbewerb unter den Gesundheitsanbietern aus und man verzichtet auf das einschlägige Wissen der Versicherer über die Kosteneffizienz der einzelnen Ärzte. Ein anders Problem sieht Hartmann in der Zwangssolidarität: „Jemand der erstmal kostengünstig die eigenen Gebrechen zu linder versucht, zahlt automatisch für jene mit, die bei der kleinsten Unsicherheit in die teure Notaufnahme rennen.“ Diesem unterschiedlichen Krankheitsverhalten wird ebenfalls nicht Rechnung getragen.

„*Da Gesundheit sehr individuell ist, ist ein einheitliches Model von vorne herein zum Scheitern verurteilt*“, fügt Hartmann an. Ansetzen müsse man beim Grundleistungskatalog, der auf die Versorgung im Notfall zusammen gestrichen werden soll. Hartmann erwartet in der Folge ein erweitertes Angebot an Zusatzversicherungen. Beispielsweise für Leute, die sich im falschen Körper geboren fühlen und deshalb eine Geschlechteranpassung vornehmen möchten. Oder für Leute mit Krankheitsbildern, die man nicht nachweisen kann, wie Schleudertraumata. Auch die Entscheidung für kostspielige lebensverlängernde Massnahmen soll einen direkten Einfluss auf die Höhe der eigenen Prämie haben.

Diese Flexibilisierung des Gesundheitswesens soll alternative Modelle zulassen und bis zur kompletten Privatisierung gelockert werden. „Nur so ist Kostenwahrheit gewährleistet und das Kostenbewusstsein kann zurück kehren“, schliesst Hartmann daraus. Vor uns stehe jedoch ein langer Weg. Als erste Massnahmen fordert die Unabhängigkeitspartei up! nebst der Kürzung des Grundleistungskatalogs, die Abschaffung der Prämienverbilligungen und die Möglichkeit der Erhöung der Franchise auf 10'000 Franken. Begründet wird das mit mehr Eigenverantwortung die mit einer höheren Franchise auf sich genommen wird. Zentral ist auch die Auflösung des Vertragszwangs für Krankenkassen gegenüber Ärzten um das Gesundheitswesen zu befreien und genesen zu lassen, so die Forderungen der up! weiter.

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