Vorglühen abstürzen, Taxi 444 rufen... Die Jugend von heute?

Älteren Semestern unter uns dürfte der Begriff „vorglühen“ noch bekannt sein. Er stammt aus der Zeit, als man bei Dieselmotoren nicht einfach sofort losfahren konnte, sondern es etwas Geduld brauchte, bis der Motor auf Betriebstemperatur war. Diese Zeitspanne, eben dieses vorglühen, nannte man ab und an auch liebevoll die Rudolf Diesel-Gedenkminute. Die technischen Fortschritte haben diese Zeitspanne heute auf eine absolutes Minimum schrumpfen lassen, so dass man diesen Prozess heute gar nicht mehr wahrnimmt.

Der Begriff „vorglühen“ wird jetzt anderweitig gebraucht, obwohl die Bedeutung immer noch die gleiche ist. Und ja, diesen Prozess nimmt man sehr wohl war: Jugendliche bringen sich mit billigen Alkohol vom Denner oder aus der Tanke erst mal auf „Betriebstemperatur“

Die etwas älteren saufen sich „nur“ einen an, damit sie nachher im angesagten Club sich nicht mit Stangen zu 9 Franken volldröhnen müssen. Die jüngeren saufen die Nacht durch weiter, denn angeblich fehlt es ihnen ja an Freiräumen, wo sie sich entfalten und ausdrücken können.

Die Industrie und der Handel hat diesen Trend des "Vorglühens" ganz klar erkannt und namentlich an Tankstellen (sic!) lassen sich zum Beispiel kleine "Wodkaröhrchen" zu zwei Franken kaufen. Billigstfusel aus dem Ausland ist in grosser Auswahl vorhanden, und das eher knappe Budget des Jugendlichen führt dazu, dass er mit der Zeit genau weiss, welcher dieser Fusel am schnellsten einfährt.

Das Ziel ist, möglichst schnell betrunken zu sein. Sollte der eine oder andere dann zusammenbrechen und liegen bleiben, dann wird einfach die Ambulanz gerufen (denn dazu ist diese ja da), die sollen diese "Alkoholleichen" dann abholen. Wenn diese Jugendlichen dann im Krankenhaus ihren Rausch ausgeschlafen haben, und der Arzt sie damit konfrontiert, dass sie eine doch unter Umständen tödliche Dosis intus hatten, dann ernten die Ärzte oft unverständliche Blicke, so nach dem Motto, dass war doch nichts, dies machen wir doch jedes Weekend so!

Um eines klarzustellen, es mag vielleicht unglaublich klingen, aber ja, ich war auch mal jung. Und ja, wir haben auch gesoffen. Es wäre uns aber nie in den Sinn gekommen uns derart zu besaufen, dass die Ambulanz kommen muss. Und wenn jemand von uns etwas gar tief ins Glas geschaut hatte, dann war es Ehrensache, diesen zuhause bei Muttern abzuliefern. Auch waren wir irgendwas um die 16 oder 17 Jahre alt, derweil sich heute ja schon 12jährige ins Koma trinken!

Was ist bloss los mit der Jugend? Und was ist los mit uns Erwachsenen, dass wir so etwas nicht nur dulden, sondern manche Kreise dies sogar als freie Entfaltung der Jugend bezeichnen können, ohne dass sich da jemand darüber aufregt? Jetzt hat der Ständerat erste, sehr moderate Massnahmen ins Auge gefasst. Und schon wird wieder geschriehen, dies sei ein Eingriff in die Rechte eines jeden einzelnen. Ja, der Jungfreisinn erwägt sogar ein Referendum! Hallo? Was ist los? Besoffen?

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