Energiestrategie 2050 ist wichtig für die Energieversorgung der Schweiz.

Energiestrategie 2050 ist wichtig für die Energieversorgung der Schweiz.

Zum Atomstrom.
Neue Atomkraftwerke können zur Zeit nicht wirtschaftlich errichtet werden und die bestehenden kommen ans Ende ihrer Lebensdauer und werden irgendwann in naher Zukunft nicht mehr produzieren. Für einen allfälligen Neubau bräuchte es auch eine lange Bewilligungs- Planungs- und Bauphase. So könnte auch ohne Beachtung der wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten kein AKW in der notwendigen Zeit erstellt werden. Und da die Entsorgung alter Anlagen in der Schweiz noch nicht vollständig gelöst ist, sollte man nicht an neue AKWs denken auch wenn neuere Anlagen sicherer sein sollten.
Auch der Axpo Chef A. Walo hat in der Sonntagszeitung vom 26.2.2017 zum Bau von neuen AKWs gesagt:

„Nein, das ist vom Tisch. Aus wirtschaftlicher Sicht – und ich denke nach der Abstimmung vom kommenden 21. Mai auch aus politischer. Aber die heutigen Anlagen laufen nicht ewig.“

Also muss der Atomstrom mit den neuen erneuerbaren Energien ersetzt werden, es gibt keine vernünftige Alternative.

Solarenergie.
Das Problem der Solarenergie ist die nicht ständige Verfügbarkeit. Daher braucht es bei Überproduktion eine Möglichkeit der Energiespeicherung. Die Technologien sind vorhanden. Pumpspeicherwerke, Batterien, Wasserstoffproduktion mit oder ohne Methanisierung und dann Speicherung und Verwendung als EE-Gas. Die Schwankungen der Solarenergie sind besser vorhersehbar als die Panne eines Grosskraftwerkes mit Notabschaltung und daher einfacher zu beherrschen.
Die grenznahe deutsche Gemeinde Dettighofen im Versorgungsgebiet der EKS verfügt bis über 50% Solarstrom im Niederspannungsnetz und das - nach M. Niedrist der Leiter Netz EKS (das Elektrizitätwerk des Kantons Schaffhausen) -ohne Probleme. Er meint, dass ein noch höherer Anteil Solarenergie mit z.B. Batteriespeichern bei den dezentralen Solaranlagen möglich ist. (Quelle: Energie und Umwelt 1/2017)
Neben dem Solarstom gibt es auch die Solarthermie, die genutzt werden kann.. Es gibt 100% solarbeheizte Mehrfamilienhäuser (z.B. Solarpark Oberburg)

Windenergie
Auch Windenergie ist wichtig in der Energiestrategie. Wind gibt es auch nachts und im sonnenärmeren Winterhalbjahr. Daher ist die Produktion von Windstrom eine sinnvolle Ergänzung von Solarstrom.
Nach Dr. Norbert Allnoch
(Quelle http://www.iwr.de/wind/veroeff/winnorma.html )
Ist die Stromproduktion durch Windenergie im Winterhalbjahr höher als im Sommer. Monate an denen am wenigsten Strom aus Windenergie zu erwarten ist sind Mai, Juni, Juli und August (Die Zahlen sind Beispiele aus Deutschland). In einer Diplomarbeit der ETH Zürich (Rita Bolliger, Bastian Burger Ökologische Auswirkungen von Photovoltaik- und Windenergie im Kraftwerkspark der Schweiz ) zeigt sich ein ähnlicher Verlauf der monatlichen Produktion

Der Vogelschlag ist bei Windkraftanlagen ein Problem. Durch gute Standortwahl kann man die Sterblichkeit der Vögel minimieren.
Nach Abgaben in:
http://de.wikipedia.org/wiki/Windkraftanlage
wurde in einer Metastudie gezeigt, dass in den USA die geschätzten Todesfälle durch Windenergieanlagen (0,269 pro GWh) geringer sind als bei AKWs (0,416 pro GWh) und Kohlekraftwerken (5,18 pro GWh).
Aus einem weiteren Zitat im gleichen Wikipedia Artikel :

Eine in Kanada durchgeführte Studie schätzt die Zahl der jährlich durch Windkraftanlagen getöteten Vögel auf ca. 20.000 bis 28.300, während insgesamt in Kanada 270 Millionen Vögel durch menschliche Aktivitäten, 200 Millionen durch Katzen und 25 Millionen durch Kollisionen mit Gebäuden getötet werden.

Biomasse
Biomassenkraftwerke sind unabhängiger von Wind und Sonne und haben noch zusätzliches Potential, welches genutzt werden sollte. Es werden ca. 260 GWh elektrisch und 340 GWh thermisch erzeugt. Das zusätzliche Potential soll bei ca. 3600 GWh elektrisch und 4600 GWh thermisch liegen. Quelle: Potentiale zur energetischen Nutzung von Biomasse in der Schweiz, BFE 2004
Zusammen mit EE-Gas kann Strom und Wärme produziert werden. Gaskombikraftwerke sind nur dann sinnvoll, wenn sie mit Biogas oder EE-Gas betrieben werden. Aus Gründen der CO2 Bilanz sollte auf Erdgas verzichtet werden

Energieeffizienzsteigerung.
Durch bessere Technik wird der Energieverbrauch neuerer Geräte schon jetzt gesenkt. Der laufende Ersatz alter Geräte führt zu geringerem Energieverbrauch bei gleichem Nutzen.

Was ist mit kritischen Stimmen zur Stromversorgung mit der Erneuerbaren Energiegewinnung?

Aus einem kritischen Beitrag zur Stromversorgung mit Erneuerbaren : Quelle:
http://www.geolitico.de/2017/01/02/stromversorgung-als-planwirtschaft/
stammt folgende Aussage:

Die erforderliche elektrische Leistung in Deutschland schwankt im Winter zwischen maximal 82.000 Megawatt (MW) am Tag und minimal 45.000 MW in der Nacht. Die installierte Leistung der Windkraftanlagen beträgt 45.000 MW, die der Photovoltaik-Anlagen 41.000 MW. Theoretisch kann man also den Maximalbedarf an elektrischer Energie mit Erneuerbaren locker decken. Aber leider nicht praktisch. Denn die tatsächliche eingespeiste Leistung von Photovoltaikanlagen schwankt im Winter zwischen 0 und 10.000 MW, die der Windkraftanlagen von 1.000 bis 30.000 MW. Das heißt, die Photovoltaik hat einen Wirkungsgrad zwischen 0 und 25 %, die Windkraft zwischen 2 und 67 %, wenn man den Wirkungsgrad in erster Näherung als Quotienten von tatsächlicher Leistung und installierter Leistung überschlägt. Wind- und Sonnenstrom zusammen erreichen minimal 1.000 MW, was wiederum etwas mehr als 1 % des Maximalbedarfs ist. Und umgekehrt kann der Wind zwei Drittel des Nachtstrombedarfs decken. Wenn er denn ordentlich weht.

Die installierte Leistung ist nicht die produzierbare Leistung. Das ist die theoretisch maximale Leistung unter idealen Bedingungen. Bei den Photovoltaik Anlagen und den Windanlagen hängt die effektive Leistung unter anderem von der Position der Anlage und dem Wetter ab. Auch bei konventionellen Stromerzeugern ist die installierte Leistung ein theoretischer, (nicht immer erreichbarer) Wert. Auch hier kann man nicht mit der installierten Leistung rechnen. Auch sind die erneuerbaren Energien nicht nur Sonne und Wind. Biomasse fehlt z.B. in der oben genannten Aussage. Weiter verlaufen Windaufkommen und Sonnenschein nicht gleich, so dass es die Produktionsverlaufskurve von Windkraft und Solarenergie nicht gleich sind, sondern sich teilweise ergänzen.

Weiter steht im gleichen Artikel

Von einer Abdeckung des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien kann also überhaupt nicht die Rede sein. Auch in Zukunft nicht. Alle entsprechend lautenden Mitteilungen sind reine Fantasterei und Elitenpropaganda der Medien. Die gesamte elektrische Leistung von 82.000 MW muss im Flaute-, Nacht- und Bewölkungsfall durch konventionelle Kraftwerke erbracht werden, wenn man zu diesen mal die Wasserkraftwerke hinzurechnet.

Diese Aussage ist schlicht unbegründet, denn es gibt Speichermöglichkeiten um die schwankende Stromproduktion zu kompensieren. Batteriespeicher können für den Ausgleich kurz und mittelfristiger Schwankungen eingesetzt werden. Überschüssiger Strom kann auch für Pumpspeicherkraftwerke genutzt werden. Daneben gibt es z.B. auch die Wasserstoffproduktion mit oder ohne Methanisierung, also sogenanntes EE-Gas. Das synthetisierte Methan kann dann auch in das bestehende Gasleitungsnetz geleitet und so verwendet oder gespeichert werden. Ein Gaskombikraftwerk, das nur mit EE-Gas oder Biogas betrieben wird, wäre im Betrieb CO2 neutral und so für die Energiestrategie 2050 vertretbar und kann unter den oben genannten Bedingungen auch zu den erneuerbaren Energien gezählt werden. Ein mit Erdgas betriebenes Werk aber nicht.
Die Speicherung zu viel produzierter Energie hat hauptsächlich ein Problem. Die Stromproduktion aus umweltschädlichen fossilen Quellen in Deutschland und der Einspeisung dieses fossilen Stroms ins internationale Stromnetz ist noch zu billig. Daher ist die Speicherlösung (noch) nicht konkurrenzfähig. Es braucht daher Anstrengungen auch die Energiespeicherung erneuerbarer Stromproduktion zu fördern.
Den Strombedarf mit erneuerbaren Energien zu decken ist möglich. Es braucht nur den Willen, dies zu erreichen. Eine andere Energiepolitik wird im Endeffekt nicht günstiger und ist umweltschädlicher.

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