Mord

Bedeutet Lebenslänglich, zumindest in Deutschland (de facto auch dort 15 Jahre). Das ist wohl so in Ordnung, man stelle sich eine gerechtere Strafe für jemanden vor, der einen LKW kapert, dessen Fahrer umbringt und dann damit auf einen Weihnachtsmarkt zurast, mit dem erklärten Ziel, möglichst viele Menschen umzubringen. Viele unschuldige Menschen mussten dort ihr Leben lassen, viele weitere wurden schwer verletzt.

Hm, ich denke, man wäre unehrlich, wenn man sich nicht eingestehen würde, dass ab und zu bei solchen Delikten, bei einem selber, ganz tief im innersten nicht ganz leise der Wunsch nach der Todesstrafe aufkommen würde. Nur ein kleines Flackern. Man wischt es wieder weg, nein, soweit ist man noch nicht gesunken. Das Gefühl ist verständlich, aber was zu weit geht, geht zu weit, auch wenn man solcherlei Gefühle erst recht nicht den Angehörigen der Opfer verübeln kann. Mein Glaube lehrt mich, auch verzeihen zu können. Das ist nicht immer ganz einfach. Und ja, Straftaten gehören geahndet. Vorsätzlich mit einem LKW über Menschen zu fahren, was kann es verwerflicheres geben? Natürlich muss das mit aller Härte des Gesetzes geahndet werden.

Andere Geschichte, aber gleiche Stadt: Dummheit, Testosteron, eine gescheiterte Jugend. Mit aufgemotzten Karren, die sich heutzutage offenbar auch Loser leisten können. Naja, irgendwann ist man nichts mehr, hat nur noch die Karre. Dieses hochgezüchtete Ding, im Gegensatz zu einem selber ist es tatsächlich potent. Und ja, man ist zwar selber nichts, aber mit diesem Ding ist man der King. Naja, dann gibt man halt auch Gas. Die etwas Vernünftigeren auf abgesperrten Strecken (die es in Deutschland im Gegensatz zur Schweiz gibt), oder dann naja, auf der Autobahn darf man dort ja noch wie man will (nichts dagegen einzuwenden, solange niemand gefährdet wird), hm, aber die etwas einfacher Gestrickten, die suchen sich die Innenstadt dafür aus. Nicht gut, gefährlich. Aber man kann dort noch etwas besser zeigen, was man "kann"... Naja, zu meiner Jugend hab ich auch blöd getan. Das war dann aber kein 381 PS-starker Mercedes-Benz AMG CLA 45, sondern ein simples Puch Maxi-Töffli.

Nicht gut. Gefährlich. Vor allem nicht der richtige Ort. Trotzdem, manche können es nicht lassen. Die muss man so bald wie möglich aus dem Verkehr ziehen. "Aus dem Verkehr ziehen" meint hier Führerausweis- und vermtl. bald einmal Autoentzug (die rechtlichen Grundlagen hierfür sind hierzulande und auch in Deutschland vorhanden).

OK, sie haben es wieder getan. Sie haben sich erneut diesem Rausch hingegeben. Mit Maschinen, die nicht für ihresgleichen konstruiert sind. Sie haben nichts anderes mehr gesehen. Schneller, schneller und ich bin besser.

Ein Rausch. Nicht gut, gefährlich. Vor allem mit 381 PS...

Sowas geht ins Auge. Früher oder später. Ein 69jähriger Mann starb an diesem Blödsinn. Dessen Sohn mag ähnliche Gefühle hegen, wie wir sie gegenüber dem Terrorattentäter am Weihnachtsmarkt hegen. Verständlich. Das Gericht, es mag auch das Gefühl hegen, endlich mal was gegen diese Raser tun zu können. Gegen diese wird einfach nie was getan (in Deutschland ist das wirklich so, im Gegensatz zur Schweiz). Maximalstrafe. Vor allem weil man als Staat ja sonst immer versagt. Verständlich, weil ähnliche Gefühle, wie wir sie oft hegen. Aber eben, wir sind ja auch keine Richter. Hm, wir dürfen uns ab und an auch von Gefühlen leiten lassen, wir sind ja keine Richter.Wir hätten allf. etwas früher eingegriffen und wären etwas strenger gewesen? Naja, durften wir ja nicht, wegen, naja, Rechtsstaat eben.

Gefühle in Ehren. Aber Rechtsstaat ist Rechtsstaat. Diese beiden Rotzlöffel werden nie mehr in ihrem Leben legal ein Auto lenken. Recht so. Aber was man Ihnen nicht vorwerfen kann: Sie sind doch niemals mit dem Vorsatz in ein Auto gesessen, jemanden damit umzubringen?

Mord? Das ganze Leben ist ruiniert. Wegen einer, naja, wegen einer Dummheit. Im Gegensatz zum LKW-Fahrer hatten sie nie den Vorsatz irgendjemanden umzubringen?

Ich hätte einige andere Delikte aufzuzählen, die ich ganz klar als Mord titulieren würde... Aber eben, die Wege der Juristen sind unergründlich. Wer einen Baseballschläger einpackt um damit jemanden zu erschlagen, der ist kein Mörder. Aber ein paar Jugendliche mit zuviel Testosteron und PS eben schon...

Ich verstehe und respektiere die Gefühle der Angehörigen des Jeepfahrers. Trotzdem, Mord war das nach meinem Empfinden nicht (auch juristisch nicht). Was denkt hierzu die Politnetzgemeinde? Freue mich auf einen spannenden Austausch.

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