«Gibt es gute Gründe, den Medien zu misstrauen?» fragte die Arena und lieferte unfreiwillig ein starkes Argument, auch der SRG zu misstrauen.

«Trumps Krieg» gegen die Medien war der Anlass, die Glaubwürdigkeit der Medien in der Arena-Sendung vom vergangenen Freitag zur Diskussion zu stellen. Trump habe seit seinem Amtsantritt schon über 130 Lügen verbreitet, sagte Roger Schawinski. Als Beispiel nannte er die Behauptung des US-Präsidenten «Ich schätze, es war der grösste Wahlsieg (nach Elektoren) seit Ronald Reagan». Aber das war keine Tatsachenbehauptung, sondern eine fahrlässige Fehleinschätzung, aus der Schawinski dann die Lüge machte, die er Trump in den Mund legen konnte: «Ich habe den grössten Wahlsieg aller Zeiten.»

Daniele Ganser bemängelte in der Sendung vor allem die unkritische Verbreitung von Kriegslügen durch die Massenmedien: Der Angriff auf ein Boot der US-Marine im Golf von Tonking, den es nie gegeben hat, der aber direkt in den Vietnamkrieg führte; die lückenhafte Aufklärung der Anschläge vom 11. September, die den Krieg gegen den Terrorismus begründeten; oder die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen, die den Vorwand zum Irakkrieg lieferten. Wegen seiner Kritik an der offiziellen Darstellung der Anschläge vom 11. September wurde Ganser in einer kürzlichen Sendung des Wissenschaftsmagazins «Einstein» als Verschwörungstheoretiker bezeichnet.

Um Gansers Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, hatte die Arena etwas Besonders vorbereitet: Als erstes zeigte Projer dem Publikum einen Tweet von Daniele Ganser, in dem er über die Einstein-Sendung «geschimpft» hätte: «Für das SRF ist kritische Forschung zu WTC 7 = Verschwörungstheorie. Diffamierung statt Aufklärung. Schade!» Dabei hätte er doch unmittelbar nach der Sendung eine E-Mail an die Redaktion von Einstein mit folgendem Inhalt geschrieben: «Ich fand den Teil über 9/11 und WTC 7 fair und sachlich. Danke. (…)». Grosser Protest von Ganser: «Aber Sie haben weggeschnitten, was ich nachher geschrieben habe. Das ist eine Riesenfrechheit und jetzt haben Sie es live». Projer insistierte folgenden Wortgefecht, der weggelassene Text hätte nichts mit WTC 7 zu tun. Ein klein bisschen richtig, aber im Grunde eben doch falsch, konnte man später feststellen, als endlich der fehlende Text eingeblendet werden konnte: «Der Mix ‹Klimalüge› und Protokolle hingegen fand ich schlecht.» Logisch: Ein Pharmakologe hätte auch keine Freude, wenn ein wirksames Medikament von ihm in einer Liste von Quacksalbereien erscheinen würde, selbst wenn es dort korrekt dargestellt würde.

Wenn es eine Falle war, die man Ganser vor laufender Kamera stellen wollte, ist Jonas Projer selber in sie geraten. Projers Absicht dabei war eindeutig: Gansers Glaubwürdigkeit sollte durch das verkürzte Zitat beschädigt werden, sonst hätte er das zweite Sätzlein mit bloss neun Worten problemlos stehen lassen können. Nach den Kommentaren zu schliessen, haben die Zuschauer die diffamierende Absicht offenbar auch so mitbekommen. Die ersten 40 von 287 Kommentaren fielen zu über 85 Prozent für Projer, die SRG und die Massenmedien negativ aus – mehr Zeit für eine vollständige Zählung wollte ich nicht aufwenden.

Eine solche Sendung muss aus meiner Sicht Folgen haben: Es geht nicht an, dass Moderation, Redaktion und ein Gast selber Partei sind, denn auch die Glaubwürdigkeit der SRG stand zur Debatte. Die Kontrahenten sollen die verbalen Klingen kreuzen, der Moderator soll moderieren. Und wenn es um die Seriosität der Medien geht, braucht es Experten mit mehr Distanz zur Sache als Roger Schawinski. Urs P. Gasche, früher Leiter der Sendung «Kassensturz», Chefredaktor der Berner Zeitung, Herausgeber des K-Tipp bringt auf der alternativen Medienseite infosperber.ch immer wieder faktentreue Kritik an Mediensendungen. Er wäre ein idealer Kandidat gewesen – erfahren, unabhängig, kameratauglich und hart an den Fakten.

Mehr dazu in «Verschwörungspraxis, live am Schweizer Fernsehen»

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