Teil 2: Wie Firmen ihre Macht gewannen und wieder verlieren

So wie eine Firma aufsteigt, so kann sie auch wieder untergehen. Zürcher Taxiunternehmen waren sich ihrer Macht vor 1951 bestimmt ziemlich sicher. Sie wussten, es kann sich eh nicht jeder ein Auto leisten und so verteilten sie den Markt unter sich auf. Zwei Trends nahmen den Taxiunternehmen ihre Poleposition weg. Auf der einen Seite war es der Angriff der Migros, welche für tiefere Preise sorgte. Viel schlimmer für die Taxifahrer aber war, dass sich immer mehr Leute ein eigenes Auto leisten konnten. Die Taxis verschwanden nicht, aber sie wurden immer weniger wichtig.

Die Macht von Firmen ist vorübergehend. Neue Technologien ändern die Regeln innert kurzer Zeit. Noch verkauft die Migros viele Sprachkurse in der Klubschule. Gleichzeitig lernen aber immer mehr Leute gratis online über https://de.duolingo.com/ oder man übt eine Fremdsprache gleich mit Einheimischen per Video oder Textchat unter http://en-us.wespeke.com/.

Wir alle wissen, was den Reisebüros passierte. Das Internet eliminierte ihren Wissensvorsprung. Wie es vor Ort in einem Hotel aussieht? www.tripadvisor.com. Die Macht verschiebt sich zu den Konsumenten. Sie beurteilen ein Hotel und machen diese Reviews transparent. Auch hat das Reisebüro keinen Wissensvorsprung mehr, wenn es um Flugpreise geht. www.ebookers.com. Die meisten Leute buchen heute ihr Flugticket selbst.

Taxis? Uber! Es braucht keine Taxizentrale mehr. Die Menschen organisieren sich mithilfe einer App selbst. Und der Online-Kauf? Amazon.com ist auf dem Weg zum grössten Detailhändler der Welt aufzusteigen. Wo Duttweiler die günstigen Transportwege für sein Unternehmen nutzte, nutzt Amazon die günstigen digitalen Transportwege, um Waren günstiger und mit grösserer Vielfalt an den Mann und die Frau zu bringen.

Man könnte meinen, dass Firmen wie ebookers.com, uber.com, amazon.com & Co. die neuen Herrscher der Welt werden. Man könnte meinen, dass Uber die Leute ausbeutet und den Tarif vorgibt, weil sie die Macht besitzen. Doch es lauert ein Trend, der Uber, ebookers & Co. mächtig einheizen wird. Ein Trend, der die Macht nochmals massiv zugunsten der Konsumenten verschieben wird. Uber, ebookers & Co. könnte es schon bald ähnlich ergehen, wie den Taxiunternehmen und Reisebüros. Blockchain nennt sich eine Technologie, die den Menschen in Zukunft helfen kann, sich selbst zu organisieren.

Gehen Sie davon aus, dass die Technikwelt dauernd darüber nachdenkt, wie sie bestehende Könige stürzen kann. Menschen zu befähigen, dass sie Dinge eigenständig tun können, ist dabei ein grosses Ziel. Vermutlich braucht es schon bald kein ebookers mehr, damit sie wissen, wo es den günstigsten Flug gibt. Vielmehr werden neue Geschäftsmodelle entstehen. Sie sagen zum Beispiel, ich würde gerne im Februar nach Gran Canaria fliegen und im Hintergrund suchen dann kleine Programme, wer sonst noch mitfliegen möchte. Sobald sich 200 Leute finden, die zur selben Zeit von Zürich nach Las Palmas fliegen wollen, werden durch einen Softwareroboter die verschiedenen Fluggesellschaften angefragt, wer zu welchem Preis 200 Passagiere in den Süden fliegen will. Schon braucht es kein ebookers mehr. Sehen Sie die Verschiebung der Macht von der Firma zum Konsumenten? Nicht mehr die Fluggesellschaft gibt einen Tarif vor und die Kunden “bewerben” sich um einen Sitz. Nein. Es sind dann die Kunden, welche sich zuerst finden und dann bewirbt sich die Fluggesellschaften bei den Kunden.

Das Verrückte dabei ist, es muss nicht mehr eine Firma wie ebookers dieses Angebot handhaben. Selbstorganisation wird die Wirtschaft nochmals massiv verändern. Das bedeutet nicht, dass wir keine grossen Firmen mehr haben werden. Im Gegenteil. Infrastrukturanbieter werden grösser, wichtiger und mächtiger. Man wird sehr genau darauf Achten müssen, wie wir mit Monopolen umgehen. Diese Firmen können aber nur einen Bruchteil der Leute beschäftigen.

Arbeitsplätze gehen nicht verloren, weil Firmen stellen streichen. Firmen verschwinden, weil man sie nicht mehr braucht. Das ist ein entscheidender Unterschied zum gängigen Denkschema.

Die Dienstleistungen und Angebote vieler Firmen werden schlicht nicht mehr benötigt. Damit entfallen auch deren Arbeitsplätze. Ihr Vorteil, wie zum Beispiel der Wissensvorsprung von Reisebüros, fällt einfach weg. Die Macht wird in Zukunft vermehrt von den Konsumenten ausgehen - nicht von den Firmen. Oder was sind zum Beispiel Plattformen wie www.airbnb.com oder www.ricardo.ch ohne die Angebote der Anbieter/Konsumenten wert?

Dies kann eine beängstigende Vorstellung sein. Aber denken Sie an die Bauern, Metzger, Schmiede und Bäcker von vor mehr als 100 Jahren. Sie konnten sich eine Welt wie wir sie heute haben, ebenfalls nicht vorstellen. So wie vor 100 Jahren Berufsbilder verschwanden und neue entstanden, wird es auch diesmal sein. Die grosse Stärke der Menschen ist ihre Kreativität und ihr Ideenreichtum. Auch wir werden wieder Jobs erfinden, die vorher niemand benötigte. Ich vermute auch, dass es für viele wieder die Option der Selbstversorgung geben wird - also zurück zum Bauernstand mit Hilfe von Technologie.

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