Wer kann seine Meinung noch öffentlich frei äussern?

Eigentlich sind es nur noch die Rentnerinnen und Rentner, die ihre Meinung in Leserbriefspalten und social media Foren frei äussern können. Alle Leute im Arbeitsprozess und die Journalisten sind ihren Arbeitgebern respektive den Inserenten verpflichtet. Politikerinnen und Politiker haben auf das Parteiprogramm Rücksicht zu nehmen. Darum werden die kritischen Leserbriefe von Parteilosen, die vor allem von Senioren verfasst werden, so gerne gelesen. Aber auch bei diesen kann die Leserbriefredaktion „ordnend“ eingreifen und eine grossmehrheitliche Empörung der Leserschaft zu einer kleinen Oppositionsmeinung schrumpfen lassen, indem sie der Zahl und der Länge der Zuschriften einen ihrer politischen Ausrichtung entsprechenden Platz einräumt.
Und doch: Leserbriefschreiber müssen den Mut aufbringen, hin und wieder Angehörige, Bekannte und Freunde mit ihren Meinungsäusserungen zu vergraulen. Sonst bleibt letztlich wirklich nur noch der Stammtisch, an dem sich der vielgescholtene Wutbürger frei äussern kann.

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