Warum wir eine Nahrungsmittelversicherung einführen sollten

Die Schweizerinnen und Schweizer lieben Versicherungen. Das Gefühl von Sicherheit scheint uns glücklich zu machen, und wir sind bereit, einen beträchtlichen Anteil unseres Wohlstandes und unserer Freiheit dafür zu opfern.
Dennoch wurde seit jeher versäumt, in einem der wichtigsten Bereiche unseres Lebens für Sicherheit zu sorgen: Nämlich in der Nahrungsmittelversorgung. Bauern, Verarbeiter, Zwischenhändler, Restaurant, sie alle agieren in einem unübersichtlichen, ungeordneten, und profitorientierten Markt. Während wir uns in anderen wichtigen Lebensbereichen wie Gesundheitswesen oder Altersvorsorge ein Rückzug des Staates nicht mehr vorstellen können, wütete im Lebensmittelmarkt ein eigentlicher Raubtierkapitalismus.

Um sicherzustellen, dass sich auch in Zukunft jeder die nötigen Lebensmittel leisten kann, sollten wir eine Nahrungsmittelversicherung einführen. Jeder zahlt eine monatliche Prämie, dafür werden alle Grundnahrungsmittel von der Versicherung bezahlt. Dadurch wird sichergestellt, dass sich auch Leute mit geringem Einkommen immer genügend Nahrungsmittel leisten können, ohne von der Sozialhilfe abhängig zu sein und allenfalls aus falscher Scham zu verhungern.
Natürlich müsste eine solche Nahrungsmittelversicherung obligatorisch sein, weil sonst Personen, die wenig essen, sich der Solidarität entziehen und keine Versicherung abschliessen würden. Weiter müsste die Politik definieren, was als Grundnahrungsmittel zählt. Mittelfristig käme man wohl nicht darum herum, auch Spitzenrestaurants in die Versicherung aufzunehmen, weil wir sonst zu einer Zweiklassen-Ernährungs-Gesellschaft verkämen - und wer will das schon?

Es ist anzunehmen, dass ein solches System dazu führen würde, dass die Leute eher teurere und mehr Lebensmittel konsumieren würden, weil sie die Kosten nicht mehr selbst bezahlen. Dem kann jedoch problemlos ein Riegel geschoben werden durch eine Kontingentierung des Angebotes. So könnte man zum Beispiel die Anzahl der Spitzenrestraunts mit einem Numerus Clausus begrenzen, um eine Kostenexplosion zu verhindern. Dies würde zwar zu langen Wartelisten bei den Restaurants führen, aber dafür die Kosten im Griff behalten. Um die Qualität und Versorgung mit Spitzenrestaurants nicht dem freien Markt zu überlassen, könnten auch die Kantone beginnen, selbst Restaurants zu betreiben, welche teilweise mit Steuergelder subventioniert würden, um die Kostenexplosion bei der Nahrungsmittelversicherung zu dämpfen.

Neben den Spitzenrestaurants müsste man sicher auch die Preise der Landwirtschaft reglementieren und ihre Produktion limitieren, damit nicht durch ein Überangebot das System ausgenutzt würde und dem Konsumenten (der jetzt preisindifferent ist) unnötige, überteuerte und übermässige Mengen von Nahrungsmitteln angedreht würden, die dann im Kühlschrank verfaulen.
Mit Prämienverbilligungen könnte man die ständig ansteigenden Versicherungsprämien auch für tiefere Einkommen bezahlbar halten. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 15% zu diesem Zweck wäre durchaus verkraftbar (insbesondere, da die Lebensmittel ja nicht mehr durch die Konsumenten bezahlt werden müssten).

Als positiver Nebeneffekt könnten im neuen Bundesamt für Nahrungsmittelversicherungen und in den zahlreichen Nahrungsversicherungskassen tausende von Stellen geschaffen werden, mit Kadersalären bis zu einem Maximalbetrag von 250‘000 (Abzocker wollen wir nicht in der Grundversorgung).

Insgesamt dürften sich wohl die Nahrungsmittelpreise verdoppeln und die Qualität deutlich sinken. Aber dafür wäre sichergestellt, dass alle die genau gleiche Versorgung mit Nahrungsmittel geniessen könnten und dass die Versorgung (abgesehen von teilweisen Engpässen und Wartezeiten aufgrund der Rationierung) sichergestellt wäre.

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass jemand gegen ein solches gerechtes System sein könnte. Wenn schon, dann wäre er wohl naiv oder asozial.

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