Zur Unternehmenssteuerreform III - über die wir am 12. Februar 2017 abstimmen Teil 1 - das gelesen: Betriebsrente von 93‘000 Euro – pro Jahr? Nein, pro Monat

Das gelesen:
Betriebsrente von 93‘000 Euro – pro Jahr? Nein, pro Monat!

„Winterkorns Rente sorgt für Empörung“
Auszug aus „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („F.A.Z.“) vom Donnerstag den 05.01.2017, Unternehmen 20

Seit Anfang 2017 ist Professor Doktor Martin Winterkorn der frühere VW-Chef [CEO] im Ruhestand. Seine Betriebsrente von 3100 Euro am Tag ist üppig. Zumindest rechtlich ist das völlig in Ordnung.

Bislang hat sich der VW-Aufsichtsrat hinter Winterkorn gestellt und an seiner Aussage festgehalten: „Die Mitglieder des Präsidiums [Verwaltungsrat] stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten.“ [Wie wollen diese das feststellen?]
Ob die Untersuchungen der amerikanischen Ermittler von Jones Day, die ursprünglich schon im letzten Frühsommer vorgestellt werden sollten, an dieser Einschätzung etwas ändern werden, ist ungewiss.

Schluss. Aus. Vorbei. Mit Beginn dieses Jahres ist der Vertrag des über den Abgasskandal bei Volkswagen gestürzten früheren Vorstandsvorsitzenden [CEO; Vorstand = Geschäftsleitung] Martin Winterkorn mit dem Wolfsburger Konzern offiziell beendet.
Winterkorn ist bisher zwar der einzige Vorstand [Mitglied der Geschäftsleitung], der wegen der Manipulationen an weltweit rund 11 Millionen Dieselautos seinen Posten verloren hat, doch eine Mitschuld hat er immer bestritten. „Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin“, ließ er im Herbst 2015 nach seinem Rücktritt verlesen.
Auf der Gehaltsrolle von VW blieb er deswegen. Und weil das Einkommen des Konzernlenkers Winterkorn mit 15,9 Millionen Euro 2014 – und auch in den Vor- und Folgejahren – üppig war, muss sich der einst bestbezahlte Manager Deutschlands auch als Rentner keine finanziellen Sorgen machen. „3100 Euro VW-Rente am Tag“ titelte die „Bild“-Zeitung am Mittwoch empört. In der Tat – nach seinem Volkswagen-Gehalt stehen Winterkorn monatlich rund 93 000 Euro Betriebsrente des Unternehmens zu. Der frühere VW-Chef ist damit allerdings keine Ausnahme. Auch andere Vorstände von Dax-Unternehmen haben sich ähnlich hohe Rentenansprüche erworben.

Im Fall Winterkorn sorgt die monatliche Rente, die höher ist als die Jahreseinkommen der meisten Deutschen, nicht nur für Empörung, weil Neid im Spiel ist [Mit Neid hat dies gar nichts zu tun – sondern: es ist nicht seiner persönlichen Verdienste wegen, dass er so unverhältnismässig kassiert, sondern nur weil er CEO von VW war, einem Unternehmen, das mit Milliarden jongliert].
Die Empörung ist auch groß, weil die Folgen des VW-Abgasskandals an den Spitzenmanagern des Konzerns bislang ohne spürbare finanzielle Einbußen vorübergegangen sind. Winterkorn war im September 2015 nur wenige Tage nach Aufdeckung des Skandals durch die amerikanischen Umweltbehörden unter wachsendem öffentlichen Druck zurückgetreten. Bis heute beteuert er, von den Manipulationen nichts gewusst zu haben. Für Volkswagen begann mit dem Abgasskandal die – bis heute nicht ausgestandene – größte Krise in der Geschichte des Unternehmens. Milliarden-Rückstellungen für Entschädigungen, Strafen und Umrüstung der manipulierten Fahrzeuge belasten die Bilanz. Es fehlt Geld im Strukturwandel der Autobranche.

Dass Winterkorns regulärer Vertrag mit VW trotz seines Rücktritts bis Ende 2016 weiterlaufen sollte, hatte schon 2015 Kritiker des Konzerns empört. Dabei geht, was die Altersbezüge Winterkorns betrifft, alles mit rechten Dingen zu. Die Pensionsansprüche der Spitzenmanager von Unternehmen werden wie ihre Bezahlung vom Aufsichtsrat festgelegt. Um zu verhindern, dass sie, wie früher oft üblich, im „stillen Kämmerlein“ zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem in eigener Sache verhandelnden Spitzenmanager vereinbart werden, ist seit 2009 ausdrücklich das gesamte Aufsichtsratsgremium dafür verantwortlich. Das schließt die Arbeitnehmervertreter und damit die IG Metall ein, die bei Volkswagen traditionell sehr stark sind. Bei Volkswagen bekommen ehemalige Vorstände als Ruhegehalt einen Prozentsatz ihrer früheren Grundvergütung. Ausgehend von 50 Prozent, steigt der Anspruch mit jedem Jahr der Unternehmenszugehörigkeit um 2 Prozentpunkte bis zu einer Höchstgrenze von 70 Prozent, wie bei Martin Winterkorn. Zudem dürfen frühere Vorstände weiter ihren Dienstwagen nutzen. Laut VW-Geschäftsbericht 2015 wurde die Pension von Martin Winterkorn insgesamt mit 28,5 Millionen Euro bewertet.

… Winterkorns Pensionsansprüche liegen allerdings – auch wegen des hohen Gehalts in den Erfolgsjahren vor dem Abgasskandal – am oberen Ende im Vergleich mit anderen Dax-Konzernen. Lediglich Daimler-Chef Dieter Zetsche könnte derzeit mit einer noch höheren Pension rechnen. Für ihn kalkuliert Daimler mit insgesamt rund 38 Millionen Euro.
Die großzügigen Pensionszusagen der Vergangenheit belasten laut einer Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung viele Unternehmen erheblich.
Ehemalige Vorstandmitglieder in Dax-Konzernen können demnach im Schnitt eine Rente von monatlich 34 000 Euro erwarten. Winterkorn ist also mit der Höhe seiner Altersbezüge kein Ausnahmefall [Das stimmt so nicht: er kassiert fast das Dreifache des Durchschnitts]. Weil die Festbezüge in den vergangenen Jahren gestiegen sind, seien auch die Pensionslasten gestiegen, heißt es in der Studie.

Die Rentenansprüche Winterkorns sind in den Medien jetzt just in dem Moment publik geworden, in dem in den Vereinigten Staaten darüber spekuliert wird, ob die – Volkswagen abermals mit Milliarden Euro belastenden – Strafzahlungen im Abgasskandal noch von der scheidenden Obama-Regierung festgelegt werden, und in Deutschland eine neu eingereichte Verbraucherklage und möglicherweise eine Rücknahmepflicht für mehrere Millionen Fahrzeuge bekanntgeworden ist.
Das alles sind Risiken, für die Winterkorn verantwortlich gemacht werden könnte. Bislang hat sich der VW-Aufsichtsrat hinter Winterkorn gestellt und an seiner Aussage festgehalten: „Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten.“
Ob die Untersuchungen der amerikanischen Ermittler von Jones Day, die ursprünglich schon im letzten Frühsommer vorgestellt werden sollten, an dieser Einschätzung etwas ändern werden, ist ungewiss.“

0 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Abstimmungen»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production