Rentenreform 2020 - Verlierergeneration

Als jüngere Person liegt mir die Debatte zur Rentenreform 2020 besonders am Herzen. Eine sinkende Geburtenrate, tiefe Zinsen und eine steigende Lebenserwartung bringen die Finanzierung der ersten beiden Säulen unter Druck. Ich setze mich ein für: Anpassung des Rentenalters, AHV-Schuldenbremse, flexibles Arbeiten im Alter und Senkung des Mindestumwandlungssatzes im BVG Obligatorium. Tönt gut. Aber im Laufe der letzten Monate musste ich feststellen, dass meine Zutaten nicht in der gleichen Pfanne gekocht werden können. Es braucht gewiss eine Gesamtschau, die einzelnen Bestandteile müssen aber einzeln betrachtet werden und es soll keine Vermischung stattfinden. Also kein Ratatouille, sondern ein gut hergerichtetes Mittagessen!

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Finanzierung der AHV einerseits und jener der Berufsvorsorge andererseits. Die AHV sowie die berufliche Vorsorge haben beide mit unterschiedlichen demographischen und ökonomischen Herausforderungen zu kämpfen. Es ist somit nicht klug, alles auf eine Karte zu setzen und die Säulen gegeneinander auszuspielen.

Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen aus meiner Generation spreche, dann können sie nicht verstehen, wie wir die Renten langfristig sichern wollen, diese aber gleichzeitig mit 70 Franken erhöht werden sollen. Die Last für die Jungen wird immer grösser: Dies ist unfair und nicht nachhaltig. In 35 bis 40 Jahren, wenn ich ins Rentenalter komme, dann wünsche ich mir, dass der Ständerat auch noch über Rentenerhöhungen – oder zumindest Beibehalt der Leistung - sprechen kann.

Damit eine Reform in dieser Grösse erfolgreich sein kann, braucht es klare Ziele, eine gewisse Ausgewogenheit im Sinne der Opfersymmetrie und Mut, aus vergangenen Fehlern zu lernen:
Die letzten Versuche, bei denen Sparmassnahmen (11. AHV-Revision), respektive der Abbau von Leistungen (Senkung des Mindestumwandlungssatzes von 6,8% auf 6,4%) im Mittelpunkt standen, sind ganz deutlich gescheitert. Diese Abstimmungsresultate müssen wir berücksichtigen, damit die Reform im Volk mehrheitsfähig ist.

Um die Reformstrategie des Bundes zügig zu verabschieden dürfen wir nicht in ideologischen Grabenkämpfen verharren. Schliesslich wissen wir alle, dass ein Drei-Bein-Taburettli nur gut steht, solange die drei Beine gleich lang und stabil sind. Genauso geht es mit dem 3-Säulen-System: Jede Säule muss für sich auf finanziell gesunder Basis zu stehen kommen und sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Vorlage des Bundes muss eine Mehrheit im Parlament und Volk finden. Die Ziele dazu sind klar: Erhalt des Leistungsniveaus und finanzielle Sicherung der 1. und 2 Säule. Kein Ausbau der 1. Säule, Kompensation des tieferen Umwandungssatzes in der 2. Säule.

Die jungen Generationen sollen darauf vertrauen können, dass ihre Vorsorge auch in Zukunft gesichert ist.

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