Schneller. Besser. Unkomplizierter. Die Schweiz hinkt in der Digitalisierung Ländern wie Rumänien hinterher und wir zahlen die Bürokratiezeche.

Erinnern Sie sich? An die digitale Identität?

Seit 2010 dümpelt die Lösung vor sich hin und hat sich noch nicht so richtig durchgesetzt. Nun nehmen Private (UBS, CS und Swisscom) einen Anlauf. Der Bund bleibt in der Planung aussen vor und soll nur noch für das Abstecken der Rahmenbedingungen beigezogen werden.
Die vom Bund lancierte digitale Identität (SuisseID) hat sich nicht so richtig durchgesetzt. Wie auch: für das Betreiben dieser Lösung muss Software nachinstalliert werden. Man hat es nicht geschafft, die Lösung in Standardfunktionalitäten der Betriebssysteme und der Software zu integrieren. Die SuisseID soll immerhin ab 2017 gratis verfügbar sein; bisher kostete sie für drei Jahre zwischen CHF 147.- bis CHF 195.-.

Damit kann ich nahtlos an das nächste Desaster übergehen: Die Einführung von einem neuen Pass und der ID waren per Ende 2016 geplant (inkl. elektronischer Identität; also der SuisseID-Funktionalität). Beide kommen wohl frühestens im Jahr 2019. Initiiert wurde das Projekt im Jahr 2011.

Weitere "innovative" Ideen wie die E-Vignette sollen frühestens per 2023 eingeführt werden. Eine Einführung per 2030 halte ich persönlich für realistischer, wenn ich die vielen Projektverschiebungen im Hinterkopf behalte. Innovativ steht hier in Gänsefüsschen: solche Systeme sind z.B. in Ländern wie Rumänien längst Alltag. Sie müssen nicht erst neu erfunden werden, es gibt diese Systeme bereits.

Wann werden eigentlich Zolldienste digitalisiert? Rechnung fotografieren, Zoll bezahlen, durchfahren? Es wird wie wild gejammert, dass die Zolldienste mit den Arbeiten überfordert wären. Dabei liesse sich diese Arbeit grösstenteils digitalisieren. Ich meine: Stempeln... Das System "Stempel" müsste längstens abgelöst werden.

Die Schweiz hinkt in der Digitalisierung Ländern wie Rumänien oder Estland hinterher. Die Projekt dauern zu lange und wenn sie dann kommen sind sie bereits hoffnungslos veraltet. Der Steuerzahler bezahlt den ganzen Irrsinn.

Als Beispiel möchte ich hier die Entwicklungszeit der Trägerrakete Ariane 1 aufführen. Diese dauerte vom Jahr 1973 bis 1979 sechs (in Zahlen: "6") Jahre. Einige Leser werden wohl mit mir einig sein, dass ein solches Projekt sehr komplex ist.
Die Eidgenossenschaft schafft es nicht, in der selben Zeit Routineprojekte wie die Ablösung von einem Pass oder einer ID durchzuführen. Dabei werden wir von agileren Ländern überholt.

Die Schweiz muss es wieder lernen:
Wir müssen wieder schneller, besser und unkomplizierter werden. Mittelmass können wir uns schlicht nicht leisten.

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