Kostengünstige, sichere, unabhängige und umweltverträgliche Energieproduktion?

SWOT Analyse KKW

Stärke:

  • Hohe Energiedichte bei mittlerem Wirkungsgrad daher eher hohe Leistung auf wenig Platz
  • «autarke» Stromproduktion (Uranimport vorausgesetzt)
  • Produktion im grossen Mengen ohne weiteres möglich
  • Anlagen sind bereits gebaut und im Betrieb

Schwäche:

  • Keine Flexibilität in der Produktion (Menge)
  • Kosten explodieren aufgrund Alter der Anlagen
  • Von 0,1 % Uran im Erz werden nur 2 % in den Brennstäben selber gebraucht
  • Technologie konnte bisher kaum erfolgreich weiterentwickelt werden: Konzepte wie «schneller Brüter», Flüssigsalz-, Thorium- oder gar die Fusionsreaktoren sind meist nur in Computersimulationen vorhanden

Chancen:

  • CO2 Einsparungen

Risiken:

  • GAU mit extremer Wirkung auf Schweizer Mittelland
  • Uranvorkommen sind begrenzt, je nach Quelle 60-120 Jahre zu aktuellen Kosten förderbar
  • ungelöste Probleme beim Uranabbau wie auch bei Entsorgung/Wiederaufbereitung/Zwischen- oder Endlager
  • Kosten für Ausstieg nicht zuverlässig bezifferbar

Energieträger Uran

Etwa 70 % der Lagerstätten befinden sich unter dem Land von indigenen Völkern, die dadurch besonders von den Folgen des Uranabbaus betroffen sind.
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Da Uranerz meist nur einen Urananteil von unter 0,1% enthält kommt sind besonders mit dem Tagebau gewaltige Umweltzerstörungen verbunden und es müssen riesige strahlende Abfallberge entsorgt werden. Pro Tonne Yellow Cake fallen 40.000 Tonnen radioaktiver Abraum an. Die Arbeiter atmen dabei radioaktiven Staub und radioaktives Radongas ein. Die Folge ist Lungenkrebs. Außerdem entstehen große Mengen radioaktiven Sickerwassers, das Flüsse und Seen verseucht.
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Ganz speziell wird die Problematik beim Uranexport aus Niger für Frankreich klar:
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Die Reserven an Uran reichen noch wenigstens 120 Jahre (je nach Quellen unterschiedliche Angaben), wenn der kommerzielle Reaktorpark auf heutigem Niveau weiterbetrieben wird.
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Die CO2 Bilanz eines AKWs enthält nicht nur die Phase der eigentlichen Produktion, sondern muss Uranabbau, Transport, Bau und Rückbau von AKWs plus Wiederaufbereitung/Lagerung von Abfällen einschliessen.
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Im aktuellen weltweiten Energiemix sind ca. 5 % Atomstrom enthalten, der zu ca. 85 % in 10 OECD Staaten erzeugt wird.
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Wenn Atomstrom also verdoppelt würde, könnten wir bei gleichbleibendem Verbrauch 10 % der Energie nuklear erzeugen, hätten aber dann die Vorräte doppelt so schnell verbraucht und hätten doppelt so grosse Probleme bei der Gewinnung von Uran. Es ist auch sehr zweifelhaft, dass die zusätzlichen Kraftwerke in der zur Verfügung stehenden Zeit (2040?) und vor allem auch in den Schwellenländern finanziert und realisiert werden.
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Gemäss der IEA wird bis 2040 der Anteil an fossilen Energieträgern weiter zunehmen, es sei denn, man setze die Klimaziele um und unterschreitet die 450 ppm CO2 Konzentration bis 2040. Dies wird in der Grafik Seite 46 mit einer Verdoppelung der Erneuerbaren sowie der KKW erreicht.
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Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Weltweite Klimaziele anerkennen den Zusammenhang zwischen Ressourcenverbrauch und von Menschen beeinflusster Klimaveränderung, 3 schwere KKW Vorfälle haben die Aussagen der Experten zur Wahrscheinlichkeit von Unfällen relativiert und die EU Industrielokomotive Deutschland hat den Ausstieg beschlossen und fördert entschlossen den Umstieg auf erneuerbare Energie. Eine Folge davon ist, dass der «Veredelungstrick», billigen Atomstrom bei Überkapazität in Pumpspeicherwerken zu speichern, um bei hoher Nachfrage «erneuerbaren Strom» zu attraktiven Preisen zu liefern, nicht mehr anwendbar ist. Gerade um die Mittagszeit, wo alle Kochplatten eingeschaltet werden, kann die Sonnenergie neuerdings einen sehr guten Wirkungsgrad erreichen. Zudem hat sich die Wirtschaft nach 2008 nicht mehr erholt und das Wachstum, das nötig wäre, um die aufgelaufenen Schulden zu bedienen, nie mehr erreicht. Zusammen mit einer höheren Energieeffizienz von moderneren Geräten stagniert der Verbrauch, wenn er nicht sogar zurückgeht. Aktuell geht man von 100 GW Überkapazitäten in der EU aus, was den Strompreis natürlich in den Keller geschickt hat.
Diese Situation führt dazu, dass die Schweizer Stromerzeuger sich längst an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst haben und viele Investitionen im Ausland tätigen. In der Heimat aber ist die Energieproduktion mit AKWs nicht mehr kostendeckend, darum werden jetzt ganz offiziell Subventionen gefordert – neben den versteckten Kosten, die sich in fehlender Haftung wegen Unversicherbarkeit und den kaum zuverlässig zu planenden Kosten für den Rückbau und die End/Zwischen/Tiefen (was auch immer!) Lagerung der Abfallprodukte verbergen. Ob die sich zu grossen Teil im Besitz der öffentlichen Hand befindlichen Energieerzeuger unter diesen Umständen überhaupt noch die eingegangen Verpflichtungen werden erfüllen können, ist daher fraglich. Der Schweizer Steuerzahler tut gut daran, sich zu überlegen, ob er den Preis für den Strom auf der Rechnung seines EWS transparent ausgewiesen sehen will, oder ob er die Verluste in Form von Staatsschulden sich und seinen Nachkommen über die Steuern auferlegen will – in diesem Fall völlig verbrauchsunabhängig.

Fazit

In meinem Gebiet, dem Softwareengineering, sind sogenannte Microservices die modernste Lösung auf all die Zielkonflikte innerhalb von Sicherheit, Komplexität, Flexibilität, Kosten und Zuverlässigkeit. Man könnte diesen Ansatz auf die Energieproduktion umlegen, in dem man sich von grosstechnischen Anlagen hin zur «Demokratisierung» der Energieerzeugung bewegt. Konsequente Dezentralisierung durch Konsumenten, die selbst auch für die Produktion sorgen, macht das System viel flexibler und unempfindlicher auf Störung eines wichtigen Knotens und schliesst auch Schadenspotenzial aus, welches ein AKW halt mit sich bringt. Zurzeit sehe ich in der aktuell verfügbare Nukleartechnologie keine Lösung für die Zukunft, weil sie erstens ihre eigenen Hausaufgaben nicht gelöst hat, zweitens kommerziell nicht tragbar ist und drittens immer weniger politisch akzeptiert ist. Ich bin sehr dafür, dass man weiter forscht; die bereits in die Jahre gekommen Anlagen sollte man aber umgehend stilllegen, zumal sie nicht einmal ihre Kosten einspielen. Dem Klimawandel werden wir nur damit begegnen können, dass die Menschheit Ihren Energiehunger so schnell wie möglich nur noch durch erneuerbare Energieträger stillt. Jegliches Wachstum, das auf einem höheren Verbrauch von fossilen Energieträgern beruht, wird den Klimawandel und seine wirtschaftlichen Folgen beschleunigen – und die Probleme für unsere Nachkommen vergrössern.

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