Islam, was jetzt nun.

Heute morgen habe ich wieder eine interessante Sendung gehört: Perspektiven auf SRF2. Sie portraitiert das Berliner Islamwisssenschaftler-Ehepaar Ina und Peter Heine. Die zwei erzählen von ihren Reisen in muslimische Länder vor der Islamistenära: autofahrende Frauen, köstliches Amusement der Bevölkerung, wenn Ina Heine in Marokko ihren Mann herumkutschierte, da er das Billett nie gemacht hat. Religionsausübung ungefähr so wie wir Christen in den Sechzigerjahren: brav und relativ unengagiert in den Gottesdienst, beten, mit und ohne Kopftuch wie die Walliserinnen zur selben Zeit, Glaube an Heilige und Dschinn (so ähnlich wie bei uns Schutzengel, Toggeli, Poltergeister, Wiedergänger und unerlöste Seelen). Dschihad hatte damals noch seine ursprüngliche Bedeutung: Anstrengung. Will heissen, sich unerhört fleissig mit Islam und Koran auseinandersetzen.

Als die Islamisten kamen, sandstrahlten und kärcherten sie die bis dahin gelebten Islame (Mehrzahl ist schon richtig). Heilige, Dschinn und Dienstweg und haben nach ihrer Vorstellung im (Wahhabi)islam nichts zu suchen. Der Kontakt zu Gott hat direkt zu erfolgen. Reiner "reformierter" Islam ohne jegliche Sinnlichkeiten! Puritanismus (purus=rein).

Erinnert mich irgendwie an Calvin und Zwingli mit ihren eisernen Besen. Weg mit den Heiligen und ihren "Götzenbildern" in den Kirchen! Keine Intermediäre zwischen den Gläubigen und Gott! Weg mit allem Sinnlichen!. Und schon fliegen die Fetzen: Bauernkriege in Deutschland, Dreissigjähriger Krieg, dessen kaum vorstellbaren Brutalitäten mir bei den aktuellen "Religions"kriegen in Syrien und Irak in den Sinn kommen. Dieser Mecano ist fast uneingeschränkt auch auf atheistische "Religionen" anwendbar wie Nationalsozialismus, Marxismus, Libertarismus, Anarchismus und Mammonismus. Schliesslich sind "io.sys und msdos.sys", also die Instinkte, in allen Menschen gleich. Sie haben auf uns viel mehr Einfluss als die Meisten denken.

Und nein, das habe ich nicht geschrieben, Religionen und Konfessionen, also auch meine (reformiert) in die Tonne zu treten. Heute haben sich auch die meisten Protestanten entspannt. Erlebte ich besonders deutlich in meinem Elternhaus und also auch an mir. Aber wie im Islam gibt's auch bei uns Reformierten alle Schattierungen. Vom Papierlichristen über den religiös-sozialen "Gutmenschen" bis zum todesstrafenbefürwortenden Bible Belt-Fundi (Colt and Bible). Das absolut reine reformierte Gegenstück zum "Dschihadismus" ist aber der Ku-Klux-Klan: reine Lehre, gegen die Katholiken mit ihren Heiligen, Schutzengeln und Vermittlern und natürlich auch gegen die anderen grossen abrahamitischen Religionen. Selbstverständlich gehört äusserste Gewaltbereitschaft wie beim "dschihadistischen" IS auch dazu.

Warum ich das schreibe? Religionen, egal welche, können missbraucht werden und werden es auch fleissig! Ebenso können sie Gutes bewirken. Sie verstärken sozusagen mit Hebelwirkung den Charakter der Ausübenden. Von segensreich bei besonders brauchbaren Leuten bis zu absolut katastrophal bei Psychopathen und ähnlichen seelischen und sozialen Versagern.

Wichtig: das hier ist keine komplette Abhandlung, sondern nur ein Diskussionsanstoss.

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