Die Initiative „Grüne Wirtschaft“ anerkennt, dass zügelloser Konsum eben nicht unser gutes Recht ist. Die Risiken sollten wir aber nicht übersehen.

Mut zum Umbau

Eigene Bequemlichkeit überlisten
Im Grunde wissen wir, dass wir auf zu grossem Fuss leben, aber niemand schränkt sich gerne ein, das verschieben wir meist lieber auf morgen. Darum ist die Initiative "Gruene Wirtschaft" interessant: als Versuch, unsere Bequemlichkeit durch kollektive Übereinkunft zu überlisten.

30 Jahre Umbauzeit
Wir sollten uns zumindest fragen, welche Chancen wir ignorieren, wenn wir die schmerzhafte, aber vernünftige Entscheidung für umweltverträgliches Wirtschaften am 25. September 2016 aufschieben. Ist es möglich, dass wir uns bei Ablehnung der Initiative Gestaltungsspielraum vergeben? Weil ohne Druck sich der Mensch nicht bewegt und der real existierende Markt allein es nicht zu richten scheint. Es blieben dreissig Jahre zur Definition von Lösungen und zur allmählichen Veränderung des Lebensstils. Vielleicht ist Umbau bloss nichts für Zaghafte?

Riskante Baustelle: Jetzt Umsetzung diskutieren
Natürlich, die Baustelle darf nicht unterschätzt werden: niemand kann heute mit Sicherheit sagen, wie sich eine Umsetzung der Initiative ökonomisch und sozial auswirken würde. Bundesrat und Parlament warnen vor den Risiken, das ist ihre Pflicht. Für Weiteres fehlt eben der Mut. Eine Veränderung der Konsumgewohnheiten ist nicht erwünscht. Mit dieser Haltung vergeben wir Zeit und die Chance, jetzt einen relevanten öffentlichen Diskurs darüber zu beginnen, wie eine intelligente Wirtschaft funktionieren kann. Ein entsprechender Diskurs wäre einer Republik würdig, die normalerweise stolz darauf ist, nicht über ihre Verhältnisse leben zu wollen. Denn zwei Drittel Verbrauch einzusparen ist zwar ein lohnender Weg, aber kein Spaziergang. Ihn ohne Notfallplan zu begehen, wäre einfach nicht klug. Und ein solcher sollte in einer freiheitlichen Ordnung nicht von Behörden allein entworfen, sondern öffentlich diskutiert werden. Die Umsetzung der Initiative würde uns somit zwingen, auch über Szenarien nachzudenken, die mit deutlich sinkender Wettbewerbsfähigkeit, sinkenden Haushaltseinkommen und grösseren Asynchronitäten gegenüber dem internationalen Umfeld rechnen. Das wäre möglicherweise unbequem, aber wir würden als Individuen, als Unternehmen, als Staatswesen mehr Verantwortung für unser ökonomisches Handeln akzeptieren.

Gestaltungswillen ist gefragt
Bei der Initiative „Gruene Wirtschaft“ geht es nicht einfach um den Entscheid für oder gegen die geballte Masse von jederzeit billig verfügbaren Konsumgütern und um die damit verbundenen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Das Projekt hat weiterreichende ökonomische, soziale, ja staatspolitische Implikationen – je nach Standpunkt handelt es sich um Chancen oder Risiken. Sie verdienen jedenfalls unsere Aufmerksamkeit. Wo möchten wir letztlich leben: Im sorglosen Land Nimmersatt oder in einer mutigen Republik mit Gestaltungswillen und Vorreiterrolle?

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