Rentenbeschiss stoppen – Jetzt. Die AHV ist zu wichtig, als dass man sie den Umverteilungs­gelüsten der Linken überlassen darf.

Wer nicht wegschauen will, weiss es: Die schweizerische Altersvorsorge ist ein Mega-Sanierungsfall. Nur schon wenige Fakten beweisen das: Das Umlageergebnis (Anlageerträge nicht berücksichtigt) der AHV schrieb bereits im Jahre 2014 rote Zahlen (CHF -320 Mio.). Ein Jahr später erhöhte sich das Defizit auf CHF 579 Mio. Beim Betriebsergebnis ist ein ähnlicher Tiefgang ersichtlich. 2014 betrug es noch CHF 1.7 Mrd., letztes Jahr stürzte es auf ein Minus von CHF 559 Mio. ab.

Wie konnte so etwas passieren? Es gibt eine ganz einfache Erklärung hierzu: Die Bevölkerung wird immer älter – was höchst erfreulich ist, nebenbei gemerkt. Weiter steigt die Zahl der Rentner im Verhältnis zu derjenigen der Erwerbstätigen. Kamen im Gründungsjahr der AHV, 1948, noch 6.5 Erwerbstätige für einen Rentner, so sind es heute nur noch 3.4 und in rund 20 Jahren – diesen Trend fortsetzend – noch deren zwei.

So kann es nicht weitergehen. Zum Glück hat die Politik den Handlungsbedarf erkannt – wenn auch spät – und die Altersreform 2020 aufgegleist. Diese wird noch zum Herkulesprojekt des Parlaments werden, denn es steht viel auf dem Spiel und die parteilichen Fronten sind zum Teil sehr verhärtet.

Nun stimmen wir am 25. September aber über die AHV-plus-Initiative der vereinten Linken ab. Diese will die Altersrenten um zehn Prozent erhöhen. Konkret heisst das: Auf die heutigen Schulden einfach mal 10% oben draufhauen. Statt Lösungen feilzubieten, wie die Altersvorsorge nachhaltig gesichert werden kann, wollen Gewerkschaftsbund und Co. einfach noch mehr Geld ins ohnehin Implosion gefährdete System pumpen. Wie man dem sagt? Symptomtherapie. Und sie hilft wirklich niemandem. Denn zum einen ignoriert sie den demografischen Wandel und die Zukunftsfakten: Im Jahre 2035, wenn die Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen, wird die AHV einen Fehlbetrag im Umlageverfahren von CHF 10.9 Mrd. aufweisen und ein Betriebsdefizit von rund CHF 12.3 Mrd. Weiter wird der AHV-Reservefonds wird schon im Jahre 2031 aufgebraucht sein und vier Jahre später Schulden im Umfang von CHF 43 Mrd. schultern müssen.

Ich habe gelernt: Wer Geld ausgeben will, muss auch immer schauen, wie er das gegenfinanzieren will. Die Initianten machen’s anders. Sie lassen die Finanzierungsfrage offen. Immerhin aber haben sie eine fixe Vorstellung. Sie wollen die Zusatzkosten über Lohnprozente tilgen. Gelinde gesagt: Das wäre die wohl ungeeignetste Finanzierungsvariante überhaupt. Sie nimmt in Kauf, dass die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen massiv Schaden nimmt. Denn die Arbeitskosten würden unnötig verteuert. Kurz gesagt: Die Rechnung geht unter dem Strich nicht auf. Und vor allem wird nicht an den Ursachen angesetzt, die da nämlich wären: Reduktion des Umwandlungssatzes in der 2. Säule und automatische Erhöhung des Rentenalters.

Was mich an dieser Initiative weiter die Stirnen runzeln lässt, ist der gewaltige Giesskanneneffekt, der Zielgerichtetheit und Wirksamkeit, die ein Sozialwerk qualitativ auszeichnen, links liegen lässt. Wieder einmal soll jeder und jede in den Genuss von zehn Prozent mehr AHV kommen. Das ist absurd. Denn im Klartext bedeutet das, dass sich sogar die reichsten Rentner (15% der Rentner sind Millionäre) plötzlich über mehr Geld im Portemonnaie freuen könnten und die weniger Begüterten einmal mehr in die Röhre schauen müssten. Die Linke hat sich bislang zu diesem Thema nie geäussert. Wie auch? Es gibt wirklich keine nur halbwegs vernünftige Erklärung hierfür.

Um zu schliessen: Das Volksanliegen AHV-plus macht die Rechnung ohne die Jugend. Das ist verantwortungslos, denn es schürt unnötig den Generationenvertrag. Ausserdem reisst sie noch tiefere Löcher in die ohnehin schon angeschlagenen sozialen Säulen, bietet kein realistisches Gegenfinanzierungskonzept und blendet fahrlässig die Alterung der Bevölkerung aus. Darum sage ich: Stoppen wir den Rentenbeschiss – jetzt, und lehnen die Initiative AHV-plus ab.

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