Pragmatismus statt Paranoia Die Initiative für eine grüne Wirtschaft repräsentiert die Eigenschaften eines erfolgreichen Unternehmers

Die reflexartige Panikmache gegen die Initiative für eine grüne Wirtschaft wirkt etwas grotesk. Da redet man von Verzicht auf Cervelats, Kaffee und von kalt duschen. Das Anliegen scheint Economiesuisse und co. keine ernsthafte Auseinandersetzung wert. Daher zur Abwechslung ein paar sachliche Argumente.

Der Klimawandel ist ein Fakt

Der Konsens über den Klimawandel und seine Konsequenzen ist überwältigend. Noch vor der Klimaforschung wusste schon der Erdölriese Exxon 1981 über die Auswirkungen von CO2 auf die Atmosphäre und das Klima Bescheid. Dass sich das ganze als böser Traum herausstellen wird oder Sonnenflecken das Problem in 30 Jahren lösen werden, ist extrem unwahrscheinlich. Übrigens wird unter über 700 am WEF befragten Ökonomen der Klimawandel als grösste wirtschaftliche Herausforderung genannt.

Ressourcen werden knapp

Die Jagd auf Rohstoffe ist wilder denn je. Egal ob Fisch, Erdöl oder Metalle, sie sind nicht unbegrenzt verfügbar. Die Lösung besteht in nachhaltiger Bewirtschaftung nachwachsender Ressourcen, Ersatz von Energieträgern dank nachhaltiger Technologien sowie in optimaler und zyklischer Nutzung von Werkstoffen. Die gute Nachricht: Lösungen sind schon heute vorhanden. Der technologische Fortschritt sorgt dafür, dass diese Lösungen immer einfacher und bezahlbarer werden. Letztlich ist es eine Willensfrage. Jeder sollte sich mal fragen, ob er lieber auf die grosszügig finanzierten Schauermärchen der nicht nachhaltigen Industrien hören will oder sich lieber an den neuen Erkenntnisse und Fortschritte orientieren will, die praktisch täglich veröffentlich werden.

Die anderen wollen auch leben wie wir

Es gilt für viele alsSelbstverständlichkeit, dass wir in Europa reicher sind und dass die Armut anderer Länder selbstverschuldet ist. Aber letztendlich gibt es keinen Grund, weshalb Menschen auf anderen Kontinenten weniger Recht auf Wohlstand haben sollten. „Wirtschaftsflüchtlinge“ sind Teil der Konsequenzen. Wir täten also gut daran, eine Wirtschaftsform zu etablieren, die auch dann noch funktioniert, wenn die anderen paar Milliarden Menschen auf diesem Planeten ebenfalls auf den Geschmack gekommen sind. Das hat zwar nicht unmittelbar mit der Initiative zu tun, sollte man aber im Hinterkopf behalten.

Was passiert, wenn wir nichts tun?

„Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss verseucht ist, werdet ihr erkennen, dass man Geld nicht essen kann.“ Dieser oder so ein ähnlicher Spruch steht wahrscheinlich in jeder Schule an irgendeiner Wand oder einer Schulbank. Wenn wir nichts tun, dann werden in absehbarer Zeit auch viele Ressourcen für Herrn und Frau Schweizer unerschwinglich. Economiesuisse-Bonzen können es sich womöglich weiterhin leisten. Aber dann wird genau der Verzicht eintreten, den die Gegner der Initiative uns weismachen wollen.

Innovation und Antizipation sind wirtschaftliche Tugenden

„Wirtschaftsfeindlich“ nennt man die Initiative. Dabei weiss jeder, der unternehmerisch tätig ist, wie wichtig es ist, den nächsten Trend am Horizont zu erkennen und zu nutzen. „Our Iceberg is melting“, eine der zahlreichen Managerbibeln, handelt genau davon. Antizipieren ist das Geschäft des erfolgreichen Unternehmers. Die Entwicklung neuer und besserer Technologien gehört zur Innovation. Die Ablösung alter Technologien durch neue gehört zum Alltag. Dies leugnen zu wollen und sich an die bestehenden Verhältnisse zu klammern, ist nur ein verzweifeltes Mittel, das Unvermeidliche hinauszuzögern. Darum ist die Initiative für eine grüne Wirtschaft ein wichtiger Motor für die Weiterentwicklung der Wirtschaft.

In diesem Zusammenhang möchte ich an den kürzlich verstorbenen Alt Bundesrat Alphons Egli erinnern. "Angesichts von Grossereignissen wie Tschernobyl oder dem Brand in Schweizerhalle trieb er den Umweltschutz mit konkreten Schritten voran. Damit geriet er in Konflikt mit jenen politischen Kräften, welche Katastrophenstimmung und hysterische Aufgeregtheit verbreiteten. Zugleich musste Alphons Egli sich gegen jene wehren, welche aus sturer Prinzipienreiterei demagogisch jede Veränderung bekämpften.“ Das schrieb die CVP am 6. August auf ihrer Homepage. Mir scheint, es hat sich wenig verändert. Aber es zeigt eben, dass Veränderungen möglich sind. Wir müssen nur wollen. Daher ja zur grünen Wirtschaft!

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