Meine 1. August-Rede in Jonen

Wenn Sie a Nochberschaft dänked: Was god ihne dor dä Chopf? Denked Sie a Mensche oder eher anes schöns Fest? Ane Striit wäge Äst wo ufs Nochbergrundstück übere lamped? Häd ihne dä Nochber chürzlich us dä Patsche gholfe, will Sie es Ei zum choche brucht händ? Dänked Sie as neue Fürwehrlokal do z’Jone? Oder anes Nochberschind, wo es Instrument üebt und nonig zumene Profi-Musiker zellt? Villicht händ Sie a ber au grad dä Ton vomene Neugeborene im Ohr, wo Sie uf Trab halted? Oder Sie dänked a ganz e gueti Fröndschaft, wo usere Nochberschaft entstande isch.

Jede vo üs wird die Frog für sich es bizli andersch beantworte…

Liebi Jonerinne und Joner, liebi Fästgmeind, herzlich willkomme a dä 1. August-Fiir do in Jone.

Ich freu mi sehr, dass ich do i minere Nochbergmeind dörf Gast sii. Ich überlegg mir immer, was mi mit däm Dorf verbinded, wo n i e Red dörf halte. Ich mues ihne ehrlicherwiis gestoh: Bi Jone isch mir das ned eifach gfalle! Das isch überhaupt ned wertend gmeint. Klar, ich fahre amigs mit em Velo durs Dorf oder gange ab und zue is Jonethal go spaziere. Aber so e richtigi Verbindig wie Heimatort, ersti Liebi oder so – mit däm chan i ned uftrumpfe. Isch es also ganz eifach e Nochbergmeind vo Oberlunkhofe, minere Wohngmeind?

Mir isch doch no öppis in Sinn cho: In Jone wohned ehemaligi Nochbere vo mir! Und zwar sind mir im 2009 am gliche Tag vo Arni wegzoge. Das sind die Nochbere, wo mi ufgrund vo ihrem Dialekt immer wieder mal zum Schmunzle brocht händ. Lönd Sie mi das churz erkläre: Das sind ganz netti Lüüt und mir häd sich gholfe, wenn mer’s brucht häd. Mir händ damals ziemli viel Pflanze gha zum güsse. Dä Nochber häd dänn üs im erste Sommer ufmerksam beobachtet und üses Dilemma festgstellt, wie müehsam Wasser güsse mit Sprützchanne isch. Uf das abe häd er übere grüeft: „Brüchsch en Schlüch?“

Wo ich die Nochberi vor 2 Jahr ame Hochziit in Bad Ragaz troffe ha, häd sie mi gfrogt, chonsch eigentli au mal uf Jone e Festred go halte? Dodruf han i gseid, dass i binere Iladig gern zuesäge. Und jetzt bin i do, i miner Nochbergmeind. I ha selbstverständlich gern zuegseid, das hani minere ehemalige Nochberi jo versproche. Us däm Grond han i als Thema vo minere Red „Nochberschaft“ gwählt. Und zum Thema Nochberschaft möcht ich Ihne es paar Gedanke mit ufe Weg gä.

Ich han Sie igangs gfrogt, was Ihne dor dä Chopf god, wenn Sie a „Nochberschaft“ dänked. Im Stille händ Sie für sich vellecht scho es paar Antworte gfunde. Für mich häd Nochberschaft verschiedeni Facette. Im engere Sinn sind das für mich die Persone wo i dä Wohnig näbedra oder im nächstglägene Huus wohned - es chönd natürli aber au Firmene sii. Im wiitere Sinn isch aber au Gmeind näbe mim Wohnort en Nochber, die agrenzende Kantön und letztlich die agrenzende Länder. Es chan natürli no wiiter gfasst werde, und zwar zu andere Planete. Im übertragene Sinn cha mer Nochberschaft au uf d'Parteielandschaft wiiterzieh. Mer lebed imene politische System, wo mer mini nochfolgende Pünkt nume allzuguet cha bruche. Das eifach am Rand.

E gueti Nochberschaft isch mir wichtig. Drum zeig ich Ihne uf, was us minere Sicht für e gueti Nochberschaft wichtig isch. Und ich hoffe, dass i Ihne dodemit dä eint oder ander Gedankeastoss cha gä. Für mich zeichned drü Pünkt e gueti Nochberschaft us und dene müemer minere Meinig no Sorg geh:

Toleranz:
A erster Stell stod für mich Toleranz. Toleranz isch wichtig inere Nochberschaft und bim zämeläbe. Das wüssed mir alli. Sig das im Dorf, i dä Beziehig zu dä Nochbergmeind oder zum Nochberland. Im Kanton Aargau läbed öppe 650‘000 Lüüt, im Bezirk Bremgarte rund 80‘000 und do in Jone öppis über 2‘000 Lüüt. Und wemmer no gnauer heluegt, dänn läbed im Aargau Lüüt us 165 Länder uf engem Ruum zäme. Ohni e grossi Toleranz im fremde, unbekannte gägenüber wär‘s ned möglich, so zäme zläbe. Mir hätted ständig Problem und würded anenand grote. Und das trifft uf alli Ebene zu: dä unmittelbari Nochber i dä Wohnig näbe dra, d Nochbergmeind, d Nochberkantön oder au d Nochberländer.

Lönd Sie mich Ihne das miteme Biespel usfüehre. Es spielt ned grad i üsere Umgebig, aber chönnti au bi üs vorcho. Es god um Fuessball, passend zur EM, wo sich vor churzem Nochberländer ufem Spielfeld nöcher cho sind und ned selte Toleranz e wichtigi Eigeschaft gsi isch oder gsi wäri:

Es god um e Fehlschuss. E Provinzclub in Dütschland häd es ernsthafts Problem, wenn sie im Training oder im Spiel dä Ball abschiessed. Will immer wieder scharf gschossni Bäll über dä Haag ufs Awese vom Nochber flattered, häd sich dä so gstört, dass er e Klag gäge dä Verein igreicht häd. Und das mit grossem Erfolg. S happige Urteil seid: Ei Ball pro Woche dörf uf em Nochbergrundstück lande. Isch es nume eine meh, drohed 250‘000 Euro Straf oder sechs Mönet Ordnigshaft. Uf dä Homepage bittet dä Verein jetzt um Spende, um e neue, höchere Haag z boue. Dodebi sägeds: 250‘000 Euro händs ned und in Knast welleds au ned. Die ganzi Gschicht isch für mich absurd und zeigt, wie wichtig Toleranz isch. Ich verstoh dä Nochber, dass es müehsam isch. Villicht hät mer au ganz eifach mitenand chöne rede und gmeinsam e Lösig finde. Dodezue bruchts beidi Siite, und beidi müend es biz tolerant si. D Frog stellt sich natürli au, was dä zersch gsi isch: S Huus oder dä Fuessballplatz.

Oder uf üsi Region glueged: Wär es Schwingfest in Jone möglich gsi, wänn d Lüüt im Dorf ned tolerant wäred? Leider god Toleranz immer meh verlore. Immer meh beschwered sich d Lüüt direkt bi dä Gmeind oder bim Kanton anstatt mitenand z rede. Und immer weniger Lüüt schrecked devo zrugg, grad zum Richter zgo. Das, chas doch ned si. Problem müend mir offe aspreche, au wenn s Muet bruucht und unagnähm chan si. Klar dörfs denn ned zu handfeste Usenandersetzige füehre, suscht stömmer denn früehnder oder spöter au bim Richter.

Toleranz bedüted für mich, dass mer offe isch, em fremde und unbekannte gegenüber. Das mer s 5i au mol loht loh grad si und au mol es Aug meh zuedröckt. Toleranz cha Perspektive öffne und Fründschafte entstoh loh. Inere guete Nochberschaft isch Toleranz wichtig. Säg das binere Privatperson, Firma, Gmeind, Kanton oder Land. Und do dezue müend mir Sorg gä.

Gägesiitigi Hilf:
Zum zwoite Punkt: Gägesiitigi Hilf. Ich bi sicher, Sie sind au scho froh gsi, dass Sie uf en Nochber händ chöne zähle. Ich selber mag mi no anes Biespel us minere Chindheit erinnere. Und das möcht i churz verzälle, will das sehr guet zeigt, wie wichtig gägesiitigi Hilf i dä Nochberschaft isch.

Mir müend d Uhr 21 Johr zrugg drähe. Mir schriibed September im Johr 1995. Es isch näblig, es regned – so richtig e grusige Herbsttag. Und ich bin uf dä Weg zur UBS ane Schnuppertag. Ich weiss no guet, ich ha wissi Hose agha – also ned nume wissi Socke – und ich han mich mit em Velo uf dä Weg a Bahnhof gmacht. Mir händ öppe 1.5 Kilometer vom Bahnhof weg gwohnt. Unde am Quartier han i e Stäge durab müesse. Näb däre Stäge häds e chline Weg gha, ideal für’s Velo. Eigentli wär dänkt, dass mer s Velo dete abestosst. Ich bi aber immer abegfahre und han unde dänn e 90grad-Kurve müesse verwötsche. Leider isch es a däm Herbstmorge aber wägem Räge so gschlifrig gsi, dass i grad chopfvora unde id Muur ine gfahre bi. Mini Brülle isch kaputt gsi und s Bluet isch nume no abegloffe. D Hose sind mittlerwiile au nüme wiss gsi. Ich ha dä Brülle zäme gsuecht und bi zu dä Nochberi ufe go chlopfe, will bi mir niemer ume gsi isch. D Nochberi häd sofort reagiert und mi zum Arzt brocht. No hüt erinnered mi e Narbe a die Gschicht.

Mini Nochberi isch i dem Moment ned nume e Hilf gsi sondern Teil vonere funktionierende Nochberschaft, wo mer sich ufenand cha verloh und wo mer ufghobe isch. Villicht nimmts Sie no wonder, wie das mit dä UBS wiiter gange isch…Ich bi dänn nüme go schnuppere und mi Weg häd zur AKB gfüehrt. Villicht häd mi e Wink vom Schiksal usbremst.

Gägesiitigi Hilf god aber no wiiter. Sie isch ned nume guet, zum dä Briefchaste leere oder churz mit eme Ei ushelfe wenn mer am bache isch. Nei, e gueti Nochberschaft isch au gliichziitig e gueti soziali Kontrolle. Wenn sie‘s nämli guet händ, lueged au d Nochbere, was bi ihne passiert, phaltet d'Auge offe und reagiered, wenn ihne öppis komisch vorchunnt...

Wenn mer ufmerksam sind, chönd mir nämli viel verhindere. Bi üs in Oberlunkhofe isch sogar mol e Gummipflanze us em Stägehuus klaued worde, am helliechte Tag. Das müend Sie sich mol vorstelle! Dä Dieb isch sogar no gseh worde, aber es häd niemer realisiert was do passiert…. Idem Fall hed mer sich aber viellicht eifach au ned chönne vorstelle, dass mer en Gummipflanze chlaut....

Gägesiitigi Hilf und Understützig häd e grossi Bedütig inere Nochberschaft. Ned selte entstönd do dore au langi Fründschafte. Und wenn au Sie so gueti Nochbere händ, dänn säged Sie doch s nächstmol eifach mal „Danke“, falls Sie das scho lang nüme gmacht händ.

Offeheit:
Min letzte Punkt: Offeheit. Inere Nochberschaft isch Offeheit vo grosser Bedütig und hanged au mit mim erste Punkt, dä Toleranz zäme. Offeheit isch wichtig gägenüber ere Person, ere Nochbergmeind, em Nochberkanton oder au em Nochberland. Was mein i do demit. Wenn eim öppis ned passt, dänn sell mer dä Muet ha, das azspreche. Zuegä, isch ned immer eifach, aber i dä lange Frist s Beste.

Ich mache Ihne es Biespel: Ich han früehner mit Holzchole grilliert. Irgendwenn häds näbedra e Neubou gä und als Folg devo häd dä Wind ine anderi Richtig drehed. Es häd dänn amigs richtig groche, aber i die falsch Richtig. Ich ha dä gwüsst, so chas ned wiitergo. Ich ha dä glich no es paar Mal grilliert, bis dänn dä Gasgrill gliefered worde isch. Öppe es Johr spöter häd dänn öpperd e underschwelligi Bemerkig gmacht, dass es immer so groche hägi. Dodruf han i enttüscht gfrogt: Wieso sind ihr ned früehner direkt uf mich zuecho? Ich bi ziemli enttüscht gsi, will ich sehr offe und kritikfähig bi.

Ich freu mich drum au immer wieder, wenn i mal es Mail oder e Brief bechome, wo mir Lüüt Feedback gänd. Klar, es mues ned immer nume negativ si. Ich rüef Sie also uf, Sie döfed mich immer kontaktiere und es gid au immer e Antwort. Das als Biespel zu Offeheit gegenüber vo Persone.

Offeheit bruchts au under dä Gmeinde. S Biespel mit em Fürwehrlokal han ich ja scho erwähnt. Aber Offeheit mues wiiter go. Uf em Mutschelle wird über d Stadt Mutschelle diskutiert. Villicht müend mir üs au mal über d Stadt Kelleramt Gedanke mache. Das chönt dänn öppe so usgseh, dass Jone, Oberlunkhofe, Underlunkhofe, Arni, Islisberg und Oberwil-Lieli zäme e Stadt mit 10‘000 Iwohnerinne und Iwohner bilded. D Béatrice Koller wär denn nüme d Frau Gmeindammann, sondern Stadtpräsidentin! Villicht dänked Sie jetzt, dass i echli verruckt bin. Villicht händ Sie recht. Was i aber demit will säge isch, dass mer au mängmol Idee spinne mues, wo uf dä erst Blick verruckt sind. Da s‘aber immer schwieriger wird Lüüt für politische Ämter zfinde und d Finanze immer knapper werded, isch es villicht gar ned so abwägig. Drum mues mer offe gägenüber neue Lösige si.Grenze überschritte, de Nochber und i dem Fall d'Nochbergmeind usemene andere Blickwinkel betrachte, macht üs offe für ganz anderi Möglichkeite... Und wer weiss, villicht gids dänn doch einisch d Stadt Kelleramt…

Erlaubed Sie mir no en churze Schwenker id Flüchtlingsproblematik, will das au ganz guet zu Nochberschaft und Offeheit passt. Mir reised gern i fremdi Länder und liebed biespelswiis dä fremdi Ifluss im Esse, händ aber mit em fremde vor üsere Hustür eher chli müeh. Villicht, will üs ganz vieli negative Erfahrige vorsichtig gmacht händ. Ich glaub aber, mir setted ned nume uf die negative Aspekt fokussiere und au ned alles i glich Topf ine due. Will Offeheit und Zuegänglichkeit bütet üs e Chance, üse Horizont direkt vor dä eigene Hustür z’erwiitere.

Sie gsänd, au Offeheit isch inere Nochberschaft vo grosser Bedütig. Seg das gegenüber dä Persone, wo näbedra wohned, gägenüber Nochbergmeind, Nochberkanton oder au Nochberland.

Ich chume zum Schluss. Was god Ihne dur dä Chopf, wenn Sie a Nochberschaft dänked? Das han i Sie am Afang vo miner Red gfrogt. Villicht händ Sie wäred mine Usfüehrige es paar Antworte gfunde. Ich han Ihne igangs au in Ussicht gstellt, dass i ihne es paar Gedanke zu Nochberschaft mit uf dä Weg möcht gä. Ich hoffe, dass ich Ihne dä eini oder anderi Gedanke-Astoss gä ha und Sie s nächstmol im Kontakt mit Nochbere a mini drü Pünkt dänked, wo für e gueti Nochberschaft wichtig sind: Toleranz, gägesiitigi Hilf und Offeheit. Luege mer guet uf üsi Nochbere und säged villicht au mal «Danke».

Erlaubed Sie mir no e letzti Frog: Kenned Sie eigentli ihri Tischnochbere? Händ Sie die explizit usgsuecht oder sind Sie villicht noimed ned abghocked, will dä d Nochberschaft ned gstumme hätti? Wie au immer: Gnüssed Sie no dä Geburtstag vo dä Schwiiz, bliibet sie nachli do und vor allem: Bliibed sie tolerant, helfed Sie sich gägesiitig und sind Sie offe – was au immer no chund.

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