Was haben die MEI, der Brexit und die VW-Dieselaffäre gemeinsam

Bei allen drei Themen geht es um das Thema Führung. Wie sich bei VW herauskristallisiert, legten die Manager Ziele fest, die so nicht erreicht werden konnten. Ein VW, der die technischen Werte hätte einhalten können, hätten die Ingenieure vermutlich noch zusammenbauen können, aber einer der die hohen Anforderungen an Verbrauch, Schadstoffausstoss und dann noch tiefe Kosten erzielt, damit waren die Mitarbeiter von VW anscheinend überfordert. Die Lösung des mittleren Managements war bekanntlich eine Betrugssoftware. Damit hielt man vordergründig die Ziele des Top-Managements ein. Dumm nur, dass der Schwindel aufflog.

Egal wie man es dreht und wendet, gewisse Dinge sind schlicht nicht machbar. Je nachdem wie man das Thema Führung versteht, kann das Top-Management über die unfähigen Ingenieure reklamieren oder das Top-Management hat versagt, weil es nicht auf die Fachleute gehört hat, die nahe am Problem stehen. Offenbar hat das Top-Management bei VW eine Kultur geschaffen, in der die Leute sich nicht mehr trauten, die Fakten zu benennen und in der das Top-Management sich zu gut war, auf die eigenen Mitarbeiter zu hören, die von den Details oft mehr verstehen. Die Zeche bezahlen nun alle.

Und jetzt sind wir bei den Gemeinsamkeiten mit der MEI und dem Brexit. Gewisse Politiker und Medien versprachen dem Englischen und dem Schweizer Volk (Top-Management) vermutlich unmögliches. Man versprach, dass man den 5er und das Weggli haben könne. Man künde die Personenfreizügigkeit und behalte den vollen Marktzugang zum EU-Wirtschaftsraum. Mit dieser Erwartungshaltung erteilte das jeweilige Top-Management (Volk) dem mittleren Management (Bundesrat, Regierungschef & Parlament) entgegen deren Empfehlung den Auftrag, bei der EU mehr herauszuholen.

Das mittlere Management (Bundesrat, Regierungschef & Parlament) steht nun vor der Aufgabe, in einer kurzen Zeit Leistungen herauszuholen, ohne dass das Top-Management dafür den vermutlichen Preis bezahlen will. Dies kann man mit der Situation von VW vergleichen. Dort forderte das Top-Management ein Auto für unter Betrag X mit tiefen Verbrauchswerten von Y bis zum Zeitpunkt Z entwickelt zu haben. Offenbar war dies nicht möglich.

Wünschen und befehlen kann das Top-Management immer. Ob und wie dann die Forderungen erfüllt werden, ist eine ganz andere Frage.

Zum guten Management gehört, dass man auf seine Fachleute hört und sie nicht als abgehobene “Experten” abkanzelt. Zum guten Management gehört, dass man Mitarbeiter nicht einfach als dumme Befehlsempfänger anschaut, sondern sich bewusst ist, dass diese eine eigene Meinung haben und dass man sie auch befähigt diese durchzusetzen. Und sollte man einmal das Gefühl haben, dass die eigenen Mitarbeiter wirklich dumm sind, dann sollte ein guter Manager umgehend in den Spiegel schauen, denn neben der Zielsetzung ist die Personalauswahl einer der wichtigsten Aufgaben für einen Manager.

Die Schweizer und Engländer forderten von ihren Mitarbeitern (Bundesrat, Regierungschef & Parlament) eine VW-Ähnliche Zielsetzung. Manchmal überraschen einen Mitarbeiter und sie bringen Unmögliches zustande. Dann war es hervorragendes Management und wir erhalten weniger Personenfreizügigkeit und vollen Zugang zum EU-Markt. Dumm sind dann aber die Manager, die weiter stur auf ihre Ziele pochen, wenn es sich herausstellt, dass die Ziele nicht erreicht werden können. Dann gilt es nochmals in sich zu gehen und sich zu fragen, was wollen wir unter den neuen Voraussetzungen.

In diesem Sinn warten wir einmal unaufgeregt ab, was unsere Mitarbeiter (Bundesrat, Regierungschef & Parlament) herausholen und entscheiden dann, wie es weiter geht.

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