"Come to where the flavor is!" Tabakwerbung ist unnütz? Warum gibt es sie? Merkwürdige Phänomene ums Rauchen. Durch Lobbyarbeit verrauchte Gehirne im Ständerat?

(Zigaretten-) Rauchen ist eine Sucht. Eine der legalen Süchte. Über die, der Allgemeinheit entstehenden Kosten ist man sich uneins. Mittlerweile sieht es sogar so aus, als decke der Raucher seine Kosten, ja es entsteht sogar ein kleiner "Gewinn"?

Dieser steht natürlich in keinem Verhältnis zu dem Leid, was Rauchen verursachen kann. Ja, manche sagen, jede Zigarette verkürzt das Leben um 8 Minuten.

Warum raucht jemand? Ich meine heutzutage? Nicht vor dreissig, vierzig Jahren, wo Rauchen sogar als Mittel gegen Lungenkrebs propagiert wurde (sic)? Ist er nicht ganz bei Trost? Denn wissen, was er sich antut, das tut er.

Dieses Wissen und das Vollnehmen des Konsumenten, es würde natürlich noch zu ganz anderen Diskussionen führen, so in etwa, ob der Prämienzahler wirklich die Kosten für all die diversen Folgekrankheiten tragen soll? Wie kommt er dazu? Auf diese Debatte will ich hier im Moment gar nicht hinaus. Aber eben, ich tendiere noch dazu, ja, die KK sollen diese Kosten übernehmen. Denn sonst müsste man fast jeden Fettsüchtigen auch die Kostenübernahme absprechen, der ist ja selber schuld? Nicht alle, es gibt auch Stoffwechselkrankheiten, schon klar.

Was macht jemanden zum Raucher? Mein Gefühl ist, es ist eine Art Gehirnwäsche. Interessante Diskussionen mit einem hier mittippenden Veganer haben mich zur Erkenntnis geführt, dass wir alle auch noch ganz anderen Hirnwäschen unterliegen. Fleisch- und Milchkonsum ist da in verschiedener Hinsicht auch äusserst interessant. Deshalb würde ich aber nie z.Bsp. für ein Milchwerbeverbot plädierden. Es geht um eine andere Art von Werbung, eine unterschwellige.

Selbst viele Nichtraucher unterliegen der Illusion, Rauchen sei etwas entspannendes. Dem ist nicht so. Der Entspannungseffekt entspricht dem, sich nach 12 Stunden endlich der zu kleinen Schuhe entledigen zu können.

Ich selber habe das Spielchen hinter mir, liess mich über 10 Jahre hinters Licht führen und ja, ich war wirklich Kettenraucher.

War es wirklich die Werbung, die mich zum Rauchen brachte? Kaum. Es war die berühmte Peergroup. Und ja, im Gesamten muss man eben sagen, vermutlich hatte die Werbung hier einen unterschwelligen Effekt. D.h. man muss lange genug bekunden, wie ach so cool das Rauchen an sich ist, dann bleibt was hängen.

Fakt ist, dass der Zigarettenindustrie hierzulande jedes Jahr 9500 ihrer treuesten Kunden wegsterben. Diese rekrutiert man am besten bei den Jugendlichen. Denn wer als Nichtraucher erst mal die 20 überschritten hat, der fängt damit auch nicht mehr an. Will heissen, Werbung muss bei den Jungen ansetzen. Das fängt mit der Hintergrundwerbung an und endet bei Sport- oder Musikanlässen, wo hübsche junge Damen dem verunsicherten, sich erst noch findenden Teenie mit Gratispackungen beglücken.

Darum tendiere ich eher in Richtung Werbeverbot (was der Ständerat abgewiesen hat), bin mir aber nicht sicher. Und ja, die schrecklichen Bildchen des BAG auf den Packungen sind wohl eher kontraproduktiv. Auf den Schreck zündet man sich erst recht eine an. Das es keine Preiserhöhungen gab, naja, dass ist auch etwas zweischneidig. Natürlich spielt gerade bei Jugendlichen der Preis eine Rolle. Aber das sich Bereichern des Staates auf Kosten eines Süchtigen (die Zigarette ist eine gerollte Steuerquittung mit etwas Tabak drin) ist natürlich auch stossend.

Wenn schon, sollte dieses Geld in die Prävention fliessen.

Hm, nochmals. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Werbeverbot wirklich sinnvoll und angezeigt wäre. Wenn man nur einen Jugendlichen vom Rauchen damit abhält, bin ich dabei. Gebe aber zu bedenken, es sind unterschwellige Mechanismen, die hier ablaufen. So glauben wir auch, Fleisch essen zu müssen. Das hängt eben nicht mit der Werbung zusammen, das ist subtiler. Und vor allem bedenke man, in der DDR, der Sowjetunion und im Ostblock wurde extrem viel geraucht. Nie eine Zigarettenreklame dort gesehen. Offenbar ist die Werbung wirklich nicht der Grund?

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