Schweizer Frühling

Es ist Zeit, den überkommenen Bildern von Nationalstolz eine aktualisierte Version entgegenzustellen. Mein Beitrag richtet sich an bisher eher apolitische und/oder jüngere Bürgern, die von der ständigen Polarisierung genug haben und zu konstruktiver, konsensorientierter Sachpolitik zurückfinden möchten.

Es gibt kaum ein Problem in unserem Leben, das sich auf ein simples Ja oder Nein reduzieren lässt. Dennoch sind wir gezwungen, in der direkten Demokratie genau diese Simplifizierung zu akzeptieren. Wenn es dann die politische Kultur nicht zulässt, dass Politiker die Bürger gar nicht sachlich und objektiv orientieren, weil sie ständig dazu verpflichtet sind, politische Propaganda zu betreiben und uns auf diese Weise nur unvollständig zu informieren, tun die Bürger unseres Landes gut daran, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen und die Aussagen der Politiker als das zu sehen, was sie sind: gefärbte Parteipositionen, die einer internen Agenda dienen müssen. Jeder Bürger hat die Möglichkeit, sich selber eine Meinung zu bilden und sollte es als Verpflichtung auffassen, der Propaganda mit Fragen nach Fakten und anderen Positionen zu begegnen; falsche Darstellungen sollten immer und immer wieder korrigiert werden und alle Optionen müssen zuerst mal auf den Tisch und ergebnisoffen diskutiert werden, wenn man wirklich die beste Lösung will.

Die Schweiz ist das friedlichste, glücklichste und reichste Land der Erde mit einem politischen System, das seinesgleichen sucht – vor allem auch in seiner Überschaubarkeit wegen der geringen Grösse des Landes. Wir haben eine sehr tiefe Arbeitslosigkeit, die finanzielle Ungleichheit ist noch nicht so ausgeprägt wie in anderen Ländern, stehen an der Spitze in Gesundheits- sowie Sozialsystemen und wir haben einen bereits gut ausgebauten Natur- und Landschaftsschutz – und das alles bei einer akzeptablen Staatsquote mit einem vergleichsweise tiefen Steuersatz. Ich hoffe, das vor allem junge Menschen diese einzigartige Ausgangslage, die durch eine einvernehmliche und daher fruchtbare Sozialpartnerschaft erarbeitet wurde, erkennen, würdigen und mit aller Kraft verteidigen. Verteidigen gegen die Alarmisten von ganz Links und ganz Rechts, die in der Zuspitzung ihrer Botschaften das Vehikel zur Differenzierung sehen, die ihnen den grössten Wähleranteil und wohl nicht zuletzt auch den grössten Profit liefern soll. Wir sollten alle Politiker, die sich sachlicher Diskussion mit Kompromiss und Konsens verweigern, in Zukunft durch Abwahl abstrafen.

Die ganze Angstmacherei der verkappten Lobbyisten und Chefideologen sollten wir durch eine informierte Gelassenheit beantworten und keine der Propagandalügen stehen lassen. Wir sollten uns nicht von Angsthasen und Verlierern leiten lassen, die unser Land ständig im Abwehrkampf sehen und nach dem Widerstand rufen, wo eher konstruktive Solidarität und Partizipation gefragt wäre. Wir sollten erkennen, dass die Schweiz seit jeher vor allem auch durch internationale Kooperation den heutigen Wohlstand erreicht hat und dass es uns nichts bringt, ständig misstrauisch gegenüber dem Ausland zu sein. Wir sind selbstbewusst genug, dass wir auch in einer globalisierten Welt mittels Geben und Nehmen unsere Träume und Wünsche realisieren können, ohne dass wir uns deswegen gleich wegen jedem Kompromiss in unserer Souveränität beschnitten fühlen. Wir sind zwar ein sehr kleines Land, haben aber eine grosse Tradition der Demokratie und Humanität und in vielen Bereichen sind wir weltweit an der Spitze. Besinnen wir uns auf unsere Stärken und verbessern wir uns in den Bereichen, die in Zukunft wichtig werden. Besiegen wir die faktenfreie Polemik mit freundlicher Information, die sich nicht wegdiskutieren lässt. Formulieren wir - und damit meine ich vor allem auch die jüngeren Leute – was uns heute wichtig ist und wie wir morgen leben wollen und überlassen wir die Deutungshoheit über unsere Weltanschauung als Schweizer nicht Leuten, die sich nach einer Heidi-Schweiz zurücksehen, die es gar nie gegeben hat, oder sich noch in einem Klassenkampf wähnen, wo wir heute Sozialpartnerschaft leben wollen.

Die Operation Libero führte erfolgreich mit 56 weiteren Organisationen das NGO-Komitee an und hat die Durchsetzungsinitiative versenkt. Weitere Angriffe gegen die offene Schweiz stehen bereits vor der Tür. Deshalb müssen wir schon jetzt die Kräfte bündeln und uns darauf vorbereiten. Ich helfe mit - und du?

http://www.operation-libero.ch/de/zukunft

Besten Dank für die Anregung zu diesem Beitrag an Constantin Seibt :

Institutionenpatriotismus

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