Wir wissen alle, dass es offene Fragen gibt beim Bedingungslosen Grundeinkommen. Die Initiative ist eine Einladung zur Diskussion, die wir annehmen sollten.

Wir wissen alle, dass es offene Fragen gibt beim Bedingungslosen Grundeinkommen. Wir wissen alle, dass neue Lücken entstehen können, da der angekündigte Betrag tiefer liegt als viele Sozialversicherungen jetzt. Wir wissen alle, dass es gefährlich ist, mit einer einfachen Antwort zu kommen für eine Welt, die heute sehr komplex geworden ist. In diesem Sinn verstehe ich die Einwände, die vorgebracht werden.

Die Initiative ist allgemein definiert, die Umsetzung wird erst nach der Annahme ausgehandelt. Die Initiative ist eine Einladung zur Diskussion.

Denn haben wir wirklich das beste Sozialsystem der Welt, wie man uns sagt?
Was ist das für ein Sozialsystem, wo alleinerziehenden Frauen die Arbeitslosenversicherung verweigert wird, weil sie wegen Kindererziehung nicht vermittelbar seien?
Was ist das für ein Sozialsystem, wo Bauarbeiter an Erschöpfung sterben, bevor sie in die Rente gehen?
Was ist das für ein Sozialsystem, wo Leuten mit Gutscheinen verteilt werden, weil man davon ausgeht, dass sie betrügen?
Was ist das für ein Sozialsystem, wo die Hälfte der Leute, die auf Sozialhilfe eigentlich Anspruch haben, diese nicht wahrnehmen?

Warum machen sie das nicht? Fehlt ihnen die Zeit, die Reglemente zu lesen, um ihren Anspruch auszurechnen? Fehlt ihnen die Kraft, ihre Privatsphäre vor den Beamten auszupacken?

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist vor allem eine Frage der Würde. Die Würde, als Teilnehmer der Gesellschaft wahrgenommen zu werden und nicht als Fall.

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist vor allem aber auch die Erkenntnis, dass der Reichtum, den eine Gesellschaft schafft, nicht nur die Summe der einzelnen heute bezahlten Arbeitsleistungen ist. Wer heute arbeitet, ist nur produktiv innerhalb eines komplexen Systems, das nicht nur die Arbeitsorganisation umfasst, sondern auch den grösseren Teil der heute nicht bezahlten Arbeit. Es gibt keinen Grund, warum der Ertrag dieser Produktivität nur der heute bezahlten Arbeit zukommen sollte.

Ich sehe deshalb das Bedingungslose Grundeinkommen als Sozialdividende, die alleine nicht zum Leben genügen wird, aber den Beitrag aller zur Gesellschaft anerkannt.

Es gibt viele von uns, die genug verdienen und die auch gerne arbeiten. Es gibt aber Ehepaare, die heute beide 100% arbeiten und es doch nicht reicht, weil wir keinen Mindestlohn kennen, Ehepaare, die keine Zeit haben, ihren Kindern die Hausaufgaben zu machen, denn nur so haben die Kinder in der Schule eine Chance. Für diese ist das Bedingungslose Grundeinkommen eine neue Freiheit und auch eine Zukunftsperspektive. Für diese Freiheit setze ich mich ein.

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