Nach dem Nein zur CVP Initiative sollten wir über die Abschaffung der staatlichen Ehe nachdenken.

Mit knapper Mehrheit hat die Schweizer Bevölkerung die CVP-Initiative abgelehnt, welche nicht nur die Heiratsstrafe abschaffen, sondern auch gleich die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau in der Verfassung verankern wollte. Es lässt sich nicht beweisen, aber es scheint, dass inbesondere letzteres einem grossen Teil der Bevölkerung sauer aufgestossen ist.

Doch warum diskutieren wir überhaupt alle paar Jahre in der Politik über die Ehe? Ist nicht die Einstellung zur Ehe etwas höchst persönliches? Ist es wirklich unmöglich, dass Menschen nebeinenader im selben Land leben, die eine unterschiedliche Auffassung von Ehe haben? Ist wirklich keine Lösung denkbar, in der gläubige Menschen an ihrem Weltbild festhalten können und gleichzeitig Homosexuelle und alle möglichen anderen Formen von Familien glücklich werden können?

Die Ehe entpolitisieren

Das Problem wäre überraschend einfach zu lösen. Man müsste lediglich den Begriff der Ehe entpolitisieren. Warum überhaupt sollte in der Verfassung oder im Gesetz geregelt sein, wie eine Ehe auszusehen hat? Genügt es nicht, wenn der Gesetzgeber die rechtlichen Rahmenbedingungen bereitstellt, dass Menschen ihre Beziehung einvernehmlich regeln können?

Mein Vorschlag ist deshalb ganz simpel: Streicht den Begriff der Ehe aus allen Gesetzen und lasst die Menschen ihre Beziehungen untereinander vereinbaren.
Natürlich ist nicht jeder Bürger ein ausbildeter Jurist, und nicht jede Heiratswillige will sich erst von einem Antwalt ein hundertseitiges Vertragswerk aufsetzen lassen. Dies lässt sich jedoch problemlos durch Musterverträge lösen, welche von Kirchen und von anderen Interessengemeinschaften bereitgestellt werden und einen Beziehungsvertrag mindestens so einfach machen, wie bisher. Auch bietet das Zivilrecht genügend Schutznormen, dass nicht das naive Landei vom böswilligen Ehegatten via Beziehungsvertrag über den Tisch gezogen wird.

gut für alle Seiten

Für nicht-gläubgie Menschen bietet diese Entpolitisierung den grossen Vorteil, dass Beziehungsformen, welche nicht der Norm entspechen sofort einer Ehe gleichgestellt werden. Für Gläubige Menschen wäre positiv, dass jede Kirchen oder Glaubensgemeinschaft ihr Verständnis der Ehe selbst definieren kann und nicht auf das Wohlwollen der Bevölkerung angewiesen ist. Auch die zeremonielle Trauung in der Kirche dürfte wieder an Bedeutung gewinnen, wenn der staatliche Trauungsakt wegfällt und der Beziehungsvertrag vor dem Pfarrer unterschrieben werden kann.

Somit müsste eigentlich allen gedient sein, und statt uns in den kommenden Zwanzig Jahe über die Definition der Ehe zu streiten, können wir uns wesentlicheren Themen zuwenden.

Ich würde mich sehr freuen über Rückmeldungen von Personen, welche an der Entpolitisierung der Ehe mitarbeiten möchten.

26 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

2 weitere Kommentare

Mehr zum Thema «Abstimmungen»

zurück zum Seitenanfang