Wir alle haben Angst... aber wir dürfen deshalb nicht blind den Demagogen aufsitzen und das eigene Denken ausschalten.

Wir haben Angst…

Wir haben Angst vor Überfremdung, vor einem Ansturm von Asylanten, vor wirtschaftlich schlechteren Zeiten, vor Überfällen, vor Terroranschlägen, vor Kriegen, vor Krankheit, vor Armut, vor…
Ich teile diese Ängste zum Teil und sie sind nachvollziehbar und verständlich, stehen wir doch heute vor nicht zu unterschätzenden Herausforderungen.

Aber…

Es gibt Umstände, die mir (fast) mehr Angst einflössen oder mich zumindest beunruhigen!

Ich bin beunruhigt über..

  • .. die Auswirkungen der populistischen Propaganda und des Spiels mit den Ängsten der Menschen.
  • .. die Demagogen, die Hass schüren und eine kleine Gruppe, sei es von kriminellen Asylanten oder von betrügerischen Sozialhilfebezügern, immer als Mehrheit verkaufen.

•.. nationale Politiker, die offiziell zu Widerstand, bzw. zum Brechen unserer Gesetze aufrufen, obwohl sie dabei waren, als diese beraten wurden. Nationale Politiker, die gegen die «classe politique» wettern, zu der sie selber gehören (und auch gehören wollen).
•.. die „gottberufenen“ Politiker, jene, die ja eigentlich nicht wollen, aber müssen.
•.. Menschen, die blind wie Lemminge der populistischen Propaganda folgen. Menschen, die alles für bare Münze nehmen, was ihnen die Demagogen auftischen, ohne zu prüfen, auch wenn es noch so offensichtlich halb wahr oder falsch ist. Menschen, die die Lügen auch dann noch glauben, wenn sie schon lange widerlegt sind, dies aber dann geflissentlich ignorieren.
•.. eine falsch verstandene «political correctness», die es verunmöglicht, schändliche Handlungen offen und klar als solche zu benennen.
•.. jene, die unser Leben übermässig reguliert und vom Staat bestimmt haben wollen, die immer höhere Forderungen an die staatlichen Institutionen stellen und dem Menschen jegliche Selbstverantwortung nehmen wollen.
•.. jene, die den Staat von Grund auf attackieren und verunglimpfen und das Heil nur in einer absolut liberalen Ordnung ohne Staat sehen, dabei aber wohlwollend verneinen und darüber hinwegsehen, wenn diese Freiheit dazu benutzt wird, um Menschen auszubeuten oder Umwelt und Landschaft zu zerstören.
•.. einen überzogenen Individualismus, für den Solidarität fremd ist und der „Gutmensch“ zum Schimpfwort werden lässt. Ein Individualismus, der ausschliesslich das eigene Wohl im Fokus hat, unabhängig davon, ob andere dadurch Schaden nehmen. Rücksichtslosigkeit wird dabei aber grosszügig beschönigt oder verneint, damit sich kein schlechtes Gewissen einstellt.
•.. die Arroganz von Menschen, denen alles in die Wiege gelegt wurde und die, zwar durch Fleiss, aber auch viel Glück, ohne grosse Hindernisse durchs Leben navigieren und sich anmassen über Strauchelnde mit weniger Glück vernichtend zu urteilen.
•.. die Doppelmoral, von all denen, die immer Wasser predigen, aber dann Wein trinken und dies nicht zu knapp.

Ängste sind real, wir dürfen sie aber nicht über unser Leben dominieren lassen. Wir dürfen uns nicht von Ihnen vereinnahmen lassen und blind werden. Wir dürfen die Ängste nicht zu gross werden lassen, weil sie dann oftmals nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Ängste dürfen nicht als Entschuldigung dienen, den Demagogen aufzusitzen, das eigene Denken auszuschalten und menschenverachtend zu handeln, ganz gleichgültig in welche Richtung.

Wir müssen uns eingestehen, dass es diese so einfach propagierten Lösungen für die hochkomplexen Herausforderungen in der heutigen Zeit gar nicht gibt. Wir müssen uns eingestehen, dass es oftmals ein Ringen um mögliche Vorgehensweisen ist, ja, dass oftmals erst ausprobiert werden muss, ob es funktioniert und falls nicht, muss man erneut über die Bücher. Wir dürfen uns nicht mit falschen Versprechungen, zum Beispiel zur Sicherheit, einlullen lassen, nur, weil es doch so schön klingt und für den Moment grad beruhigend ist und gut tut.

Wir müssen akzeptieren, dass da wo Menschen agieren, auch Fehler passieren können. Deshalb sollte nicht gleich jeder kleinste Fehler populistisch und medial ausgeschlachtet werden, als ob es sich um einen Dauerzustand handeln würde.

So wie nicht alle Wirtschaftsvertreter bösartige Haie sind, sind nicht alle Politiker und Staatsangestellten blöd und korrupt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Ganz ohne Staat geht es nicht, sonst würde Willkür und das Gesetz des Stärkeren (oder besser Rücksichtslosesten) dominieren. Wir wären sehr bald wieder in der Feudalherrschaft. Genau so wenig darf der Staat übergross werden, das Prinzip der Eigenverantwortung gilt. Wir müssen unser ausgewogenes System in der Schweiz pflegen und bewahren.

Besinnen wir uns wieder auf eine gute schweizerische Tugend, die sehr viel zu unserem Erfolg beigetragen hat. Lösungen für die hochkomplexen Herausforderungen unserer Zeit bedingen, dass wir uns differenziert mit diesen auseinandersetzen und Kompromisse eingehen können. Ja, das ist langweilig und bringt keine grossen Schlagzeilen, aber dafür gangbare und tragfähige Lösungen. Sture Extrempositionen bringen uns nicht weiter, so verlockend die Rufe der Rattenfänger auch sein mögen… die sich allzu gerne auch als Schafhirten verkleiden..

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