«In unserer Schule gibt es keine Probleme mit Rassismus.»

Fatlum, ein 12-jähriger Albanerjunge, wurde von einem halben Dutzend 15- und 16-jährigen Schweizern auf dem Pausenhof verprügelt. Im Spital wurden Hirnerschütterung und Prellungen festgestellt. Spekuliert wird nun naheliegenderweise, ob der Übergriff rassistisch motiviert war oder wenigstens einzelne Täter von rassistischen Gefühlen getrieben handelten.

Der Schulleiter sagte laut 20min.ch: «In unserer Schule gibt es keine Probleme mit Rassismus.»

Diese Aussage erinnert mich fatal an die Aussage unseres Rektors so um 1990 herum, an seiner Schule gebe es keine Drogen(-konsumenten). Vogel Strauss? Oder einfach «bad intel»? Die Betreffenden wussten ihr Laster so erfolgreich zu verstecken, dass der Rektor keinen «Wind» davon bekommen konnte? Jedenfalls irrte der Rektor bei seiner Aussage anlässlich eines Elternabends, und eine Maturzeitung höhnte alsbald: «Don't drink and drive, take LSD and fly home.»

Man muss natürlich schon sehen, dass 15-, 16-Jährige in einem Alter sind, da sie aus dem «Ei der Unschuld» ausbrechen wie Küken aus der schützenden Eischale. Sie beginnen sich zum Beispiel mit Politik zu befassen, steigen auf Genussmittel ein, usw. usf.
Bei der gegen Fremde und fremde Kulturen gerichteten Propaganda, welche die Schweizerische Volkspartei seit bald zwei Jahrzehnten unablässig aggressiv verbreitet, würde es nicht erstaunen, wenn ihre Saat des Hasses aufgeht und in der Pubertät aus unschuldigen Kindern teils plötzlich latente Rassisten werden, die zwar (noch) gehemmt sind, ihre Abneigung gegen (gewisse) Fremde offen zu zeigen, offen auszusprechen oder gar gewalttätig zu werden. Ist aber ein Übergriff gegen eine Person mit ausländischem Hintergrund erst einmal im Gang, dann droht Gefahr, dass der innere Schweinheund, der innere Rassist sich diesen «Auslauf» auch nimmt, der sich ihm da bietet. Anders gesagt: rassistische Motive müssen den Übergriff nicht ursprünglich ausgelöst haben, aber sie könnten sehr wohl seine Heftigkeit begründen.
Der Schulleiter sollte sich der Realität stellen, schonungslos, egal wie sie aussieht, egal ob ein SVP-Papa seinem Sohn eingetrichtert hat, Albaner würden Schweizer aufschlitzen und etwa derlei misconceptions der Heftigkeit des Übergriffs zugrunde liegen. Selbstverliebtheit, Fassadenpflege und dergleichen helfen niemandem.
Statt ins Blaue hinaus Wunschdenken zu behaupten, es gebe an seiner Schule «keine Probleme mit Rassismus», wäre es korrekter und auch um ein Vielfaches Vertrauen erweckender, wenn er sagen würde: «Wir werden die Ursachen dieses Übergriffs genau analysieren und zur Verbesserung der Gewaltprävention die nötigen Massnahmen treffen.» Das so als Gratistipp an Herrn Solenthaler, den Schulleiter. Und lesen Sie mit den geistig flexibleren EnglischschülerInnen doch «A Clockwork Orange» von Anthony Burgess.

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