«US-Arbeitsmarkt zeigt Stärke» titelte die Neue Zürcher Zeitung in der Wochenendausgabe vom 9./10. Januar auf ihrer Frontseite. Aber dahinter liegt Schwäche.

Die Platzierung beweist die Bedeutung des Arbeitsmarktes für den Zustand der Finanzwirtschaft. Solange mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, darf man trotz zweifelhaftem Umfeld noch Hoffnungen auf Gewinne haben. Fast 300’000 neue Stellen wurden in den USA nach Angaben der NZZ im Dezember geschaffen. Sie bezog sich dabei vermutlich auf Berichte von Nachrichtenagenturen und nicht auf die Zahlen des amerikanischen «Bureau of Labor Statistics»; dann hätte sie nämlich festgestellt, dass bloss 11’000 neue Stellen geschaffen wurden und der ganze Rest auf saisonale Angleichung zurück geht, also auf statistische Kosmetik.

David Stockmann, Budgetminister unter Reagan und Betreiber einer kritischen Wirtschafts-Website hat die Zahlen einer detaillierten Analyse unterzogen und kommt zum Schluss: «Der Dezember-Bericht ist kein Beweis für eine ‹starke› Wirtschaft, sondern bloss eine weitere Absonderung der Lärmfabrik der Regierung, die den Zustand der Realwirtschaft verschleiert. … Oder anders ausgerückt: Diese fiktionalen saisonal angepassten Zahlen nützen vor allem den Wertpapierverkäufern der Wallstreet.».

Die US-Ökonomie, nach wie vor der Hauptmotor der Weltwirtschaft, steckt viel tiefer in der roten Tinte als die Zahlen glauben machen wollen. Echte Wertschöpfung wird zur Ausnahmeerscheinung, was übrigens auch die Börsenentwicklung zeigt: Die Papiere von Facebook, Amazon, Netflix und Google legten 2015 um rund 500 Mrd. Dollar zu, die Aktien der restlichen 496 Konzerne des Standard&Poor’s-Indexes verloren zusammen mehr als diesen Betrag. Der Trend vom Realen zum Fiktiven hat sich also weiter verstärkt.

Fazit: Wer den wahren Zustand der Wirtschaft erfahren will, wird nicht einmal von den Qualitätsjournalisten der NZZ seriös bedient. Und wer mit seinem Vermögen reale Werte schaffen will, muss es aus den Wertpapiermärkten abziehen und selber etwas mit seinem Geld anfangen.

Mehr dazu: Frisierte Statistiken sorgen für «gute» Stimmung

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