Destabilisierende Spekulation setzt Vorteile der Globalisierung aufs Spiel!

Unter der Annahme, dass der Anteil der Spekulanten im Markt gering ist und sie besser informiert sind als durchschnittliche Marktteilnehmer, wirkt die Spekulation stabilisierend. Ist der Spekulantenanteil hoch, kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Spekulanten (vor allem Mitläuferspekulanten) im Vergleich zu andern Anlegern keine verlässlichen Informationen besitzen. Die Erwartungen der Spekulanten können massenpsychologische Verhaltensweisen und Übertreibungen spiegeln, die destabilisierend wirken. Während eine stabilisierende Spekulation auf einem Markt die Preisschwankungen dämpft, den Marktmechanismus verbessert und damit einen gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsgewinn zur Folge hat, werden Preisschwankungen durch eine destabilisierende Spekulation verstärkt. Das führt zu einem Wohlstandsverlust.

Mit fortschreitender Globalisierung der Finanz- und Rohstoffmärkte steigt die Wahrscheinlichkeit einer destabilisierenden Spekulation, da der Spekulantenanteil infolge der geringen Transaktionskosten und der hohen Kapitalmobilität stark zunimmt. Auf den Devisenmärkten spiegelt sich das vor allem in der drastischen Zunahme kurzfristiger Kapitalbewegungen (Portfolioinvestitionen). Dadurch wird die Möglichkeit einer eigenständigen nationalen Geld- und Fiskalpolitik, besonders für kleinere Staaten – wie die Schweiz – und Entwicklungsländer erheblich eingeschränkt.

Wegen des enormen Wachstums und der hohen Volatilität der internationalen Finanzströme machte Nobelpreisträger James Tobin bereits 1972 den Vorschlag, mittels einer Devisenumsatzsteuer „Sand ins Getriebe der supereffizienten Finanzmärkte zu streuen“. Das Fehlen von Reibung kann in einem dynamischen System zu einer wirtschaftlichen Instabilität führen, die seine Funktionsfähigkeit empfindlich beeinträchtigt. Eine Devisenumsatzsteuer (Tobin-Steuer) könnte präventiv wirken, indem Kapitalflüsse grossen Ausmasses unterbleiben und dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Währungskrise reduziert wird. Die internationale Einführung einer Tobin-Steuer wäre aber sehr schwierig, da für jedes Land ein Anreiz besteht, den eigenen Finanzplatz davon freizuhalten.

Andere Möglichkeiten, die destabilisierende Spekulation zu bekämpfen, wären die Einführung einer Kapitalimportsteuer, der Beitritt zu einer Währungsunion oder eine Dollarisierung. Solche Massnahmen hätten allerdings nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie möglichst frühzeitig und nicht erst beim Herannahen einer Krise ergriffen würden. (Aus Gerhard Aschinger „Vorteile der Globalisierung nicht aufs Spiel setzen“, Finanz und Wirtschaft, 27.10.2001, Seite 31).

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