Ein Kontinent versucht sich einzumauern und was ist eigentlich Realpolitik in der Flüchtlingsfrage.....

Wieder einmal sollen Mauern und Zäune das Allheilmittel sein. Für was oder besser gefragt, gegen was? Gegen flüchtende Menschen. Menschen, die teils lebensgefährliche Fluchtwege hinter sich gebracht haben. Wer glaubt, dass dich Menschen dann noch von einem Zaun abhalten lassen, der irrt gewaltig. Doch viel entscheidender ist die Frage, was setzt Europa – welches für sich Humanität und Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat – mit neuen Mauern und Zäunen für ein Zeichen? Es ist ein Zeichen der Angst, der Ignoranz wie auch der fehlenden Lernfähigkeit. Die Vergangenheit hat eindrücklich illustriert, dass Mauern nicht Lösungen sondern hauptsächlich Probleme kreieren. Mauern rauben auch die Weitsicht und trennen das Verbindende.

Die Befürworter von hohen Mauern reden von Realpolitik, schliesslich könnten wir nicht alle flüchtenden Menschen aufnehmen. Dass Europa nicht alle Flüchtlinge aufnehmen kann, ist ein Faktum. Trotzdem haben andere Staaten – vor allem rund um Syrien – bereits viel mehr Flüchtlinge aufgenommen als jeder europäische Staat. Insofern stellt sich die Frage, was tatsächlich Realpolitik ist. Die Ursachen von Flüchtlingsströmen nach Europa zu bekämpfen. Keine Waffen in Kriegs- und Konfliktgebiete zu liefern. Sich vor Augen zu führen, dass in vielen europäischen Staaten die Bevölkerung überaltert und Europa auf Zuwanderung angewiesen ist. Nicht „nur“ von Hilfe vor Ort zu reden, sondern entsprechend zu handeln. Dies bedingt Ressourcen und Geld einzusetzen und im Falle von Waffenlieferungen auf Exporte und damit Profit zu verzichten. Für einen Kontinent, welcher für sein Friedensprojekt den Friedensnobelpreis trägt, ist die aktuelle Politik gegenüber den flüchtenden Menschen ein Armutszeugnis. Es scheint viel einfacher zu sein, Banken zu retten, statt notleidende Menschen zu unterstützen. Der Vergleich mag zynisch sein, aber diese Art von Realpolitik hat nichts mit Humanität und Fortschritt zu tun.

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