Post aus Uganda

Hm, endlich mal eine Abwechslung im Briefkasten, zu all den Rechnungen und der Werbung. Ein richtiger Brief! Handgeschrieben! Geile Briefmarke.

Ein 18jähriges Schulmädchen schreibt mir alten Tattergreis? Aus Afrika? Was für eine Ehre, dabei kennen wir uns ja nicht einmal?

In sehr ordentlichen, wenn auch einfachen Schulenglisch, schreibt sie mir, dass sie ursprünglich aus dem Südsudan vor Krieg und Hunger, vor entführenden Banden und Vergewaltigung geflohen, nun hier in Uganda bei einer gewissen Frau Peter Musoke Zuflucht gefunden habe. Aber Peter ist doch eigentlich ein Männername? Oder steht das Fr. für Firma? Oder ist das eine englische Abkürzung, die ich nicht kenne?

Anyway, sie und ihre Geschwister haben bei diesem Herr, Frau oder Institut Musoke Zuflucht gefunden, derweil sie erfuhr, dass ihre Eltern getötet wurden. Dieser Musoke hat immer das Schulgeld gezahlt, leider ist ihm dies nun nicht mehr möglich, da er selber knapp ist und die Gebühr nur noch für seine eigenen Kinder aufbringen kann.

Wie hoch dürfte sie wohl sein? Die Jahres-Schulgebühr in Uganda? 40 Dollar? Gar Hundert Dollar?

Ich lebe am Existenzminimum, würde diesen Betrag aber sofort überweisen, keine Frage. Aber verarschen lassen will ich mich nicht. Zudem, sie hätte dann Glück gehabt, was ist mit all den anderen? Haben die keinen Anspruch auf Schulbildung?

Was denkt hierzu die Politnetzgemeinde? Werden da nicht gar Leute zum Briefeschreiben gezwungen? Woher haben die nur meine Adresse? Wie würden die wohl reagieren, wenn ich Ihnen einen Besuch auf nächste Woche ankündigen würde? Sie müssten ja eigentlich begeistert sein? ;-)

Hier die im Brief mitgelieferte Anschrift, ich habe keine Hemmungen, die hier weiterzugeben, wenn die Sache wahr ist, dann kann das ja nur im Interesse der Schreibenden sein?

...for any further information about me, you may contact Fr Peter Musoke, P.O. Box 1607 Kampala Uganda Email: petermuroke@gmail.com

Ich hab's. Ich werde eine Mail schreiben, Sie sollen mir die Bankverbindung der Schule schicken, ich werde umgehend den Betrag dorthin überweisen.

Hm, wetten, dass danach Funkstille ist?

Das Spielen mit dem Mitgefühl anderer Menschen, es ist so widerlich. Es ist wie wenn einen hierzulande auf der Strasse jemand um fünf Stutz anhaut. Braucht er sie wirklich, dann gebe ich sie ihm gerne. Aber kann ich der Sache wirklich trauen? Im Zweifelsfall gibt man aus Prinzip nichts mehr, an niemanden. Das trifft leider gerade die wirklich Notleidenden am meisten...

Wir alle kennen solche und ähnliche Fragen, mich würde interessieren, wie geht Ihr damit um?

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