Aktionäre sind die besseren Unternehmer

Exorbitante Managersaläre sind ein Ärgernis. Thomas Minder hat aus dem weit verbreiteten Unbehagen politisches Kapital geschlagen. Seit zwei Jahren ist das Resultat seiner Anstrengungen, die „Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften“, kurz VegüV, in Kraft.

So sperrig der Name, so kompliziert die Umsetzung. Die Verordnung schreibt vor, dass die Aktionäre aller börsenkotierten Unternehmen über jeden Franken und Rappen abstimmen müssen, der an Verwaltungsräte und die Mitglieder der Geschäftsleitung bezahlt wird. Müssen grossgeschrieben, denn der unbedacht formulierte Initiativtext schreibt unter anderem bindende Abstimmungen vor, die vor allem Anwälte und Berater freuen und die Aktionäre ärgern. Geregelt werden muss nun en detail, ob rückblickend oder vorausschauend, ob über Salärbudgets oder scharfe Zahlen, ob nicht nur bindend sondern auch konsultativ abgestimmt werden soll. Doch die meisten Aktionäre wollen gar nicht derart tief ins Operative eingreifen. Ihnen hätte es ausgereicht, wenn sie an der Generalversammlung, wie in allen anderen Ländern auch, einmal jährlich konsultativ abstimmen könnten. Das reicht im Fall von Exzessen für eine simple und effiziente Unmutsbekundung. Dies zeigen auch die Resultate der GV Saison 2015: Im Durchschnitt sind über 90% Ja-Stimmen bei den bindenden Abstimmungen.

Und damit nicht genug. Dank der Minder-Initiative sind Unternehmensführer neuen strafrechtlichen Bestimmungen unterworfen. Kraut und Rüben sind durcheinander geraten. Das Fazit zwei Jahre nach der Minder-Umsetzung ist klar: Die vielen neuen Paragraphen in den Gesellschaftsstatuten bringen ausser einer Inflation von GV-Abstimmungen herzlich wenig.

Ja, exorbitante Saläre sind ein Ärgernis. Doch neue Gesetzte aus Betroffenheit zu schaffen, richtet breitflächigen, anhaltenden Schaden an. In dem Fall in der Wirtschaft, um die ein immer feineres Netz von Regularien gesponnen wird. Noch kann sie atmen, bald wird sie japsen und irgendwann an den vielen Gesetzen ersticken. Ein Blick auf die Arbeitsmärkte in Frankreich oder Italien genügt (kein internationales Unternehmen siedelt freiwillig in Paris oder Turin an!), um zu sehen, wohin des Schweizers Hang zu immer ausgeklügelterer Regulierungsmechanik führen wird.

Kühle Köpfe sind nötig in Bern. Parlamentarier, die nicht jede Volkslaune in geltendes Recht giessen, das jahrzehntelang Bestand haben wird und die Wirtschaft den langsamen Strangulationstod sterben lässt. Denn die Aktionäre wissen am besten, was ihren Unternehmen gut tut. Das sieht inzwischen auch die Bevölkerung so. Gemäss einer repräsentativen Umfrage von Demoscope finden 52% der Schweizerinnen und Schweizer, die Aktionäre sollen frei über die Höhe von Vergütungen für Manager entscheiden; der Staat habe genug geregelt. Ob grundsätzlich oder spezifisch mit Blick auf die laufende Aktienrechtsreform gilt: Jede weitere Einschränkung der Aktionärsrechte will sehr, sehr sorgsam bedacht sein. Denn Aktionäre aus Fleisch und Blut sind die besseren Unternehmer als der Staat.

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