AL-Nationalratskandidat Niggi Scherr nimmt die betriebsblinden Gesundbeter in der Axpo-Chefetage ins Visier und fordert: zieht endlich Beznau den Stecker!

Mit der Präsentation eines Opels Modell 1969 auf dem Bundesplatz brachte es Greenpeace diese Woche auf den Punkt: so alt, so hoffnungslos veraltet und damit hochriskant ist Beznau 1, das dienstälteste AKW der Welt, das am 1. September 1969 ans Netz ging.

Herz- und altersschwacher Reaktor

Trotz verschiedener Nachrüstungen: Die Liste der Mängel und Schwachpunkte ist lang:

• Das Herzstück des Reaktors 1, der Druckbehälter, weist Materialfehler auf. Er kann nicht ersetzt werden;
• Die Anlage ist ungenügend gegen Erdbeben geschützt;
• Ihre äussere Hülle würde einem Flugzeugabsturz nicht standhalten;
• Der Sicherheitsbehälter (Containment) ist korrodiert;
• Die konsequente räumliche Trennung der Sicherheitssysteme fehlt;
• Die Hochwassersicherheit der Anlage, die auf einer Aare-Insel steht, ist zweifelhaft.

„Minimale Unregelmässigkeiten“…

Der Mitte März für die ordentliche Jahresrevision abgeschaltete herz- und altersschwache Reaktor hätte eigentlich im Juli wieder ans Netz gehen sollen. Bei den vom ENSI angeordneten Ultraschallmessungen wurden jedoch – so das vornehm-zurückhaltende Axpo-Communiqué – „an einigen Stellen Anzeigen registriert, die auf minimale Unregelmässigkeiten aus dem Herstellungsprozess hinweisen.“ Wohlgemerkt: dabei geht es nicht um reparierbare Schweissnähte, sondern um Materialfehler im Stahlmantel. Bis jetzt ist es der Betreiberin nicht gelungen, den erforderlichen Nachweis der Sicherheit des Reaktordruckbehälters zu erbringen. Es fehlen Herstellerdokumente und das ENSI verlangt weitere Messungen. Wie die Axpo kleinlaut zugeben musste, ist eine Wiederinbetriebnahme frühestens Ende Februar 2016 denkbar.

…beim „Vorzeige-KKW“ Beznau

Soweit die harten Fakten. Ganz anders tönt das in der vierteljährlichen Axpo-Hauspostille. Sie trägt den schönen Namen „Energiedialog“. „Viel Rauch, aber nirgends ein Feuer“ ist das jüngste Editorial überschrieben. Alles nur gezielte Verunsicherungsmanöver der „Agitprop-Abteilung“, verkündet CEO Andrew Walo in bestem Kalter-Krieg-Jargon. Beznau habe im EU-Stresstest „mit Bestnoten abgeschnitten“ und sei „ein Vorzeige-KKW“. Auch die „gefundenen kleinsten Unregelmässigkeiten in der Stahlwand“ seien „keine Beeinträchtigung für einen weiteren sicheren Betrieb“. Und ein Langzeitbetriebskonzept, wie es der Nationalrat verlangt und der Ständerat soeben abgelehnt hat, kommt für den Axpo-CEO schon gar nicht infrage, weil es weniger Sicherheit bringe.

Weder Beruhigungspillen noch Jodtabletten

Ich gehöre zur Generation Kaiseraugst. Diese überhebliche Wir-haben-alles-im-Griff-Mentalität und die ideologische Dämonisierung der AKW-Kritiker erinnern mich fatal an längst vergessene Zeiten. Irgendwie kommt mir das Walo-Editorial vor wie die schönfärberischen Erfolgsmeldungen eines sowjetischen Kombinatsdirektors an das Zentralkomitee der KPdSU selig. Nein, wir wollen weder die Beruhigungspillen von CEO Walo noch die Jodtabletten aus der Armeeapotheke. Wir wollen nur eins: zieht Beznau endlich und definitiv den Stecker!

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