Ein Kommentar zum bevorstehenden Weltuntergang. Wobei mit „Welt“ nur das „Abendland“ gemeint ist, der Rest der Welt ist ja bereits am A...

Der Optimist ist der Meinung dass wir in der besten aller möglichen Welten leben. Der Pessimist befürchtet dass der Optimist damit wirklich Recht haben könnte.

Ich weiss nicht mehr ganz genau wo ich diesen Spruch aufgelesen habe, er ist auch ziemlich geläufig.
Diese Aussage beschreibt den gerade vorherrschenden Zeitgeist in der westlichen Welt aber sehr genau, noch präziser eingegrenzt, es beschreibt gerade UNSERE Lebenseinstellung am besten.

Wir, das sind die wohlernährten, in Frieden und Sicherheit aufgewachsenen, gebildeten und aufgeklärten Europäer.
Abgesehen von einigen Turbulenzen am östlichen Rand haben wir hierzulande schon seit vielen Jahrzehnten keine Not mehr erlebt. Wir geniessen eine noch nie so dagewesene persönliche Freiheit, können weitgehend selbständig unser Leben bestimmen und unsere Fähigkeiten unseren Wünschen entsprechend frei entfalten, wenn auch nicht alle im genau gleichen Ausmass.
Doch verglichen mit jeder anderen Zeitperiode der menschlichen Geschichte… wir können also ruhig sagen dass wir doch sehr vieles richtig gemacht haben.

Ist es nun wirklich so dass es von hier aus nur noch Abwärts geht?

Die Geschichte lehrt uns dass sich Zeiten des Wohlstands immer mit Zeiten der Unruhe, des Niedergangs und schlussendlich des neuen Aufbaus abwechseln.
Dieser Kreislauf gilt nicht für nur die Gesellschaft als Ganzes, es spiegelt sich auch in den einzelnen Bestandteilen: die Kultur, die soziale Struktur, die moralischen und ethischen Grundwerte.
Schaut man sich diese einzelnen Bereiche an, kann man schon heute deutliche Anzeichnen eines Abbaus feststellen.
Die Bereitschaft allen Menschen die gleiche Rechte einzugestehen nimmt ab, das Vertrauen in die Wissenschaften schwindet, Bildung wird vermehrt als elitär und überbewertet deklariert.
Die Rückbesinnung auf den „Stamm“, die „Blut“, die „echten Werte“ ist nur ein Symptom des persönlichen Rückzugs vor den drohenden Unsicherheiten.

Das Abendland wird zusehends handlungsunfähig weil es durch die inneren Konflikte zwischen den vorwärts und rückwärts gerichteten Kräften zerrissen wird.
Statt die zweifelsfrei positiven Seiten der Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg weiter voranzutreiben und als Vorbild für alle aufstrebenden Regionen der Welt zu dienen, ist Europa nun so sehr mit den Differenzen im Inneren beschäftigt.
Dabei verkennt man dass es nur die Gemeinsamkeiten und gemeinsame Ziele sind die uns definieren und vorwärts bringen können.

Es ist eine bedauernswerte aber kaum zu aufhaltende Zukunft welche sich da vor uns aufbaut.
Dabei macht es eben wirklich keinen Unterschied mehr ob ich nun ein Pessimist oder Optimist sein möchte.

Wenn ich unsere Kinder beim Spielen und Lernen so beobachte, dann bin ich sehr oft etwas traurig.
Ich weiss dass ich/wir ihnen keine bessere Welt hinterlassen werden als wir vorgefunden haben.
Und ich frage mich welche Fähigkeiten ich bei ihnen fördern könnte und welches Wissen ich ihnen sichern soll, um sie möglichst gut für diese Zukunft vorzubereiten.
Und wie viel Zeit bleibt mir noch dafür?

Ich kann nur davon ausgehen dass sie in einer sehr turbulenten und unsicheren Welt leben werden, dass sie sich auch mit viel weniger zufriedengeben müssen, dass sie sich wohl nicht mehr so frei äussern und bewegen werden können, wie ich es durfte.
Und trotzdem glaube ich doch dass sie ihren eigenen Weg finden werden, egal wie schwierig es auch wird.

Denn eine Hoffnung bleibt: die Beschleunigung und Demokratisierung aller gesellschaftlichen Prozesse durch die Informationstechnologien.
Das Wissen lässt sich kaum mehr so einschränken wie es die Rückwärtsgerichteten gerne hätten.
Und nur das Wissen kann uns Menschen richtig frei machen.

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