Wirtschaftsflüchtlinge rasch abweisen, damit wir echten Kriegsflüchtlingen helfen können.

Jeden Tag lese ich in den Me­dien über un­glaub­lich trau­rige und tra­gi­sche Schick­sale der Flüchtlinge aus Sy­ri­en, die mo­men­tan zu Hun­dert­tau­sen­den aus ihrem Land flüchten. Bis vor kur­zem war für uns Schwei­zer der Krieg in Sy­rien weit weg. Mit der An­kunft der ers­ten Flüchtlingsschiffe an Eu­ro­pas Stränden und spätestens mit Bil­dern von angespülten Kin­der­lei­chen wer­den wir di­rekt damit kon­fron­tiert. Wir können nicht ein­fach weg­se­hen.

Die Menschen aus Syrien flüchten vor dem Bürgerkrieg in ihrem eigenen Land, der nun schon über drei Jahre anhält. Sie fliehen vor den Milizen, welche um die Neuverteilung der Macht kämpfen. Sie sind an Leib und Leben bedroht. Wir Schweizerinnen und Schweizer in unserem friedlichen Land können uns gar nicht vorstellen, wie schlimm die Zustände in Syrien sein müssen. Wie verzweifelt ein Mensch, ein Vater, eine Mutter sein muss, um mit den eigenen Kindern eine solch beschwerliche, lebensbedrohliche Reise übers Meer nach Europa auf sich zu nehmen, sich skrupellosen Schleppern anzuvertrauen, um aus dem Heimatland zu entkommen. Nein, wir können es uns wirklich nicht vorstellen! Diesen Menschen müssen wir helfen! Wir müssen denjenigen die zu uns kommen ein Dach über dem Kopf geben. Wir müssen dafür sorgen, dass diese traumatisierten Kinder ein unversehrtes, unbeschwertes Leben führen dürfen und dieselbe Zukunft haben, wie wir uns das für unsere Kinder wünschen.

Denn Asylrecht ist ein Menschenrecht. So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, welche von allen Mitgliedstaaten der UNO, also auch von der Schweiz, mit ihrem Beitritt automatisch anerkannt wurde. Ausserdem hat die Schweiz die Genfer Flüchtlingskonvention​ und die europäische Menschenrechtskonvent​ion unterschrieben. Wir sind also dazu verpflichtet, diesen Menschen zu helfen.

Die Schweiz hat eine langjährige humanitäre Tradition, welche auf ihrer historischen Rolle als Asylland und der Gründung des Roten Kreuzes im Jahre 1863 basiert. Im 19. Jahrhundert fanden politisch Verfolgte aus ganz Europa in der Schweiz Asyl. Im 20. Jahrhundert wurden vor allem Flüchtlinge aus kommunistischen Staaten Osteuropas in der Schweiz aufgenommen. 1956 waren es 11‘000 Flüchtlinge aus Ungarn. 1968 ungefähr gleich viele aus der Tschechoslowakei. Von 1998 bis 1999 bot die Schweiz 53‘000 Flüchtlingen aus dem Kosovo Schutz, kurz darauf gewährte unser Land 16‘000 Personen aus Ex-Jugoslawien und aus Sri Lanka ein Bleiberecht.

Aber: Noch wichtiger als die momentane Hilfe für die Flüchtlinge, die jetzt in unser Land kommen, ist die Hilfe vor Ort. Dafür setze ich mich ein. Mit all unseren Asylunterkünften leisten wir doch nur Symptombekämpfung. Wir müssen dafür sorgen, dass wir gar keine Asylunterkünfte mehr bauen müssen. Es gilt, die Ursachen für die Flucht zu bekämpfen. In erster Linie gilt es, alles daran zu setzen, dass die Kriegshandlungen beendet werden. Die neutrale Schweiz konnte schon in einigen Fällen beim Vermitteln helfen. In der UNO kann sich die Schweiz für Friedenstruppen stark machen. Die Schweiz könnte die Länder bei der Demokratisierung unterstützen. Weiter sollten wir uns dafür einsetzen, dass die Armut in den Flüchtlingsländern ein Ende hat, damit die Menschen eine wirtschaftliche Perspektive haben.

Unechte Flüchtlinge, Wirtschaftsflüchtling​e zum Beispiel müssen wir aber rasch abweisen, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Dies, damit wir den echten Flüchtlingen helfen können.

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