Integrationsprobleme.

Lange dachte ich, die Schweizerische Volkspartei sei kleinkariert, wenn sie "Integration" von Ausländern forderte. Hielt diese Forderung für einen Vorwand, der in Wahrheit auf kleine Dinge wie Halal, Koscher, Moscheen, Synagogen und Kleidung abzielt, hielt sie mehr für einen Seitenhieb gegen die Traditionen ausländischer Zuwanderer als eine wirklich laut vorzutragende Forderung. Denn dass Zuwanderer eine Landessprache lernen und sich an die hiesigen Gesetze halten bzw. keine Aufenthaltabewilligung erhalten oder des Landes verwiesen werden, wenn sie sich integrieren, ist bzw. hielt ich für so selbstverständlich, dass man das nicht lauthals einfordern muss. Ich hielt die Forderung einfach für schmutzige SVP-Propaganda auf dem Buckel von Ausländern bzw. zur Wahlwerbung mit Stigmatisierung von Ausländern. Es stellt sich die Frage, ob die SVP übertreibt.
Natürlich übertreibt sie. Das tut Werbung immer. Und die SVP sowieso. Trotzdem stützte sie sich unwiderlegbar auf die Kriminalitatsstatistik. Die aktuelle umstrittene Wahlwerbung des Argauer Nationalratskandidaten Andreas Glarner stösst ins gleiche Horn: Unter die Syrien-Flüchtlinge mischen sich IS-Kämpfer mit dem Ziel, Europa zu terrorisieren. Die Konsequenz dieser Feststellung: Syrien-Flüchtlinge geraten unter Generalverdacht.

Vor diesem Hintergrund sind die Bilder aus Frankfurt, die Strassenkämpfe zwischen Kurden und Türken zeigen, kein gutes Omen:

Aber Frankfurt ist Deutschland, was soll es uns kümmern. Dachte ich bis zum heutigen Bericht aus Bern:

Augen zu, Ohren zu, Mund zu? Solche Szenen sind Wasser auf die Mühlen der SVP. Damit gewinnt sie Wähler. Solche Szenen schüren Ängste, dass auch andere Immigranten hier ihre Konflikte austragen werden. Je mehr Immigranten desto mehr Konflikte.
Das Dumme ist, dass keine einzige Bundesratspartei der SVP das Wasser, das auf ihre Mühlen strömt, abschöpft. So wird sie von der gegenwärtigen Masseneinwanderung nach Europa, um es im Vokabular der SVP auszudrücken, in dem Wahlen Ende Oktober profitieren. Als einzige Partei.

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