Die Geschehnisse rund um die FIFA zeigen vor allem eines – nach welchen Gesetzmässigkeiten eine Welt funktioniert, der es nicht an Geld, sondern an Moral fehlt

Kaum ein Journalist hat es in den letzten Monaten unterlassen, sich zur Affäre um den zurückgetretenen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter zu äussern. Neben abenteuerlichen Mutmassungen über den Hintergrund des Rücktritts und der beinahe inflationären Inanspruchnahme des Begriffs der Korruption wurde eines klar, der Fussball bildet eine Parallelwelt, die den Globus umspannt.

Funktionäre der Nebensache
Nicht umsonst spricht man von der wichtigsten Nebensache der Welt. Besonders augenfällig ist aber die Tatsache, dass diese (Neben)Sache wie kaum etwas anderes auf der Welt ihre eigenen Gesetze kennt, von denen wahrscheinlich nur ein Bruchteil in schriftlicher Statutenform vorliegen dürfte und deren Fundament wohl auch durch die tiefgreifendsten Reformen nicht angetastet werden wird. Es sind die Gesetzmässigkeiten der Welt, denen anders als bei den meisten Staatsformen jegliche ethische, philosophische oder religiöse Richtschnur fehlt. Nicht das Geld selber regiert, sondern all jene, die sich zum erlauchten Kreis der Funktionäre zählen dürfen und in den Genuss entsprechender Saläre, Spesenabrechnungen und Geschäftsreisen kommen. Nicht umsonst wurden die Verhaftungen in Zürich im noblen „Baur au Lac“ vorgenommen. Ob sie ihren Champagner noch austrinken durften?

Die Fürsten und der König
Sepp Blatter hat dieses durch und durch korrupte System offensichtlich nicht nur aufrechterhalten, sondern kontinuierlich ausgebaut. Dabei dürfen wir nicht einfach davon ausgehen, dass der scheidende FIFA-Präsident selber grössere Summen für sich abzweigte. Das hatte er womöglich gar nicht nötig, zumal er sich bereits eine Stufe höher oben bewegte – in derjenigen Sphäre, die Menschen gewöhnlich anstreben, die sich finanziell bereits alles leisten können – die Ebene der Macht! Seine Macht bestand darin, in jedem Land vom Regierungspräsidenten empfangen zu werden, sein Königreich waren die Suiten der weltweit besten Fünfsternehotels und seine Botschaft? Bau Dir Dein Königreich, indem Du möglichst viele Deiner Fürsten zu kleinen Königen machst und die wissen, dass ihnen diese Ehre sofort abhandenkommt, sollten sie ihrem Gönner die Treue künden. Blatters Sessel stand derart fest, weil vereinzelte seiner potentiellen Rivalen zwar über die nötigen Geldmittel verfügten, nicht aber über den notwendigen Einfluss und die Steuerinstrumente, um diesen vielen „Fürstenkönigen“ auch nur annähernd die Annehmlichkeiten zu bieten, die ihnen Blatter’s FIFA bereits seit Jahren bot.

Laizismus in reinster Form
So wie Unkraut keine Früchte bringt und sich dennoch selber am Leben erhält, wird die gottlose Welt der kleinen und grossen Fussballkönige weiterhin Bestand haben, zumindest so lange, wie das runde Leder rollt. Die Laizisten in unserem Land täten gut daran, einen Blick auf die FIFA-Welt zu werfen, bevor sie in unserem Staatswesen das nächste Mal die Ausrottung aller religiösen Elemente fordern.

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