Zersiedelung stoppen - Kulturland schützen

Eine rege Bautätigkeit kurbelt die Wirtschaft an, zeugt von Wohlstand in der Bevölkerung. Eine Baubranche auf Hochtouren sorgt für Arbeitsplätze und trug 2013 beispielsweise 5 bis 6 Prozent zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Wird jedoch nicht intelligent gebaut, hat das intensive Bauen auch eine Schattenseite: unverbaute Landschaften gehen verloren. Leiden dafür muss die Artenvielfalt, die Natur im allgemeinen und der Mensch, da sein gewohntes Landschaftsbild zerstört wird. Bei solch unkoordiniertem Bauen spricht man von der Zersiedelung.

Was genau ist eigentlich Zersiedelung? Wie wird sie gemessen?
Je mehr gebaut wird, je gestreuter gebaut wird und je geringer die Ausnützung der Flächen ist, desto grösser ist die Zersiedelung. Wir
beanspruchen in einer zersiedelten Landschaft sehr viel Land für nur wenig Wohn-, und Arbeitsraum. Nimmt man diese Faktoren als Grundlage eines Zersiedelungsindikators, hat demnach die Zersiedelung zwischen 1935 und 2002 um 155% zugenommen.

Was sind die Ursachen?
Die Zersiedelung hat u.a. drei Ursachen: Zunehmender Wohnflächenbedarf, Bevölkerungswachstum und die Flucht aufs Land. Die Siedlungsfläche in der Schweiz hat zwischen 1985 und 2009 um 44 % zugenommen. Gleichzeitig ist die Bevölkerung um 17 % gestiegen. Folglich ist die Wohnfläche pro Kopf um 25 % gestiegen. Haupttreiber ist also nicht die wachsende Bevölkerung sondern die gewachsenen Ansprüche an die eigene Wohnsituation. Auch die Raumplanung spielt eine entscheidende Rolle: Je mehr Leute aufs Land flüchten, desto mehr zersiedelt die Schweiz. Der Siedlungsbrei breitet sich planlos aus. Die Raumplanung bietet sich hier als wichtiges Instrument an, um diese Entwicklung zu stoppen. Sie kann Wohn-, Arbeitsraum mit hoher Lebensqualität und Grünflächen ermöglichen, ohne dass darunter wertvolle Grünflächen und damit schlussendlich auch die Menschen zu leiden haben.

Funktioniert die aktuelle Regelung?
Nein, das revidierte Raumplanungsgesetz verbessert die Situation nicht.
Das Gesetz sieht vor, dass die Gemeinden nur noch Bauzonen für einen voraussichtlichen Bedarf von 15 Jahren einzonen dürfen. Entscheidend sind hierbei jedoch die Annahmen, die getroffen werden, was das Bevölkerungswachstum betrifft. Das erwartete Bevölkerungswachstum ist ein Parameter, der einem Kanton durch Heraufsetzen eine grössere Fläche an Bauzonen beschert. Ob das prognostizierte Wachstum tatsächlich eintrifft, wird sich erst im Nachhinein weisen, wenn die Bauzonen bereits ausgeschieden sind. Naheliegend, dass wohl kaum ein Kanton ein tiefes Bevölkerungswachstum annimmt. Zudem bietet das revidierte RPG kaum Instrumente für eine qualitativ hochwertige Verdichtung.

Welche Lösungen bieten sich an?
Die Jungen Grünen bieten mit ihrer Initiative "Zersiedelung stoppen" konkrete Lösungen für dieses Problem an. Wir fordern u.a. einen strikten Einzonungsstopp. Somit soll die Gesamtfläche an Bauzonen konstant bleiben. Gemeinden können jedoch Bauzonen untereinander abtauschen, damit dort gebaut wird, wo es auch nötig ist. Zudem sollen die Rahmenbedingungen für nachhaltige Quartiere wie die Giesserei in Winterthur, deutlich verbessert werden (z.B. die Parkplatzpflicht). Weitere Informationen finden sich hier: http://www.zersiedelung-stoppen.ch/initiative/

Nicht nur unsere gestiegenen Ansprüche tragen zur Zersiedelung bei, auch die Tatsache, dass wir deutlich mobiler sind. Ein Arbeitsweg von einer Stunde und mehr ist mittlerweile normal. Wir müssen nicht mehr im gleichen Dorf leben, wie wir arbeiten. Daher sollten, meines Erachtens, mehr Anreize geschaffen werden, dass durch Arbeitgeber Home Office und andere Arbeitsmodelle gefördert werden. Dies würde die Zahl der Berufspendler deutlich reduzieren. Wo es nicht möglich ist, ist es die Aufgabe der Raumplanung, die Infrastruktur so zu planen, dass die Verkehrswege kürzer werden. So, dass Wohnen, Arbeit und Freizeit näher zusammenrücken. Vielleicht sollten wir auch darüber diskutieren den Pendlerabzug bei der Steuererklärung abzuschaffen. Nur so haben wir die Chance auch der kommenden Generation nicht bloss eine Betonwüste zu hinterlassen, sondern eine lebenswerte Schweiz. Auch die Baubranche sollte ein Interesse daran haben, längerfristig zu denken.

(Quellen: http://www.zersiedelung-stoppen.ch // http://www.baumeister.ch)

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