Suizide in schweizer Gefängnissen sind inakzeptabel

Mit einer gewissen traurigen Regelmässigkeit liest man über Gefãngnissuizide.

Ein des Datendiebstahls bei einer Bank Verdächtiger (CD-Lieferung für ausländische Steuerbehörde) und ein REGA-Kadermann, der in Zusammenhang mit der Medienberichterstattung über ein prominentes Unfallopfer der Verletzung des Berufsgeheimnisses verdächtigt würde, sind die wohl bekanntesten Fälle der letzten zwei, drei Jahre.

Suizide im Gefängnis sind für den Staat nie gut, denn sie beweisen, dass er seine Fürsorgepflicht für die zwangsweise von ihm internierten nur ungenügend wahrnimmt.
Zudem gerät er unweigerlich in den Geruch, für diese Todesfälle mitverantwortlich zu sein, und zwar vielleicht auch über eine Vernachlässigung der Fürsorgepflicht hinaus, zum Beispiel im Sinne der Verweigerung von erforderlicher medizinischer Betreuung oder sogar der Nothilfe oder aber als direkt für den Todesfall Verantwortlicher im Sinne des Totschlags oder der Tötung oder des Mordes. Besonders in politischen Fällen, wie ihn zum Beispiel der ausländische Häftling in Sachen Bankdatenklau verkörperte, drängt sich ganz automatisch letzterer Verdacht auf, der Verdacht, dass Rohlinge unter den Justiz- und/oder Polizeibeamten sich am Häftling vergriffen haben und dieser dabei zu Tode kam. Eine Art extralegale Rachelynchjustiz. Die "schweizer Methode" sozusagen? Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaften in solchen Fällen sind blanker Hohn: Da ihnen mutmasslich das nationale Ansehen stets wichtiger ist als die Wahrheit, sind diese "Untersuchungen" Alibiübungen zu bleiben verdammt. Man hat jeweils nicht einmal die Grösse, sie ausserkantonalen Staatsanwaltschaften anzuvertrauen.

Im Grunde muss bemängelt werden, dass es überhaupt zu solchen "Suiziden" kommt. Dass die Untersuchung solcher Fälle jeweils durch potentiell befangene Staatsanwaltschaften "nicht ganz sauber" bzw. nicht keimfrei ist, ist augenscheinlich, letztlich aber sekundär. Wesentlich ist, dass es regelmässig zu solchen Todesfällen kommt. Liegt es an unfähigen Gefängnisärzten, die bei Eintrittsuntersuchungen pfuschen? An unsensiblen Wärtern, die Gefährdungssignale nicht wahrnehmen oder gleichgültig wahrnehmen ohne zu melden? Oder liegt es am Klima der hiesigen "Justiz", dass Leute teils möglicherweise richtig gehend in den Suizid gemobbt werden, davor auch nicht genügend geschützt werden?

Was auch immer die möglicherweise vielfältigen Gründe sein mögen: Gefängnissuizide sind inakzeptabel.

So auch der heute von den Medien berichtete: "Natalie K. begeht im Gefängnis Selbstmord".

Es stellt sich grundsätzlich die Frage, was für Un(ter)menschen des Zürcher Amtes für Justiz am Werk waren, dass es soweit kommen konnte:
Natalie K. war Medienberichten zufolge in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem ihre 2jährige Tochter tot im Keller gefunden worden war. Ebenfalls in U-Haft genommen worden wäre auch der Vater des Kindes, wenn dieser nicht akutpsychiatrische Betreuung benötigt hätte und entsprechend untergebracht wurde. Offenbar hätte auch die Kindesmutter akutpsychiatrische Betreuung benötigt, wie ihr Suizid vor Augen führt.
Man muss nicht einmal den Grundsatz der Unschuldsvermutung bemühen, um klar zu sehen, dass Natalie K. als Mensch unter der Situation gelitten haben muss. Aber wenn man ihn bemüht und annimmt, dass sie für den Tod des Kindes nicht verantwortlich ist, kann man annehmen, dass der Tod ihrer Tochter sie schwer erschüttert und tief traurig gemacht hat. Dass sie zutiefst verstört war. Und dass eine Untersuchungshaft in diesem Falle noch zusätzlich einer Faust aufs Auge entspräche, wo sie doch unter dem ungewollten Tod ihrer Tochter bereits litt, ergibt sich dem gesunden Geist von selbst. Aber selbst wenn sie den Tod ihrer Tochter ganz oder teilweise verschuldet hätte, könnte man daraus nicht automatisch herleiten, dass es ihre Absicht war und dass sie nicht schwerst darunter litt und verstört war.

Fazit:
Sorry Leute, U-Haft ist keine adäquate Behandlung in einer solchen Lebenssituation. So oder so nicht. Und dass man euch das noch sagen und vorrechnen muss, ist ganz jämmerlich. Euch fehlt da was. Euch fehlt offenbar etwas, das einen ganzen, vollwertigen Menschen erst ausmacht. Einfühlungsvermögen. Gespür. Elementare Menschlichkeit. Es braucht keine Experten, Psychologen, Psychiater, Pflegefachleute, Seelsorger, um dies zu erkennen und festzustellen. Diese Fähigkeit gehört zum Menschsein wie der regelmässige Stuhlgang. Aber bei euch Jurissimos fehlt dieser Teil des Menschseins eklatant oft. Was seid ihr also? Unmenschen? Oder, etwas weniger krass, nur Untermenschen? Automaten? Mechanoide? Affen, die im Paragraphenwald herum turnen?

Es ist offensichtlich ein Gebot der Menschlichkeit, der Mutter einer gerade verstorbenen 2jährigen Tochter eine andere Unterbringung als in einer isolierten und in diverser Hinsicht prekären Untersuchungshaft zuteil werden zu lassen und insbesondere ihr die nötige Betreuung und Begleitung zuteil werden zu lassen, nahe liegender Weise in einer psychiatrischen Klinik oder Abteilung eines Spitals. Man wird trotzdem, auch wenn die Umstände der U-Haft in einer solchen Situation sowieso unangemessen und unmenschlich sind und eine angemesse Begleitung nötig gewesen wäre, prüfen müssen, ob die angewandten Kriterien zur Prüfung der Hafterstehungsunfähigkeit zeitgemäss und angemessen sind und auch ob die verantwortliche Gefangnisärztin oder der der verantwortliche Gefängnisarzt den Sorgfaltspflichten entsprach. Auch ist von Interesse, welche Personalien am Zürcher Zwangsmassnahmengericht die Untersuchungshaft anordneten und dabei offenbar die menschliche Seite der Verdächtigen ignorierten.

Aber die Mainstream-Medien werden voraussichtlich, wie immer, keine Namen von Verantwortlichen nennen. Die Richter bleiben unbekannt und werden auch nicht abgewählt. Und für die verwerfliche, inadäquate Behandlung der Kindesmutter mit U-Haft statt Betreuung und Begleitung wird niemand verantwortlich sein und gerade stehen wollen. Sie werden sich alle heraus reden und winden. Wie immer. Und dann im gleichen Fahrwasser weiter machen wie bisher. Bis der nächste Gefängnissuizid zu vermelden ist.

Kurz: das geht gar nicht. So unprofessionell geht es gar nicht.

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