Die Schweiz der Zukunft (1. August-Rede anlässlich der Feier der Gemeinde Gommiswald)

(Es gilt das gesprochene Wort)

Geschätzte Mitbürgerinnen
Geschätzte Mitbürger
Liebe Geburtstagsgemeinde

Gemeinsame haben wir uns hier in Ernetschwil versammelt, um unseren Nationalfeiertag festlich zu begehen und den 724. Geburtstag der Schweiz zu feiern. Es freut mich ausserordentlich, dass ich als junger Mitbürger heute die Gelegenheit erhalte, einige Worte an Sie richten zu dürfen. Für die Einladung bedanke ich mich herzlichst.

Da die Möglichkeiten für Jungpolitiker wie mich bei solchen Gelegenheiten aufzutreten eher rar gesät sind, will das Thema meiner heutigen Ansprache wohl gewählt sein. Schnell war mir klar, dass ich nicht wie so viele Politikerinnen und Politiker heutzutage über fremde Vögte sprechen werde, könnte man mich als Ur-Benkner hier in Ernetschwil durchaus auch als solchen erachten. Im Rahmen der Lektüre zahlreicher früherer 1. Augustreden konnte ich feststellen, dass es durchaus eine gängige Tradition ist, sich auf die reich befrachtete Schweizer Geschichte zu beziehen. Doch diesem gängigen Klischee möchte ich heute nicht entsprechen, denn wie schon Albert Einstein sagte:

„Mehr als die Gegenwart interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“

Deshalb werde ich Sie in den kommenden Minuten nicht auf eine Reise durch die Schweiz der Vergangenheit, sondern auf eine Reise in die Schweiz der Zukunft mitnehmen. Hierbei könnten Sie sich fragen: Was geht mich das an, was kann ich schon bewirken? Worauf ich Ihnen geschätzte Damen und Herren entgegnen muss: Eine ganze Menge! Sie haben es in der Hand aktiv über die Zukunft unseres Landes zu bestimmen. Viele Nachbarländer beneiden uns darum und wir haben sie: Die direkte Demokratie. Zahlreiche Gespräche mit politischen Weggefährten von der Jungen Union in Deutschland haben mir gezeigt, dass man sich beispielsweise in Deutschland sehnlichst wünscht über wichtige Sachfragen abstimmen zu können. Stattdessen müssen sie sich auf die gewählten Berufspolitikerinnen und Politiker verlassen, die oftmals den Puls der Bevölkerung nur ungenügend spüren.

Geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Zukunft beginnt jetzt und es ist an der Zeit sich damit zu befassen. Es gilt die richtigen Weichen für künftige Generationen zu stellen. Deshalb ist es nie zu früh, aber auch nie zu spät sich den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen zu stellen. Anhand zahlreicher aktueller Debatten lässt sich aufzeigen, dass es momentan keineswegs klar ist, wie die Schweiz der Zukunft aussehen soll. Gerne verweise ich hierbei auf die Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative vom Februar 2014 oder die noch bevorstehende Debatte zur Thematik Landesrecht vor Völkerrecht. Beide Themen betreffend das Verhältnis von der Schweiz zum Ausland und offenbaren einen latenten Konflikt zwischen verschiedenen Wertvorstellungen. Einem eher konservativen Rollenbild, welches auf Unabhängigkeit, Freiheit und Tradition beruht, steht ein liberales Rollenbild gegenüber, welches für Weltoffenheit, Freiheit des Individuums sowie Eigenverantwortung plädiert. Es ist nicht an mir diese gegensätzlichen Strömungen zu werten, sehr wohl aber sie zu benennen, denn sie sind Fakt.

Unweigerlich bringt uns dies zur Anschlussfrage, wie wir mit diesen unterschiedlichen Wertvorstellungen in der Zukunft umgehen wollen. Handelt es sich tatsächlich um unüberwindbare Gegensätze oder lassen sie sich zu Gunsten einer erfolgreichen Zukunft unseres Landes zu einem typisch schweizerischen Kompromiss vereinen? Wie Sie es sich denken können, liegen mir als Mitte-Politiker Extrempositionen fremd und ich bin der festen Überzeugung, dass ein schwarz-weiss Denken selten zum Erfolg führt.
Auf welche Grundpfeiler sollten wir uns demzufolge berufen, um die Schweiz langfristig in eine erfolgreiche Zukunft führen zu können? Gerne möchte ich Ihnen deren drei nennen, die für mich persönlich von zentraler Bedeutung sind:

 Tradition & Brauchtum:

Schwingfester, Schützenfeste sowie Musikfeste und unzählige weitere schweizerische Traditionen sind beliebter denn je und erfreuen sich einem riesigen Teilnehmer- und Zuschaueraufmarsch. Dies kommt nicht von ungefähr, geben uns doch Traditionen und Brauchtum in der heute oftmals schnelllebigen Zeit den notwendigen Halt. Wir tun gut daran, auch in der Zukunft an Traditionen festzuhalten, vermitteln sie doch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und lassen uns der gemeinsamen Wurzeln erinnern. In die Kategorie Tradition & Brauchtum lässt sich zweifelsohne auch der 1. August einordnen. Während einige am Nationalfeiertag auf die erfolgreiche Vergangenheit der Schweiz zurückblicken, stellt der heutige Tag für viele einfach eine gute Gelegenheit dar, um mit Familie und Freunden etwas zu unternehmen, was unter dem Jahr nicht möglich ist. Für sie ist der 1. August wie es der Titel der berühmtesten und mir als Blasmusikant bestens bekannten Komposition des Gommiswaldners Emil Würmli verrät: „Ein frohes Wiedersehen“.

 Freiwilliges Engagement:
Das freiwillige Engagement oder das oft zitierte Milizsystem geniesst in der Schweiz grosse Tradition. Sei es in der Armee, in der Politik oder in unzähligen Vereinen und Organisationen – ohne freiwilliges Engagement geht es nicht. Als Milizoffizier, politisch engagierter Mensch, Juniorentrainer in einem Skiclub, Fussballer und aktiver Blasmusikant erlebe ich dies Tag für Tag. In einer zusehends individualisierten Gesellschaft erachte ich diesen Bestandteil des Erfolgsmodells Schweiz als höchst gefährdet und ich appelliere deshalb an Sie: Bringen Sie sich auch in der Zukunft zum Wohle der Gesellschaft ein. Die Gesellschaft wird Ihnen dafür auch etwas zurückgeben.

 Weltoffenheit:
Der dritte Punkt den ich ansprechen möchte, ist der politisch zweifelsohne umstrittenste. Es geht um die Stellung der Schweiz gegenüber dem Ausland, insbesondere gegenüber Europa. Hierbei handelt es sich um die vermutlich weitreichendste strategische Entscheidung für die Zukunft unseres Landes. Welche Richtung sollte man für die kommenden Genrationen einschlagen?

Wer sich die Weltkarte zu Gemüte führt, kann zur Kenntnis nehmen, dass die Schweiz durch ihre geographische Lage durchaus als Zentrum der Welt betrachtet werden kann. Mit Sicherheit liegt unsere Heimat aber im Zentrum des europäischen Kontinentes. Für mich als Person die in einem kleinen Quartier von Einfamilienhäusern auf dem Land aufgewachsen ist, stellt es eine Selbstverständlichkeit dar, im Rahmen der uns gegebenen Möglichkeiten freundnachbarschaftliche Beziehungen mit unseren Nachbarn zu pflegen. In der heutigen globalisierten Welt mit ausgedehnten Handelsnetzwerken würden wir uns mit einer verstärken Abschottungspolitik selber unserer Lebensgrundlage berauben. Die Schweiz kann es sich sprichwörtlich nicht leisten, zum einem einsamen Dorf von Galliern im grossen und übermächtigen römischen Reich zu verkommen. Dies funktioniert bekantlicherweise nur in den Kinderbüchern von Asterix und Obelix. Der Königsweg – und dies hat die Vergangenheit klar aufgezeigt – ist zumindest in Bezug auf die Beziehung mit der europäischen Union der bilaterale Weg. Folglich gilt es diesen unter steter Beachtung des Volkswillens weiterzuführen, denn ich bin überzeugt, dass das Schweizervolk im Februar 2014 nicht nein zu einer weltoffenen Schweiz, sondern nein zur aktuellen Migrationspolitik gesagt hat. Für eine erfolgreiche Zukunft sollte die Schweiz folgerichtig der restlichen Welt offen gegenüber stehen. Hierbei müssen wir aber, wie es unserer Mentalität als unabhängiges und neutrales Land entspricht, im Richtigen Moment gewisse Fehlentwicklungen kritisch hinterfragen, Alternativen aufzeigen und Verantwortung übernehmen, anstatt die Augen zu verschliessen.

Folglich ist für mich die Schweiz der Zukunft ein Land, welches Traditionen und Brauchtümer lebt, das freiwillige Engagement zum Wohle der Gesellschaft fördert und fordert und eine weltoffene, wenn auch in gewissen Momenten durchaus kritische Haltung an den Tag legt.

Ich hoffe, dass ich Sie mit meinen Worten zur Schweiz der Zukunft in den letzten Minuten dazu bewegen konnte, sich einige Gedanken zu machen. Gedanken darüber, welche Schweiz der Zukunft Sie sich ganz persönlich, aber auch für künftige Generationen wünschen. Denn eines ist klar: Wir Schweizerinnen und Schweizer haben es in der eigenen Hand über unsere Zukunft zu bestimmen. Nutzen wir diese Chance zu unseren Gunsten!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und unserer Schweiz eine erfolgreiche Zukunft. Kurzfristig wünsche ich Ihnen aber insbesondere einen schönen 1. August im Kreise Ihrer Liebsten. Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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