Rechtsrutsch in Europa - real oder nur ein Medien-Hype?

Wieder einmal wird das Schreckgespenst eines rechten Vormarschs in Europa zelebriert, allen voran durch den Tages-Anzeiger und die NZZ. Was ist dran an dieser Behauptung? Der grosse Wahlerfolg in Dänemark scheint schon auszureichen, um wieder Stimmung zu machen.

In einer zweifelhaften Grafik wird beim Tages-Anzeiger aufgezeigt, wo überall rechte Parteien (und damit meinte der Autor des Artikels wohl ultrarechts) Zugewinne gemacht hätten. Dabei werden aber auch zum Beispiel die spanische konservative Partei aufgezählt. Ist dies nun schon ein Problem, oder darf man gemäss Tages-Anzeiger nur noch links wählen? Scheinbar ist alles rechts von der Mitte suspekt und wird gleich mit rechtsnationalistischem Gedankengut in Verbindung gemacht. Allen voran scheint man bei jedem regionalen Sieg einer rechtsgerichteten Partei schon den Anfang einer neuen Diktatur am Horizont zu sehen.

In skandinavischen Ländern, in Frankreich, in Ungarn, Griechenland und Österreich, teilweise auch in Deutschland (AfD) konnten rechtskonservative Parteien tatsächlich beeindruckende Ergebnisse erzielen. Doch ist das allein schon Grund zur Besorgnis? Jede Partei muss ihre Wahlergebnisse erst einmal bestätigen, und gut möglich, dass bei den nächsten Wahlen die Gewinne bereits wieder abgegeben werden müssen. Man darf sich zu Recht fragen, ob diese unnötige Hetze gegen Rechts (oder sagen wir lieber "rechts der Mitte") wirklich hilfreich ist oder einfach nur kontraproduktiv (und vielleicht sogar etwas paranoid). Das Thema ist nicht neu, ein interessanter Artikel aus dem Jahre 2012 widmet sich ebenfalls einem "befürchteten" Rechtsrutsch. Doch es darf nicht vergessen werden, dass viele der sogenannten Erdrutschsiege auch nur lokalen Charakter haben, aber von den Medien aufgeputscht werden, um Schlagzeilen zu machen.

Wie schon in einem anderen Artikel zur Flüchtlingsproblematik ist es nicht verwunderlich, dass rechte Parteien Zuspruch erhalten, obwohl auch diese das Problem nur halbherzig anpacken und lieber vor sich herschieben. Man darf gespannt sein, wie es bei den nächsten deutschen Wahlen (Herbst 2017) aussehen wird, allerdings ist es bis dahin doch noch eine Weile. Weit früher wird es in der Schweiz zu Parlamentswahlen kommen (Oktober 2015). Die ohnehin stärkste Partei SVP (rechtskonservativ), dessen Zenit bereits überschritten schien, könnte möglicherweise noch Wähler dazu gewinnen. Das dürfte den ohnehin schon grossen Graben zwischen Volksmeinung und Regierung noch weiter aufreissen.

Meine Meinung

Langsam mit den Pferden. Nur weil rechts gewählt ist, ist nicht alles gleich schlecht. Schliesslich ist das Demokratie. Und wenn die braven Bürger links wählen, wird ja gerne ein Loblied auf dieselbe gesungen. Vielleicht sollte es gewissen Medien (und auch Politikern) gelegentlich in den Sinn kommen, warum sich Wähler von ihnen abwenden. Könnte es daran liegen, dass nicht jeder Multikulti als sein höchstes Lebensziel erkoren hat. Nicht jeder kann sich eine schöne Stadtwohnung in einem noblen Quartier (meistens erhöht mit Aussicht auf das gemeine Volk) leisten, wie gewisse "Cüpli-Sozialisten", die phrasieren, was das Zeug hält. Vom Bürger, der sich tagtäglich mit den echten Problemen dieser Politik herumschlagen muss, wissen sie nur wenig bis gar nichts. Man schaue sich einmal die zugepflasterten Städte und Agglomerationen an. Und all diese Leute wollen Arbeit und Geld verdienen. Und jeder bringt aus seiner Heimat schon einen Rucksack mit eigenen Problemen mit (und wenn's schlecht geht, tragen sie die Probleme hierher und leben sie aus).

Also lassen wir die Kirche im Dorf. Ein bisschen Vielfalt tut gut. In der Politik und auch anderswo. Aber eben, zu viel schadet...

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