BRAIN DRAIN ist nicht solidarisch!

„Wer das „globalistische“ Argument anführt, es spiele keine Rolle, ob ein Deutscher in Deutschland oder der Schweiz wohnt und Auto fährt, sollte sich überlegen, weshalb ausgerechnet die UNO die einzelnen Länder in die Verantwortung nimmt und exemplarisch im Paragraf 5.31 der Agenda 21 je eine nationale Bevölkerungspolitik im Einklang mit der nachhaltigen Entwicklung fordert. Dass sich die globale Belastung erhöht, wenn Menschen zwecks Erhöhung der Kaufkraft in reiche Zentren ziehen, wenn Wohnungen und Infrastruktur ein zweites Mal gebaut werden, oder wenn die Arbeitsmigranten regelmässig zuhause Freunde und Familie per Flugzeug besuchen, ist offenkundig. Die wirklich interessanten Fragen betreffend Migration, welche kaum je politisch diskutiert werden, sind ganz andere: Wem oder was nützt es, wenn die reichen Länder und Zentren die arbeitsfähigen Menschen aus den ärmeren und peripheren Gebieten holen? Entspricht die Kumulation von Menschen und Wirtschaft in den reichen Zentren unseren grundlegenden sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Werten oder ist es nicht vielmehr Ausdruck einer auf die Spitze getriebenen Ausbeutung des „Faktors Mensch“ durch kurzfristige und kurzsichtige Wirtschaftsinteressen? Führt Verdichtung zu höherer Lebensqualität oder zu weiterer Entfremdung von der Natur und unseren Lebensgrundlagen? Wäre es nicht menschenfreundlicher, statt Leuten aus ihren sozialen Netzen zu reissen und dem Kapital folgen zu lassen, wenn das Kapital die Arbeitsplätze und die Infrastruktur dort schaffen würde, wo die Menschen schon leben? Nicht vergessen werden sollte auch die Situation der Zurückgebliebenen, der Alten und schlecht Gebildeten, welche nicht migrieren; wie sieht die Perspektive solcher Rumpfgesellschaften aus? Diese Grundfragen stellen sich sowohl in Europa mit der Personenfreizügigkeit als auch global im Verhältnis zwischen armen und reichen Ländern. Weil solch grundlegende Fragen die widersprüchlichen ideologischen Positionen vieler Parteien blossstellen würden, werden sie ignoriert und medial totgeschwiegen.“ (Dr. Benno Büeler in Ecopop Bulletin Nr. 69, Februar 2015, Seite 3)

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