Asylstrom aus Afrika

Aktuell kracht es in der EU. Der Versuch, die EU-Mitglieder für die Aufnahme von Asylsuchenden auf einen Verteilschlüssel zu verpflichten und damit die EU-Staaten Frankreich und Griechenland von den dort derzeit 40'000 auf Asylverfahren wartenden Asylanten aus Afrika (und weiteren 20'000 vor den Toren der EU wartenden) zu entlasten, ist gescheitert.
Camerons Vereinigtes Königreich, das voraussichtlich 2017 ein Referendum über den weiteren Verbleib in der EU abhalten wird, legte das Veto gegen einen obligatorischen Verteilschlüssel ein. Ehemalige Ostblockstaaten unter den EU-Mitgliedern verwiesen darauf, dass ihre wirtschaftliche Leistung noch zu schwach sei, um eine Masseneinwanderung zu schultern. Somit wurde das diesbezügliche Arbeitsdinner in Brüssel mit der Abmachung beendet, dass die Verteilung der 60'000 auf Plätze in der EU wartenden afrikanischen Asylsuchenden auf freiwilliger Basis unter den EU-Staaten erfolgen soll.

Kommissionspräsident Juncker soll gesagt haben, dass es einerlei sei, ob ein obligatorischer oder ein freiwilliger Verteilschlüssel zur Anwendung kommt, Hauptsache sei, dass die 60'000 Flüchtlinge aus Afrika untergebracht würden.

Der italienische Premierminister Matteo Renzi verlieh seinem Unmut dadurch Ausdruck, dass er den Drückebergern unter den EU-Staaten vorhielt, so gehörten sie nicht zu Europa.

In diesem Zusammenhang hat der Präsident von Calais sich über das Vereinigte Königreich echauffiert. Denn in Calais seien zur Zeit 3'000 Flüchtlinge gestrandet, die von Calais aus über den Kanal nach dem Vereinigten Königreich übersetzen wollen. Gestrandet sind sie deshalb, da französische Fährenarbeiter zur Zeit im Streik sind.

Wenn in kurzer Zeit während eines Streiks von Fährenarbeitern in Calais 3'000 Immigranten stranden, die über den Kanal nach UK gelangen wollen, wie viele Immigranten gelangen denn dann im selben Zeitraum wohl in die Schweiz?

Calais ist um einiges weiter nördlich als die Schweiz. Es läge aber nicht nur deshalb nahe, dass auch die Schweiz auf dem Routenplan der Immigranten aus Afrika liegt. Ausser dass die Tessiner momentan die Grenze schliessen möchten, hörte man bisher jedoch eigentlich nichts darüber in den Medien: Die Schweiz scheint von den gegenwärtigen Flüchtlingsströmen offenbar also nicht wirklich ernsthaft betroffen zu sein.
Auch seitens der schweizer Anti-Immigrationspartei, der Schweizerischen Volkspartei (SVP), ist dazu nichts zu hören, nicht einmal ein laues Lüftchen, obwohl 2015 Wahljahr ist. Man solle die Flüchtlinge vor Ort in Lagern auffangen, hört man von SVP-Exponenten allenfalls, aber das ist schon alles, und man hört diese auch aus anderen Parteien, und zwar zum Teil schon seit Jahren. Die Wahlprognosen sagen der SVP trotzdem voraus, dass sie ihren Wähleranteil 2015 zu halten vermag. Möglicherweise ruht sie sich auf den Lorbeeren aus, und ihr Schweigen zur Flüchtlingswelle aus Afrika ist darin begründet? Möglicherweise aber rechnet die SVP damit, dass mehr afrikanische Asylanten in der Schweiz, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, ihr im Endeffekt mehr Stimmen bescheren werden, sie ihren Wähleranteil dadurch stärkt, also begrüsst sie den gegenwärtigen Anstrom von afrikanischen Flüchtlingen eigentlich insgeheim?

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