Irgendwie sind wir doch alle "Blatter"!

«Auf Blatters Rücktritt trinke ich ein Bier», posaunte die grüne Nationalrätin in „20-Minuten“. Die Linke will und die Grünen wollen gar keinen Filz, die Bürgerlichen wollen ihn so lassen und keiner rührt sich irgendwie auch nur einen Jota. Die politischen Ränkespielchen sind mir eigentlich egal. Egal sind mir aber die Printmedien und unser Staatsfernseher nicht (von Lokalradios- Fernseher kann man keine vertiefte Recherche erwarten ausser es gibt einen Verkehrsunfall und der VJ hat Null Aufwand). Allerdings erwarte ich von Leitmedien schon eine vertieftere Auseinandersetzung, warum die FIFA zu so viel Geld kam. Ein Punkt und warum das so ist, sind sicher die Unsummen an Gelder für die Übertragungsrechte, die Sendestationen für Fussballweltmeisterschaften hinblättern. Gebührenzahler finanzieren also IOC, FIFA und UEFA unabhängig davon, ob in den jeweiligen Ländern Mindestanforderungen im Arbeitsrecht eingehalten werden oder nicht. Wir ALLE bezahlen dafür und finanzieren indirekt Wettbewerbe, die unter Missständen erst möglich wurden. In Sotchi, Olympiade 2014, erhielten bis heute die Arbeiter nicht alle Löhne. Brasilianer spüren von der Nachhaltigkeit, die versprochen wurde, gar nichts und in Katar schuften Nepalesen bei 50 Grad bis zu 14 Stunden täglich für ein Zuckerbrot. Ist das nachhaltig? Soll das wirklich im Sinne der Gebührenzahler sein? Eine Sendestation vertritt auch immer eine bestimmte Moral. Ist das Moral, wenn Arbeiter für ein Fussballstation schuften, ihre Lieben zu Hause monatelang nicht sehen und wir das alle auch noch finanzieren, TOR jubeln und sich die Sponsoren dabei die Hände reiben? Für die Sponsoren ist nur interessant, wenn Zuschauer ein Spektakel mitverfolgen und sonst sponsern sie gar nicht.

Das Schweizer Fernsehen könnte den Anfang machen und keine Sportevents mehr übertragen, die nicht nachhaltig sind und die Politik, die sich jetzt über Blatter ärgert, könnte diese Nachhaltigkeit fordern. Aber eben: Was ist schon nachhaltig! Wir sind alle Blatter’s weil wir beim Grillen und einem Bier (Aline Trede) gerne Fussball sehen und Spannung miterleben wollen. Wie wäre es, wenn es keine Übertragungen mehr gäbe ohne vorher abgeklärt zu wissen, ob ein Station auch gebaut wurde und der Arbeiter auf dem Bau richtig bezahlt worden wäre? Also hört auf mit FIFA ist korrupt. Wir sind es, die Fussballevents sehen wollen, einen Final im Langlauf miterleben möchten oder ganz einfach den Fechtern zuschauen.

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