Stimmfreigabe zur PID-Abstimmung

Für mich eine Herausforderung aus ethischer Sicht abzuwägen und zu einer Entscheidung zu kommen hierzu, denn so wie die Abstimmungsvorlage jetzt ausgestaltet worden ist und vorliegt, geht mir etwas zu weit. Ich bin grundsätzlich nicht gegen die PID. Die Untersuchung des Embryos auf Krankheiten vor der Einpflanzung machen bspw. bei sehr schweren Erbkrankheiten Sinn, da dadurch sehr schweres Leiden verhindert werden kann. Die Entscheidung über lebenswert und nicht lebenswert greift tief und schwer, der Entscheid ist nicht mehr rückgängig zu machen. Wenn alles was nicht als normal angesehen wird unweigerlich dann auch als nicht lebenswert bezeichnet wird, wird das Ganze zur ethischen Gratwanderung. Ich erachte es zudem als problematisch, dass nun bis zu 12 Embryone geschaffen werden können. Es bestehen dadurch viele überzählige Embryone, welche dann bei Nichtverwendung entweder für die Forschung verwendet werden können/müssen oder vernichtet werden, beide Varianten gefallen mir nicht. Damit gibt es praktisch keinen Embryonenschutz mehr.

PID Gegnerin, EVP Nationalrätin Streiff-Feller beschrieb die PID als ein «Instrument der Selektion», mit dem zwischen «wertvollem und minderwertigem Leben» unterschieden werde. Allerdings erachte ich es dann doch als Widerspruch, wenn Paare erst während der Schwangerschaft pränatale Tests durchführen lassen können. In der Schweiz sind Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Woche ohne Begründung möglich (der Fötus hat in der 12. Woche inzwischen die Gestalt eines vollständigen Minimenschens angenommen, wo die wichtigsten Organe bereits angelegt sind). Nach der 12. SSW ist ein SS- Abbruch mit Begründung immer noch möglich. Fact ist, dass heutzutage 9 von 10 Kinder mit Downsyndrom abgetrieben werden, auch Embryone (bis 12.W.)/ Föten (ab 12. W.), welche natürlich gezeugt wurden. Setzen wir bei der künstlichen Befruchtung kranke Embryone ein, wird die SS mit ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem viel späteren Zeitpunkt wieder abgebrochen, zu einem Zeitpunkt, wo man schlimmstenfalls bspw. bereits Bewegungen des Kindes fühlen kann im Mutterbauch oder dem Fötus u.U. gar beim Ersticken zugeschaut werden muss. Die pränatalen Test können nicht alle gleich früh durchgeführt werden und bis die Resultate vorliegen vergeht weitere Zeit! Das ist ethisch dann irgendwie noch weniger tragbar und vertretbar für mich, dann besser allfällige Tests und Entscheide in einem möglichst frühen Stadium.

Eltern wird bei all diesen Entscheidungen viel abverlangt. Durch die neuen Gesetze geben sie vielleicht etwas von dieser Verantwortung ab, aber wohl nicht wirklich. Denn ethisch gesehen, kann man diese Verantwortung einfach nicht abgeben. Deshalb denke ich, ist das Wichtigste, dass der Diskurs über lebenswert und nicht lebenswert und über den Beginn von Leben geführt wird und nie einfach übergangen wird! Es geht hier um hohe Güter, um menschliches Leben, das sollte man einfach nie dabei vergessen.

Von meiner Seite her gibt es somit keine Empfehlung, weder für ein Ja noch für ein Nein zu dieser Abstimmungsvorlage. Ich habe ausschliesslich einige persönliche Überlegungen hierzu niedergeschrieben, welche vielleicht bei der Entscheidungsfindung etwas unterstützen können, denn jeder muss für sich selber ganz sorgfältig abwägen, welche Interessen er stärker gewichten möchte…

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