Es brauch mehr als nur Pflästerlipolitik Knapp zwei Wochen ist es seit dem Bootsdrama im Mittelmeer her, bei dem fast 1000 Flüchtlinge ums Leben kamen

Seitdem hatten die Medien von genug anderen Dramen zu berichten, sodass das Thema schon wieder untergegangen ist. Die Politik hat einige Sofortmassnahmen getroffen. Diese sind zwar begrüssenswert, aber sie lösen das Problem langfristig nicht
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Noch nie waren auf der Welt so viele Menschen auf der Flucht. Nachbarstaaten von Kriegsgebieten ächzen unter der enormen Aufgabe, so viele Flüchtlinge aufzunehmen. Bei vielen ist es die Perspektivlosigkeit, andere können aber auch nicht in solchen Camps bleiben, weil sie nicht einmal dort in Sicherheit sind. Sie ziehen den lebensgefährlichen Weg ins sichere Europa vor. Das ist verständlich. Derweil ist die Strategie von Europa klar: der Weg hierher soll illegal, anstrengend und möglichst gefährlich sein. Durch die Illegalität werden Schlepperbanden gefördert, welche für den Transport der Menschen horrende Summen verlangen können und keine Verantwortung tragen.
Nach Europa schaffen es also derzeit nur jene, die über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, in guter körperlicher Verfassung sind und das Glück haben, an gutmütige Schlepper mit wenigstens einigermassen guten Schiffen zu gelangen.
Für mich ist das keine Asylpolitik, die diesen Namen verdient. Recht auf Asyl haben die, die an Leib und Leben bedroht sind. Das sind vor allem die finanziell und körperlich Schwächsten. Genau für diese braucht es Möglichkeiten, einen Asylantrag stellen zu können. Eine gute Möglichkeit dazu war das Botschaftsasyl, das die Schweiz 2012 leider abgeschafft hat. Die Schweiz sollte hier wieder mit guten Beispiel voran gehen, das Botschaftsasyl ermöglichen und gleichzeitig die anderen Staaten auffordern, es uns gleich zu tun. Zudem brauchen wir einen international ausgeglichenen Verteilschlüssel für Flüchtlinge. Europa wird nie alle rund 50 Millionen Menschen aufnehmen können, die sich weltweit auf der Flucht befinden. Doch für die, die am meisten an Leib und Leben bedroht sind, hat es Platz. Für alle andern braucht es Hilfe in den Nachbarstaaten der Flüchtlingsländer, sodass sie die gefährliche Reise schon gar nicht erst antreten. Schliesslich braucht es als langfristiges Ziel eine Stabilisierung der Flüchtlingsländer, allem voran die Förderung demokratischer Strukturen. Solange Menschen in Ländern wie Syrien oder Eritrea keine Perspektive sehen und an Leib und Leben bedroht sind, werden sie auch flüchten. Es wird nicht in allen Ländern einfach sein, das Problem einfach und schnell an der Wurzel packen zu können. Aber langfristig führt kein Weg daran vorbei.
Ich hoffe, dass die Politik jetzt auch solche Lösungen anpackt. Ich will nicht noch ein Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. Ich will dort keine Hinrichtung unschuldiger Leute mehr, die nur das Pech hatten, zur Falschen Zeit am Falschen Ort zu Leben und sich mit der Unsicherheit und der Perspektivlosigkeit nicht abfinden wollen.

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