Die Stimmen aus dem Massengrab

Wieder sind im Mittelmeer hunderte von Flüchtlingen ertrunken und wieder hört man die ewig gleichen Phrasen: man soll endlich den Fluchtweg durch das Mittelmeer schliessen, man soll den Schleppern das Handwerk legen, man soll lokal Zentren einrichten, in welchen die Fluchtwilligen auf die Gefahren einer Überfahrt hingewiesen werden und dass sie nur verfolgt eine Chance auf Asyl haben.
Diese Aussagen gab Roger Köppel am Sonntag bei Günther Jauch von sich.

Diese Forderungen sind ja ganz vernünftig, jedoch ohne wirkliche Lösungsansätze purer Populismus. Wie will man das Mittelmeer als Fluchtweg nach Europa schliessen? Dies müsste zwingend in Zusammenarbeit mit den Afrikanischen Staaten geschehen, da sonst Europäische Schiffe die Flüchtlinge nicht zurückbringen könnten.
Den Schleppern das Handwerk zu legen ist einfacher gesagt als getan, deshalb wohl hat Roger Köppel auch keinen Vorschlag gebracht, wie dies zu tun sei.

Die lokalen Zentren hingegen sind ein guter Vorschlag, vor allem weil es das Botschaftsasyl nicht mehr gibt und so auch „echte Flüchtlinge“ keine Chance auf eine sichere Überfahrt haben. Dort könnte man die „echten Flüchtlinge“ aussortieren und nach Europa bringen. Jedoch müsste man all den chancenlosen „Wirtschaftsflüchtlingen“ vor Ort eine Perspektive aufzeigen, da sie es sonst trotzdem versuchen nach Europa zu kommen. Denn es ist naiv zu glauben, dass es reicht ihnen zu sagen, dass eine Überfahrt gefährlich ist.

Um vor allem den Strom der sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ zu stoppen, muss man die wirtschaftliche Situation in den dortigen Gebieten verbessern. Jedoch betreiben vor allem Europa und die USA eine Handelspolitik, welche das Gegenteil bewirkt. Die Amerikaner subventionieren den Export von überschüssigen Nahrungsmittel. So kommt es, dass an Afrikanischen Märkten lokale Kartoffeln teurer sind als jene die von tausenden Kilometern her importiert wurden. So wird das lokale Gewerbe zerstört und man darf sich dann auch nicht wundern, dass die lokalen Lebensbedingungen so schlecht werden. So schlecht, dass junge Menschen dort keine Zukunft mehr sehen und alles hinter sich lassen um die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa zu wagen.

Deshalb sollten wir in Zeiten der Betroffenheit uns nicht nur fragen, wie man verhindern kann, dass Flüchtlinge die Überfahrt in Angriff nehmen. Es sollte uns auch sehr zu denken geben, dass Menschen so verzweifelt sind, dass sie ihr ganzes Leben hinter sich lassen und ihr Leben riskieren für ein Leben in Europa.

47 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.