Massensterben im Mittelmeer

Erneut ertranken im Mittelmeer ca. 700 Flüchtlinge. Menschen die so verzweifelt waren, dass sie ihre Heimat aufgaben und beschlossen, trotz der mannigfaltigen Gefahren, nach Europa zu fliehen. Menschen die verfolgt werden, oftmals gefoltert wurden. Gequält vom eigenen Regime, ignoriert vom Rest der Welt. Oder noch schlimmer: Sie werden als "Wirtschaftsflüchtlinge" tituliert. Eine klassische Taktik der menschlichen Psychologie. Was einem nicht passt, oder man nicht verarbeiten kann, wird entweder verdrängt (man denkt gar nicht daran dass wenige Kilometer vom liebsten Badestrand Dutzende Familien wie Ratten ertrunken sind) oder verzerrt ("die sind ja selber Schuld, die wollen doch nur hierher kommen um zu schmarotzen").

Mich kotzt das an.
Europa schaut weg. Dieses hilflose Verdrängen der furchtbaren Tragödien, welche nur wenige Hundert Kilometer südlich von uns stattfinden, zeigt die menschenverachtende Politik der heutigen Zeit. Millionen werden investiert im Kampf gegen das Rauchen, doch Hunderte Flüchtlinge die vor unserer Küste ertrinken? Das interessiert die "Classe Politique" anscheinend nicht. Dieses "Wir und die Anderen"-Denken hat im Laufe der Geschichte nur für Elend, Krieg und Tod gesorgt, doch diese Tatsache wird weitgehend totgeschwiegen.

Das Leben von Menschen für politische Zwecke zu instrumentalisieren ist mir von Grund auf zuwider, doch in diesem Falle muss SOFORT interveniert werden.

Ein europaweites Seenotrettungsprogramm ist eine unabdingbare Sofortmassnahme. Alles andere ist und bleibt inakzeptabel.

Es braucht in Nordafrika Orte, an denen die Flüchtlinge "aufgefangen" werden können. Orte an denen sie medizinisch versorgt werden können und an denen sie über die Gefahren einer Überquerung des Mittelmeers mittels "Schleppern" aufmerksam gemacht werden. Desweiteren: Mittelfristig legale Einreise zwecks Asylprüfung in Europa, Resettlement, legale Migration.

Ich höre jetzt schon wieder das seelenlose Stammtischgebrabbel "Aber diese ganze Migranten!". Wissen sie was? Wenn sie so denken dann wollen sie lieber nicht hören was ich von ihnen halte, weil es vermutlich unser beider "Seelenheil" gefährden würde (oder eventuell noch mehr).

Ein Leben ist ein Leben. Es ist unser höchstes Gut.

Punkt. Aus.

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