FDP gewann Sitze mit doppelten Pukelsheim, GLP verlor hingegen Sitze. Dies liegt an der unterschiedlichen Stimmbeteiligung in den Wahlkreisen.

Ich habe im Nachzug der Wahlen die Resultate des doppelten Pukelsheim mit denjenigen verglichen, wenn in jedem Wahlkreis einfach nach Standardrundung die Mandate verteilt würden.
Nicht unerwartet hätten die grossen Parteien dann mehr Mandate (SVP +3, SP + 2) und die kleinen weniger (BDP -3, EDU -2), mit der Ausnahme der AL, die auch so 5 Mandate zugeteilt bekommen hätte.
Erstaunlicher ist jedoch, dass die grosse Partei FDP zwei Mandate weniger erhalten hätte, nur 29 statt 31 und die kleine GLP zwei Mandate mehr (16 statt 14). Tendentiell müsste eine grosse Partei bei der einfachen Verteilung besser fahren als bei der doppelten.
Einen Hinweis für eine Erklärung bekam ich in einem Radiokommentar, die FDP hätte insbesondere in den Wahlkreisen stark mobilisiert, wo sie am stärksten ist. Die FDP ist am stärksten im Kreis 7/8 und in Meilen. Der Kreis 7/8 hat aber auch die höchste Wahlbeteiligung (40.86%), und Meilen die dritthöchste aller Wahlkreise. Am schwächsten ist die FDP im Kreis 4/5 und Kreis 11/12. Kreis 11/12 hat die tiefste Wahlbeteiligung (26.29%), Kreis 4/5 ist höher, aber auch unter dem Durchschnitt.
Da beim Pukelsheim bei der Oberverteilung jeder Wähler gleich zählt, kann man sagen, dass die Wähler in 7/8 die Wähler in 11/12 überstimmt haben.
Die Wahlkreise mit höherer Stimmbeteiligung haben damit mehr Einfluss auf das Gesamtresultat als die Wahlkreise mit Stimmabstinenz. Man kann diesen Unterschied ausrechnen, wenn man die Sitze nicht nach der Wohnbevölkerung, sondern nach den Wählerzahlen auf die Wahlkreise verteilt. Der Kreis 7/8 hat damit 8 Sitze (+2), Meilen 16 Sitze (+3), Kreis 4/5 4 Sitze (-1), Kreis 11/12 8 Sitze (-4). Das ist die eigentliche Machtverteilung im Kantonsrat, die Unterzuteilung im doppelten Pukelsheim ist nur noch geographische Kosmetik.
Man kann argumentieren, wer nicht wählt, ist selber schuld, schliesslich wählen wir einen Kantonsrat für den ganzen Kanton und jeder Wähler zählt gleich viel. Dann frage ich mich aber, warum es dann noch Wahlkreise und eine Unterverteilung braucht.
Man kann aber auch argumentieren, dass die Sitze nach der Wohnbevölkerung auf die Wahlkreise zugeteilt wurde und demnach die Wähler nur mit ihrer Stimme die Auswahl der Listen für die eigene Wohnbevölkerung durchführen. Dann müsste aber die Wohnbevölkerung entsprechend repräsentiert werden, und diese Anforderung erfüllt der jetzige doppelte Pukelsheim nicht.
Ein Ansatz wäre es, für die Oberzuteilung nicht die Summe der Wähler, sondern die Summe der theoretischen Sitzansprüche zu verwenden.

4 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Wahlen»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production