Für eine Volksabstimmung über die Energiewende sind verlässliche Entscheidgrundlagen unabdingbar

Ein Punkt im sogenannten "bürgerlichen Schulterschluss" ist das Versprechen, das Volk dereinst über die Energiewende abstimmen zu lassen. Ich begrüsse dies sehr und gehe auch davon aus, dass man einen Entscheid von dieser Tragweite ohnehin vors Volk gebracht hätte.

Ein neues (Partei-)Gutachten lässt jetzt aufhorchen:

Um die Risiken zu mindern, empfiehlt seine Studie den Eigentümer-Kantonen und dem Verwaltungsrat unter anderem folgendes:

  • Die Axpo-Buchhaltung sei zu reorganisieren, und alle Verpflichtungen seien transparent auszuweisen.
  • Die AKW und AKW-Beteiligungen der Axpo sollten in eine einzige Holding übergeführt und als «bad bank» ausgegliedert werden, wie das der deutsche Stromkonzern Eon bereits getan hat.
  • Die Eigentümer-Kantone sollten eine Stromabgabe erheben, um Altlasten und nicht-amortisierbare Investitionen tilgen zu können.

Interessant ist auch die Entwicklung rund um Mühleberg, wo der Rückbau sofort nach der Stillegung beginnt.

Mühleberg ist das erste Kernkraftwerk, das in der Schweiz vom Netz geht. 2019 ist es soweit. Nun gibt es zwei Arten, ein Kernkraftwerk abzubrechen: Entweder man wartet einige Jahrzehnte, bis die radioaktive Verstrahlung kleiner ist, oder man beginnt sofort mit dem Rückbau.

Der Energiekonzern BKW hat sich für die zweite, schwierigere Variante entschieden. «Jetzt wissen wir, wie die Verhältnisse sind. Wir wissen recht genau, was dieser Rückbau kosten wird. Und das Geld ist vorhanden. In 50 Jahren wären das alles Fragezeichen», sagt BKW-Chefin Suzanne Thoma.

Hiezu die Hintergrundrecherche von Einstein oder ein Beitrag des Spiegel: Abriss des AKW Lubmin: Ein Atomkraftwerk wird gehäckselt. Das sind aktuelle Meldungen aus Deutschland und dies kam unlängst aus der Schweiz. Zur Sicherheit vom dienstältesten Meiler der Welt, Beznau, verweise ich auf diese interessante Geschichte.

Für mich ist in dieser Diskussion sehr wichtig, dass die dabei anfallenden Kosten für den Stimmbürger transparent ausgewiesen werden - und selbstverständlich den Konsumenten direkt über den Preis von Atomstrom verrechnet werden. Wir sprechen hier übrigens von Kosten, die bereits fällig sind, und die künftigen Kosten der Tiefenlager sind dabei nicht einmal eingerechnet.

Wenn man jetzt die Kosten für die Energiewende beziffert, wäre es nur fair, wenn man die Zahlen korrekt aufschlüsselt und die Altlasten von der Entwicklung zu einer nachhaltigeren und eigenständigen Energieproduktion trennt. Es gibt übrigens auch gute Nachrichten: «Energierevolution geht schneller als vorgestellt».

Wie wär's, wenn wir uns von den mittlerweile völlig unrentablen Altlasten endlich trennen würden?

Ja, die AKWs waren, sind bereits und werden noch teuer - aber diese Entscheidung wurde bereits getroffen: Die AKWs stehen und laufen heute.

Wer zahlt nun den vollen Preis dafür?

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