Schon mitbekommen? Stell Dir vor, im Kanton Zürich sind Regierungsratswahlen...

...und keiner geht hin. Resp. keiner weiss was davon. Der Wahlkampf tritt jetzt, notabene drei Wochen vor dem Wahltag in die absolut "heisseste" Phase ein. Denn nach und nach bekommen die Haushalte ihre Wahlcouverts ins Haus. Nun kommt der entscheidende Moment. Denn nun findet bei Herrn Meier, bei Frau Müller die Triage statt. Couvert gleich ungeöffnet ins Altpapier? Couvert wenigstens öffnen, Inhalt ansehen und dann erst ins Altpapier? Hm, oder tatsächlich wählen gehen? Sauerei! Da herrscht Demokratie und man muss tatsächlich was tun dafür?

"Und all die viele Näme, da chunnt mer ja nüme druus? Nei, ich wähle nöd, will die z'Bern obe mached ja eh was wänd."

Naja, abgesehen davon, dass es hier um Zürich geht.., hm lassen wir das. Eine Demokratie ist immer nur so gut, wie sie vom Volk auch legitimiert ist. Das "mached eh was wänd" wird immer kleiner, je mehr Menschen wählen gehen. Geben Sie sich einen Ruck und gehen wählen.

Um einen Einblick in das Dickicht all dieser Namen zu kriegen. Gehen Sie zum Beispiel auf http://www.smartvote.ch/15_zh_exe/election/index und innert Minuten haben Sie den Kandidaten der zu Ihnen passt.

Und jetzt kommt eben mein eigentlicher Punkt, meine eigentliche Kritik. Wie kann man dem "Volk" seine Abstinenz von der Urne verübeln, wenn man kandidiert und es selber nicht mal für nötig empfindet, dieses doch eher simple Smartvoteprofile auszufüllen? Dies betrifft vor allem die Kandidierenden für den Kantonsrat. Glaubt Ihr, man wählt Euch wegen den schönen Augen oder was?

Ähnliche Gedanken kamen mir hoch, als ich vergangenen Mittwoch einen der sehr rar gesäten Anlässe zu den Regierungsratswahlen besuchte.

Um es vorweg zu nehmen, der Abend war ein Genuss! So macht Politik Spass! Aber eben, er hätte zünftig in die Hosen gehen oder gar abgesagt werden können.

Warum? Weil Wahlabstinenz nicht nur beim "dummen" Volk stattfindet, sondern eben auch bei den Kandidierenden. Es war eigentlich die Idee der Organisatoren, sämtliche elf Kandidierenden für den Regierungsrat auf das Podium zu bringen, aber eben; einen Anlass der Alternativen empfindet man bei den Kandidierenden von SVP, CVP und FDP als überflüssig, da hat man besseres zu tun. Auch nicht schlecht, dann muss ich man sich mit diesen Kandidaten gar nicht erst gross auseinandersetzen, denn die haben ja eh verschissen.

Auch die Suche nach einem Moderator erwies sich offenbar als schwierig. Die Journis geben sich ja auch nicht für alles her? Mir egal, hab eh kein Zeitungsabo mehr, denn von Google abschreiben kann ich auch selber.

Also, man war ohne die Bürgerlichen und erst noch ohne Moderator. Anlass ablasen? Mitnichten, da kennen Sie die Alternativen schlecht! Diejenigen die zusagten sollen sich gefälligst äussern können und dann sucht man halt noch jemanden ausserhalb der Medienwelt der diesen Abend moderiert.

Und hier kommt für mich der eigentliche Held des Abends ins Spiel: der SVP-Kantonsrat Claudio Schmid. Wo die Kandidierenden seiner Partei versagten, sprang er ein und hielt seinen Grind hin. Er nahm die Herausforderung an und moderierte mit Bravour diesen Abend. Dass er Partei war, war von den Organisatoren durchaus erwünscht. Er sollte eben die abwesende Seite, die ja offensichtlich besseres zu tun hatte, vertreten und gleichzeitig den fairen Moderator mimen. Applaus, diesen an und für sich unlösbaren Spagat hat Herr Schmid mit Bravour geleistet. Soweit provozieren, dass man glaubwürdig bleibt und so neutral sein, dass man, naja, glaubwürdig bleibt? Nicht jedermanns Sache, Herr Schmid nahm diese Herausforderung an und ja, er hatte sichtlich Spass an der Sache! Chapeau! Soviel Füdli haben nicht viele!

Naja, manche sind halt Politiker, andere eher nicht.

Dank der AL Bülach für diesen überaus spannenden und lehrreichen Abend. Und Chapeau!

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